Gesellschaft

Zombie Walk: Sie erstehen von den Toten auf... sie wollen... eine Rente!

Artikel veröffentlicht am 25. Oktober 2010
Artikel veröffentlicht am 25. Oktober 2010
Es gab eine Zeit, als Demonstranten sich als Clowns verkleideten. Am 16. Oktober waren es jedoch Zombies, die die Demonstration für sich in Beschlag nehmen, um die aktuelle Rentenreform in Frankreich zu kippen. Denn in Zukunft soll im Hexagon die Rente erst ab 62 und nicht mehr 60 Jahren winken.
Wenn selbst die Toten zurückkommen, um für ihre Rechte zu kämpfen, kann sich die französische Regierung dann weiterhin taub stellen?

"Sarko, t‘es foutou, les zombies sont dans la rue!" ('Sarko, du bist erledigt, die Zombies sind auf der Straße!'), konnte man am Samstag, dem 16. Oktober in Paris auf einem Plakat lesen, das von einem Jugendlichen getragen wurde, der literweise Blut spuckte. Die Gesichtshaut halb verbrannt, die Kleidung voller Erde und Eiter, taumelt er durch die Pariser Straßen, zusammen mit etwa 100 anderen Schauergestalten. Vorne dröhnt Rockmusik einer als Monster verkleideten Gruppe aus einem Wagen.

Im Gegensatz zu den amerikanischen Zombie Walks, ist der in Paris aber ganz und gar nicht unpolitisch. "Unzufrieden" erklärt ein Plakat, ein anderes prophezeit die "Rente mit 600 (Jahren)"! Der erste Zombie-Walk fand 2001 in Sacramento statt, im Rahmen eines Horrorfilmfestivals. Rasch wurden in aller Welt Zombie Walks organisiert, als Reaktion auf den Erfolg zahlreicher Filme über Zombies. Seit drei Jahren wird Paris nun jährlich von Zombies heimgesucht, es ist allerdings das erste Mal, dass die Untoten eine Botschaft für die Lebenden mitbringen.

Zukunftsangst französischer Jugend

Einige Straßen weiter wiederholt sich die Szene, doch mit einem kleinen Unterschied: Die Slogans sind noch da, aber das Blut und die Narben sind verschwunden. "Sarko, du bist erledigt, die Jugend geht auf die Straße", kann man hier auf den Plakaten der jungen Leute lesen, die gegen die Rentenreform demonstrieren. Zufall oder nicht, zeitgleich mit den Zombies geht ganz Frankreich auf die Straßen, um die französische Regierung zur Rücknahme der Rentenreform zu bewegen. Den Angaben von Unef, der wichtigsten Studentengewerkschaft, zufolge, befinden sich darunter 25.000 junge Leute.

Zombies - Vorreiter der Protestbewegung?

Vor wem sollte Sarkozy sich fürchten? Der französische Präsident, der erklärte, allein davor Angst zu haben, dass sich die Jugend dem allgemeinen gesellschaftlichen Unmut anschließt, sollte angesichts der lebenden Toten auf den Pariser Straßen vielleicht durchaus zittern. Denn wer sind die Zombies, wenn nicht Jugendliche, die ihre Angst vor der Zukunft hinter Kostümen aus Horrorfilmen verstecken? In den vergangenen Jahren wurden französische Demos oft von Clowns animiert: Bisher war die Waffe der Demonstranten das Gelächter. Während die Clowns sich also in Zombies verwandeln, sollten sich die Politiker im Elysée-Palast womöglich noch einmal Filmklassiker wie Resident Evil, Land of the Dead und Zombieland zu Gemüte führen - und noch einmal die Reform überdenken, die darauf abzielt das Rentenalter zu erhöhen - wenn sie nicht mit Rentnern konfrontiert werden möchten, die 600 Jahre auf dem Buckel haben!

Foto: (cc)wvs/flickr