Gesellschaft

Zwischen Herd und Chefetage

Artikel veröffentlicht am 8. März 2007
Artikel veröffentlicht am 8. März 2007
Eine neue Frauenpartei macht in Polen gegen das traditionelle Frauenbild der konservativen Regierung mobil.

In Polen wird derzeit heftig über die Rechte der Frauen gestritten. Konservative und nationalistische Politiker schlugen im Januar vor, das „Recht auf Leben ab der Befruchtung der Eizelle“ in der Verfassung zu verankern. Außerdem wollten sie die Mütter finanziell unterstützen, die sich für eine Tätigkeit als Hausfrau entscheiden. Die Vorschläge stießen in der Öffentlichkeit auf heftigste Kritik. „Wenn es um Frauenthemen geht, sollte man mit den Frauen sprechen“, sagt Izabela Jaruga-Nowacka. Die Abgeordnete der linken Partei SLD ist bekannt dafür, sich für die Frauenrechte einzusetzen.

Zu wenig Selbstvertrauen

Grund genug also, eine Frauenpartei zu gründen. „Wir müssen nicht immer nur Widerstand leisten. Wir leben in einer Demokratie und können unsere Rechte einfordern, gemäß den Grundsätzen eines demokratischen Landes“, sagt Manuela Gretkowska, 43, Gründerin der Partia Kobiet. „Ich glaube fest daran, dass uns dies gelingen wird. Im neuen Parlament wird es eine Partei geben, die die Interessen der polnischen Frauen vertritt“, versichert die Schriftstellerin.

Obwohl es in Polen, anders als in anderen europäischen Ländern, keinen gesetzlich geregelte Gleichberechtigung in der Politik gibt, besetzen Frauen inzwischen ranghohe Ämter, sei es in Politik oder Wirtschaft.

„Die Frauen, die gegenwärtig im Parlament sitzen, vertreten unsere Interessen nicht hinreichend“, klagt Manuela Gretkowska. „Da wir uns auf ideologischen Pfaden verirren, schaffen wir es nicht, die Themen in Angriff zu nehmen, die uns alle betreffen. Und vor allem nicht die, bei denen es um die wehrlosesten Geschöpfe unserer Gesellschaft geht, nämlich die Kinder“.

In Polen wird es als anormal empfunden, wenn Frauen Karriere machen. Wer beruflich erfolgreich ist, gilt als radikale Feministin oder hat kein Familienleben vorzuweisen. "Mir kommt es so vor, als hätten Frauen weniger Durchsetzungsvermögen und Selbstvertrauen", sagt Magda, Leiterin der Bürgerrechtsorganisation SLLGO. "Selbst wenn Frauen in ein öffentliches Amt streben, verlangt man von ihnen, dass sie sich dem Haushalt widmen."

„Polen gehört den Frauen“

In der Frauenpartei bleiben die Männer laut Geschäftsordnung in der Minderheit. Die Idee, eine solche Partei zu gründen, wurde nicht nur von männlichen Vertretern des politischen Parketts, sondern auch von den Frauen der Regierungsparteien belächelt.

Doch viele bekannte Politikerinnen der Opposition, Geschäftsfrauen, Journalistinnen sowie prominente polnische Frauen unterstützten das Projekt. Vor allem aber kam von zahlreichen „normalen“ Frauen Beistand, die so ihre Unzufriedenheit mit der derzeitigen Politik ausdrückten. „Allen, die an uns gezweifelt haben, und die uns als 'politische Folklore' bezeichnet haben, sei gesagt, dass Frauen sich organisieren und eine funktionstüchtige Partei mit einem neuen politischen Ansatz gründen können“, verkündet Lidia Popiel-Linda, Mitgründerin der Frauenpartei.

Die Frauenpartei entstand nach Manuela Gretkowskas Manifest Polska jest kobiet („Polen ist eine Frau“) und wurde von einer landesweiten Bewegung getragen. Seit dem 1. Februar 2007 wird sie offiziell im Parteienregister geführt. Das Parteiprogramm will nicht nur die erreichen, die ihre Lebensbedingungen verbessert sehen möchten. Es hat auch Veränderungen in all den Lebensbereichen zum Ziel, mit denen Otto-Normal-Verbraucher unzufrieden ist.

Nur Mittel zum Zweck?

Das Ziel der Frauenpartei, die Situation im ganzen Land zu verbessern, steht im Zentrum der Kritik. Es sei unmöglich, das Land in allen Bereichen umzustülpen und so sein Ideal des Landes in die Tat umzusetzen. „Die Partei will auf diese Art und Weise allen ernsthaften Problemen aus dem Weg gehen“ kritisiert Teresa Jakubowska von der antiklerikalen Partei Racja „Ich gehe nicht davon aus, dass die Arbeit der Frauenpartei sonderlich viele Ergebnisse liefern und etwas Neues bringen wird“, sagt sie.

Andere wenden ein, die Gründung der Frauenpartei sei eine hervorragende Werbekampagne für Gretkowskas neues Buch Kobieta i mczyni („Die Frau und die Männer“). Angeblich soll das Werk mit Hilfe der neuen Partei zum Verkaufsschlager werden.

Eines ist jedoch sicher: Die polnischen Frauen benötigen eine stärkere Vertretung ihrer Interessen innerhalb der Regierung. Die Zeit wird zeigen, ob die Frauenpartei die Erwartungen ihrer Anhängerinnen erfüllt oder nicht.