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Das vergessene Srebrenica

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©Giacomo Rosso

Eine Familie feiert den Abschied eines Sohnes, der bald seinen Wehrdienst antritt. Musiker und Familienmitglieder kommen auf mich zu und laden mich ohne zu zögern ein, mit ihnen zu feiern. Ich setze mich und bekomme gleich einen Teller Fleisch und Wein vorgesetzt. Der Onkel sitzt neben mir und hat einen Geldschein auf der Stirn kleben: Er trinkt pausenlos und schenkt auch mir stetig neu ein, während der Vater des jungen Mannes mich immer wieder um ein Foto mit seinem Sohn bittet.

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©Giacomo Rosso

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andrea - 2010-07-14 19:52:19
Ohja, vergessen wollen wohl alle. Was eigentlich nicht verwerflich wäre, hätten die Menschen aus diesem Krieg etwas gelernt. Doch das traurige ist: sie haben es nicht. Sie versuchen zu vergessen, ohne jemals reflektiert zu haben. Ohne sich bewusst gemacht zu haben, aus welchen unsinnigen Gründen dort tausende von Menschen gestorben sind. Und nicht nur in Srebrenica: in ganz Jugoslawien haben Kroaten, Muslime und Serben gemordet, Kinder ermordet, Großeltern ermordet, ihre Nachbarn. Als hätten sie alle vergessen, wer sie sind und wer sie mal waren. Es ist erschreckend, wozu Menschen fähig sind, ganz normale Menschen. Und natürlich ist es ebenso erschreckend, wie internationale Organisationen, ja die ganze intenationale Welt, wegschauen, während mitten in Europa gemetzelt wird. Nie wieder Ausschwitz? Von wegen! Dieser Krieg hat gezeigt, dass Genozid immer wieder passieren kann, solang sich niemand verantwortlich fühlt. Verantwortlich für all die Menschen, die dort gestorben sind, für deren Familien. Und dann ... dann kehrt man nach Bosnien zurück und muss feststellen, dass die Menschen einfach nichts gelernt haben aus diesem Krieg. Dass ethnische Konflikte noch immer präsent sind, sogar präsenter als sie es in Jugoslawien gewesen sind. Dass es noch immer wichtig ist, welcher Religion man angehört, welchen Namen man trägt. Diese Tatsache ist schmerzhafter als jede Erinnerung. Denn ein solcher Krieg wäre ... falls man das so sagen kann... eher zu bewältigen, wenn man wenigstens wüsste, dass Menschen daraus gelernt haben, dass sie sich weiterentwickeln konnten. Dass ihre Kinder nicht mit diesem Hass aufwachsen, dass sie friedlich miteinander, nebeneinander leben können. Doch der dich musternde Blick eines Moslems, wenn du deinen kroatischen Namen nennst, reicht aus, um all deine Hoffnungen in die Menschheit zu zerstören. Und was bleibt? Unverständnis... tiefer Zweifel... Trauer.

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