Gesellschaft

Wie aus einem jungen Italiener ein „Glücks-Coach” wurde

Artikel veröffentlicht am 19. Oktober 2011
Artikel veröffentlicht am 19. Oktober 2011
Im Land der dolce vita geboren, reiste der in Vancouver lebende Frank Ra quer durch Europa, bevor er ein Buch über das Glücklichsein veröffentlichte.

Meine Arbeit ist kein Wellness-Quatsch. Mein Job ist es Menschen zu vermitteln, ein von Freude erfülltes Leben zum Vorteil aller Lebewesen zu pflegen. Seit den 1990ern habe ich, hauptsächlich in den Neuen Medien, als Angestellter oder Gutachter beraten und gecoacht. In den letzten zwei Jahren habe ich mein Diplom als zugelassener Berater im Rahmen einer Ausbildung in Vancouver erhalten. Dies ist nur die letzte einer Reihe von Qualifikationen neben Seminaren in Physiologie an der Universität Arizona sowie ein Diplom in Buddhismus.

Das Reisen hat mir beigebracht, dass kein Ort perfekt ist, solange wir ihn nicht mit all seinen Eigenschaften akzeptieren. Wenn uns ein Ort die Möglichkeit gibt, unsere Werte auszuleben, dann kann jede Herausforderung in eine Chance münden. Ich nutze die Erfahrung in verschiedenen Ländern gelebt und gearbeitet zu haben für meine Arbeit als Coach im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung.

Meine Devise: Machen, nicht philosophieren!

Mein Heimatland Italien hat mir die Bedeutung von Werten und Familie vermittelt. Diese bleiben bei uns, während so viele Leute und Menschen in unser Leben ein- und austreten. Nachdem ich zwei Jahre in London verbracht habe, bin ich als Zwanzigjähriger für ein Jahr nach Silicon Valley in die USA gezogen. Das war mein Traum. Alles erschien möglich. Leute suchten nach Möglichkeiten, arbeiteten zusammen, um den Kuchen zu vergrößern, so dass jeder ein größeres Stück davon haben konnte. Ich lernte, wie wichtig es ist, Dinge zu machen, anstatt nur darüber zu philosophieren; nachzufragen, Reaktionen zu sammeln und meine Handlungen dementsprechend anzupassen.

Auch Estland, das technisch höchstentwickelte Land, in dem ich jemals gelebt habe, lehrte mich: weniger reden, mehr handeln. Ich habe Dharma [Begriff aus dem Hinduismus und Buddhismus] praktiziert und regelmäßig meditiert. Ich habe dort auch meine Frau kennengelernt. Die estnische Widerstandsfähigkeit hat mich inspiriert. Die Esten sind ein ruhiges Volk, das selten mit seinen Erfolgen angibt. Trotzdem erreichen sie es im Geheimen selbstbewusst zu bleiben, obwohl sie über Jahrhunderte von allen Seiten unterdrückt wurden. 2009 habe ich begonnen meinen Blog AmAreWay.org zu schreiben, der anschließend zu einem kostenlosen eBook führte.

Ich habe bemerkt, dass viele weithin bekannte Forscher im Wellness-Bereich männlich sind, die Ausübenden sind allerdings eher Frauen. Die meisten männlichen Kunden wünschen Karrierecoaching; Frauen haben einen ganzheitlichen Blick auf ihr Leben, der sich nicht auf den Beruf beschränkt. Da ich ein Mann bin, tendiere ich zu einem stärker „evidenzbasierten“ Ansatz. Zusätzlich zu meiner Arbeit als Coach in Firmen und als privater Wellnessberater biete ich online Seminare an.

Leute, die Rat suchen, nicht mehr stigmatisieren

Die Selbsthilfeindustrie wird stark kritisiert. Das ist oft berechtigt. Es gibt viele schädliche Ratschläge: sich selbst an erste Stelle zu setzen, Glück um jeden Preis erreichen zu wollen - das muss schlussendlich scheitern. Ich stelle mir vor, dass die Gesellschaft in zehn Jahren viel toleranter sein wird. Sie wird Leute, die Rat suchen, nicht mehr stigmatisieren, sondern die Vorteile von Meditation und einem angemessenen Bewusstsein für Wohlbefinden besser verstehen. Es ist gut möglich, dass es spezielle Steuern auf ungesunde Nahrungsmittel geben wird, denn die Menschen werden nicht mehr bereit sein, die kollektiven Kosten für Junkfood zu tragen, während sich Privatfirmen ihre Taschen mit dem Gewinn aus der Vergiftung ihrer Kunden füllen.

Tatsächlich ist Spiritualität Teil dessen, was wir sind.

Auf der spirituellen Seite wird das Establishment die Bedeutung des interreligiösen Dialogs verstehen. In der Vergangenheit wurde Theologie oft zu Theokratie. Das ist der Grund, warum so viele Leute heute skeptisch gegenüber allem Spirituellem sind. Tatsächlich ist Spiritualität Teil dessen, was wir sind. Wir müssen verstehen, dass die Unterschiede in den Religionen nur Ausdruck dessen sind, wie Menschen das Universum basierend auf ihrer jeweiligen Umgebung deuten. Jede Religion erkennt die Bedeutung persönlicher Entwicklung und Heilung, Empathie und Interdependenz an. Unglücklicherweise wurde die Nachricht aus politischen Gründen verwässert.

Ehemalige Erasmusstudierende, heimwehkranke Auswanderer und Europäer mit Problemen, sich wohl zu fühlen, sollten Verantwortung übernehmen. Auch wenn die Situation von jemand anderem oder etwas anderem verursacht wurde, bist du derjenige, der davon betroffen ist. Verbessere dein Bewusstsein, akzeptiere, dass du der einzige bist, der die Motivation hat, die Situation auf eine für dich bedeutungsvolle Weise zu verändern. Handele nach deiner Analyse und deinem Bauchgefühl, aber berücksichtige die Reaktionen, die du erhältst. Sei widerstandsfähig. Einige Veränderungen vollziehen sich leicht. Andere nicht. Respektiere andere Leute; sie versuchen auch nur, ihre Gegenwart und Zukunft zu verstehen. Bleibe gesund, indem du ausreichend isst und trainierst, dies ermöglicht uns, den Großteil unseres Lebens ohne Medikamente – außer in lebensbedrohlichen Situationen – zu führen. Dies ist ein zeitloser Ansatz. Es liegt an uns, dass wir uns anzupassen.

Foto: Homepage (cc)7meteor/flickr; Text © Frank Ra