Kultur

9/11 - Deutscher Schicksalstag

Artikel veröffentlicht am 5. November 2009
Artikel veröffentlicht am 5. November 2009
Von der Revolution bis zur Wiedervereinigung, vom Hitler-Putsch bis zur Reichskristallnacht: Der 9. November erzählt Deutschlands Geschichte im 20. Jahrhundert.

1918: Die Republik wird ausgerufen

©Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive)/ WikimediaDer Streik der kaiserlichen Marine weitet sich in den letzten Wochen des Ersten Weltkriegs zur Revolution aus. Noch vor dem offiziellen Kriegsende ruft der SPD-Politiker Philipp Scheidemann am 9.11.1918 am Berliner Reichstag die Republik aus. Am selben Nachmittag macht ihm der kommunistische Politiker Karl Liebknecht (Foto) Konkurrenz: Er verkündet die „freie sozialistische Republik Deutschland“.

1923: Hitlers Marsch auf die Hauptstadt

©Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive)/ WikipediaNach fünf Jahren befindet sich die Weimarer Republik in einer politischen und wirtschaftlichen Krise. In der Nacht vom 8. auf den 9. November 1923 ruft Adolf Hitler in München die „nationale Revolution“ aus und fordert einen „Marsch auf Berlin“. Der Putsch wird von der Polizei gewaltsam niedergeschlagen. Die NSDAP wird verboten, Adolf Hitler zu fünf Jahren Haft verurteilt.

1938: Brennende Synagogen

©Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive)/ WikipediaDas NS-Regime gedenkt auf seine Weise des gescheiterten Putsches von 1923: Am 9. November 1938 brennen in Deutschland die Synagogen. Unzählige jüdische Bürger werden misshandelt, tausende von Geschäften und Häusern zerstört. Nach dieser so genannten „Reichskristallnacht“ verschärft sich die Judenverfolgung. Schon am Folgetag werden mehr 30 000 jüdische Männer in Konzentrationslager transportiert.

1989: „Wir sind das Volk“

©http://www.flickr.com/photos/percygermany/Die anhaltenden Demonstrationen und die unzähligen Ausreisen in den Westen über Ungarn setzen die DDR-Regierung unter Druck. Auf einer internationalen Pressekonferenz am Abend des 9. November 1989 weiß Günter Schabowski, Mitglied des DDR-Politbüros, keinen Rat mehr: Er erklärt, dass Privatpersonen „sofort, unverzüglich“ in den Westen reisen dürfen. Kurz darauf strömen tausende DDR-Bürger über die Grenzübergänge nach West-Berlin. Die Mauer ist gefallen.

Als im wiedervereinigten Deutschland nach einem Nationalfeiertag gesucht wird, ist der 9. November in der Diskussion. Da jedoch auch die Reichskristallnacht auf diesen Tag fällt, wählt die Regierung den 3. Oktober, das Datum der offiziellen Wiedervereinigung im Jahr 1990.