Gesellschaft

Zero Waste Jam: Mit Marmelade aus Wien die Welt retten

Artikel veröffentlicht am 26. November 2015
Artikel veröffentlicht am 26. November 2015

Makellose Äpfel, unbeschädigte Pfirsiche, glänzende Kirschen - so sieht die Früchterealität in den österreichischen Supermärkten aus. Was nicht dem Maßstab  der Perfektion entspricht oder übrig bleibt, kommt nicht in den Handel. Aber wo kommt es dann hin? Im besten Fall in die Einmachgläser von Zero Waste Jam.

Um die Lebensmittel vor einem frühen Ende im Abfall zu bewahren, hat Evelina Lundqvist, Gründerin der Agentur für Nachhaltigkeit The Good Tribe, das Problem 2012 in Angriff genommen. Im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung war sie damit Pionierin in Österreich. Und um das ganze Potenzial aus Zero Waste Jam, einem Teilprojekt, herauszuholen, wurde 2015 Cornelia Diesenreiter Geschäftsführerin, die sich nun ganz auf das Wachstum der Initiative aus Wien konzentriert.

Einkochen als Botschaft

„Wenn man sich meinen Lebenslauf ansieht, so könnte man meinen, dass ich schon mit 18 wusste, dass ich einmal die Geschäftsführerin von Zero Waste Jam werde“, meint Cornelia, die gelernte Köchin ist. Nach ihrem Wirtschaftsstudium in Salzburg hatte sie sich zunächst in Wien und England mit Nachhaltigkeit und Ressourcenmanagement beschäftigt.

Motiviert durch die Fakten und Zahlen der aktuellen Situation, versucht Diesenreiter mit Zero Waste Jam das Motto „Nutze was du hast“ unter die Leute zu bringen. „Rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel gehen entlang der Wertschöpfungskette verloren. Auf Grund von saisonalen Überschüssen und überzogenen Schönheitsstandards im Handel, landen jedes Jahr unzählige qualitativ hochwertiger Früchte im Müll“, erklärt sie das Dilemma.

2015 hat sie schon über 600 Kilogramm an Früchten und Gemüse, von Privatpersonen oder Landwirten gespendet, in Marmeladen, Limonaden, Chutneys oder Gelees verarbeitet.  

Abfall oder Überschuss?

Wichtig ist Cornelia, den Unterschied zwischen Abfall und Überschuss hervorzuheben. Es werden die Produkte verbraucht, die sonst zu Abfall geworden wären. „Manchmal werde ich in einen Garten mit acht alten Zwetschgenbäumen eingeladen und darf die besten Sorten direkt frisch vom Baum pflücken. Das sind Früchte, Gemüse und Kräuter in bester Qualität, die innerhalb von maximal 48 Stunden verarbeitet werden. In den meisten Fällen würde das alles einfach verfaulen.“

Weil sie nicht alle der 1000 Kilo Birnen, die ihr im Zuge einer Absage eines Supermarkts von einem Landwirten einmal angeboten wurden, einkochen kann, wird schon an der Taktik für die nächste Erntezeit getüftelt. Mehr Kapazitäten sollen geschaffen werden, um so viel wie möglich Obst zu retten.

Von der COP21 in Paris erhofft sich Cornelia Diesenreiter,  dass das Thema des Klimawandels auch nach der Weltklimakonferenz vom 30.November bis zum 11. Dezember 2015 ernsthaft im Gespräch bleibt. „Ich würde mir wünschen, dass der Problematik die Bedeutung zukommt, die sie verdient und Umweltschutz  nicht angesichts wirtschaftlicher Herausforderungen immer wieder verschoben wird. Ich wünsche mir, dass alle Nationen nicht nur in ihren Zielen ehrgeiziger werden, sondern auch bei deren konkreter Umsetzung.“

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Dieses Porträt ist Teil unseres cafébabel-Projekts #21faces im Rahmen der Weltklimakonferenz COP21 in Paris.