Kultur

5 Jahre cafebabel.com

Artikel veröffentlicht am 1. Februar 2006
Im Magazin veröffentlicht
Artikel veröffentlicht am 1. Februar 2006
Vor fünf Jahren erblickte die erste echt europäische Zeitung in Straßburg das Licht der Welt.

Liebe Leser,

Es ist bereits ein halbes Jahrzehnt vergangen, seit am 1. Februar 2001 eine Handvoll Erasmus-Studenten in Straßburg die erste Ausgabe unseres europäischen Magazins, cafebabel.com veröffentlichte. Damals war der Euro noch nicht in unseren Geldbeuteln angelangt, die Wiedervereinigung des Kontinents mit zehn ehemals kommunistischen Ländern Mittel- und Osteuropas war für 2004 vorgesehen. Zu dieser Zeit begann gerade eine zaghafte Debatte der Experten über die zukünftige Form der EU. Sie führte zu der Entscheidung, den Verfassungs-Konvent zu schaffen.

Auf den Spuren der Eurogeneration

Aber nicht nur die Politik, auch die europäische Gesellschaft veränderte sich. Eine neue Generation junger Europäer, Kinder des Schengener Abkommens, des freien Personenverkehrs und des Erasmus-Programms, wirbelten die soziologischen Koordinaten des neuen Kontinents durcheinander. Aus dieser Eurogeneration entstand cafebabel.com. Es sollte eine europäische Netz-Zeitung geschaffen werden, die zur Bildung einer grenzüberschreitenden Diskussion und damit einer europäischen Öffentlichkeit beiträgt.

Während der letzten fünf Jahre hat cafebabel.com von dieser Eurogeneration erzählt, die sich über Grenzen hinweg liebt, die in Paris, Budapest oder Brüssel lebt, die auf Sommerfestivals andere Kulturen entdeckt, die unter der schwierigen Arbeitsmarkt-Situation leidet, aber von der „Low-cost-Revolution“ unseres sozio-ökonomischen Systems profitiert.

Über dieses System hat cafebabel.com die Debatte geschürt, die immer noch läuft. Dank unseres Netzes von nunmehr zwanzig Lokalredaktionen haben wir unterschiedliche Standpunkte und Auffassungen zusammengeführt, die sich sonst niemals getroffen hätten. Es ging um die Lissabon-Strategie, die Einwanderung oder die Krise des Gesellschaftsmodells des Kontinents. Ohne dabei weder die intensive Berichterstattung über die muslimische Einwanderung nach Europa zu vergessen, die den Bevölkerungsrückgang bremst, noch die zwei islamistischen Attentate, die in Madrid und London den europäischen Boden mit Blut bespritzten, noch die Aufstände in den französischen Vorstädten.

Heilung durch Debatten und Kaffee

Vielleicht hat gerade diese Krise dazu geführt, dass die französischen und holländischen Wähler den Verfassungstext abgelehnt haben, der von den europäischen Staats- und Regierungschefs vorgeschlagen wurde. Über diesen Text haben wir mit unserer Reihe Coffee storming eine breite Debatte ausgelöst: Wie veranstalteten eine ganze Serie von Diskussionen in den Cafés von halb Europa und veröffentlichten auf unserer Webseite thematische Dossiers, um herauszufinden, ob die EU sich durch die Verfassung weiterentwickeln kann oder nicht. Als dann die Verfassung vom Tisch war, haben wir, halb im Scherz, beschlossen, die Reihe Café Therapy zu starten, um die Ängste der Europäer mit Kaffee, Diskussionen und der Begegnung mit anderen Europäern zu verstehen und zu heilen.

Eine Referenz 2009

Diese Arbeit entspringt aus der Beteiligung hunderter ehrenamtlicher Journalisten aus ganz Europa, die von der Europäischen Zentral-Redaktion in Paris koordiniert wird. Von Ihnen, den Lesern, wurde diese Arbeit belohnt: Die Leserzahl von cafebabel.com stieg zwischen Dezember 2004 und Dezember 2005 von 15.000 auf 140.000. Und um uns einem noch größeren Publikum zu öffnen, werden wir morgen die polnische Ausgabe von cafebabel.com veröffentlichen – nichts weniger als ein historischer Tag für unsere Webseite.

Und die nächsten fünf Jahre? Cafebabel.com wird sich bemühen müssen, Ihnen ein journalistisches Produkt zu bieten, dass sich noch mehr am aktuellen Geschehen orientiert, das in der Lage ist, ein noch breiter gefächerchtes Angebot an Themen mit jener Originalität zu behandeln, die uns auszeichnet. Im Internet und vielleicht bald in einer Printversion. Mit einem Ziel: Bei den Wahlen zum Europaparlament 2009 in den europäischen Medien eine Referenz zu sein.

Bis dahin wünschen wir Ihnen eine angenehme Eurolektüre!