Gesellschaft

Weltmeisterschaft als Geschäftsurbaub

Artikel veröffentlicht am 13. Juni 2014
Artikel veröffentlicht am 13. Juni 2014

Laut der Enzyklopädie Treccani und Britannica ist der Fußball nicht zuletzt dank seiner Einfachheit der beliebteste Sport der Welt. Hinter dieser schönen Fassade steht eine schamlose Realität: ein Geschäft, das Milliarden von Euros erwirtschaftet und die eigentliche Idee des Sport vergessen lässt.

Die Fußballweltmeisterschaft, die dieses Jahr natürlich wieder von der  Fifa ausgetragen wird, ist das am meisten verfolgte Ereignis der Welt. Von keinem Ereignis wird mehr in den Medien berichtet als von der WM. Der Sport wurde aus dem England des 19. Jahrhunderts über den europäischen Kontinent nach Südamerika getragen. Nach einer Definition von Wiki-voyage bleibt dieser Sport tief in unserer Kultur verankert: „Jedes Jahr zwischen September und Mai lebt Europa nach der Zeit des Fußballs: die Spiele werden in den Bars gezeigt, die Stadien sind brechendvoll und die Kinder spielen auf der Straße, während die übergewichtigen Erwachsenen in der Kneipe aneinandergeraten.“ Aber abgesehen von aller Romantik, ist der Fußball vor allen Dingen eins: ein komplexes ökonomisches System, das in Europa am besten funktioniert.

Das Fußballgeschäft

Fußballvereine sind inzwischen vor allem finanzkräftige Unternehmen. Seit dem Jahr 1996 erlaubt das kryptische Dekret  485/96 italienischen Vereinen die Rechtsform eines Unternehmens anzunehmen. Marktprodukt mit einem allgemeinen Geschäftsrisiko, das ist die grundlegenden Eigenschaften einer Firma oder eben inzwischen vieler Fußballvereine. Mehrwert wird dabei vor allen Dingen aus der Leidenschaft und dem Gefühl der Zugehörigkeit geschöpft. Gefühle, die die Mehrzahl der Vereine trotz der Konflikte leitender Angestellter, Mitarbeiter oder Spieler konservieren konnten. 

TV-Rechte, Sponsoren, Bildrechte sind die Zeugnisse eines durchkapitalisierten Sports: die unternehmerische Logik und die „klassischen Gewinne“ des Fußballs eifern um die Wette. Zu den „klassischen Gewinnen“ gehört die Beliebtheit des Sports, auf welche die Fußballökonomie weiterhin angewiesen ist. 

Die Zweifel der UEFA: finanzielles Fairplay?

Der Trend zu Marktkonformität im Fußball scheint inzwischen  unumkehrbar. Allerdings hat die UEFA 2009 mit der Umsetzung des finanziellen Fairplays versucht den wirtschaftlichen Exzessen der Vereine Einhalt zu gebieten. Bayern München, SSC Neapel und der AC Florenz sind vorbildliche Vereine in dieser Hinsicht. Eigentlich sollte mit dem finanziellen Fairplay auch der Kluft zwischen armen und reichen Vereinen ausgeglichen werden. Quatari Nasser Al-Khelaïfi aus Katar, der Paris Saint-Germain besitzt oder Aleksandr Dyukov, der Anteile an Gazprom hält und den FC Saint Petersburg besitzt, sind Beispiele dafür, wie Milliardäre das UEFA Reglement einfach umgehen. Trotz Strafzahlungen hat Paris den brasilianischen Abwehrspieler David Luiz für die nächste Saison für 50 Millionen Euro verpflichtet. 

Die jüngsten Erfolge von Mannschaften wie Borussia Dortmund, Bayern München oder Atletico Madrid gaben Hoffnung, dass sich nicht dauerhaft eine Finanzelite an der Spitze des europäischen Fußballs festsetzt (wir haben noch die „Big 4“ in England vor Augen, die die Premier League von 1996 bis 2008 beherrschten, ebenso wie das gerade durchbrochene Duopol in der Primera Division). Allerdings verhindern die unterschiedlichen Steuersysteme in jedem Land dazu, dass es wenig Transparenz rund um das Sponsoring gibt und die Übernahme von Vereinen in den meisten Ländern erlaubt ist.

So nobel und wichtig die Versuche der UEFA sind, das internationale Großkapital auf Abstand zu halten oder zumindest auf Augenhöhe begegnen zu können, sind die Erfolge bisher eher bescheiden. Michel Blatter (UEFA-Präsident, Anm. der Redaktion) oder Senes Erzik (Vizepräsident, Anm. der Redaktion) müssen mehr tun, um eine Balance zwischen Sport und Wirtschaft zu wiederherzustellen.