Gesellschaft

WC im Wasserschrank

Artikel veröffentlicht am 30. Juli 2008
Artikel veröffentlicht am 30. Juli 2008
Wie man weltweit mit aller Finesse das 'stille Örtchen' umschreibt.

Es gibt Bereiche, in denen die Sprachen außerordentlich erfinderisch sind: der Tod und die Sexualität gehören zweifelsohne dazu. Im Allgemeinen wird alles, was mit dem Körper zusammenhängt, eher selten geradeheraus gesagt. Wir kann man sich diskret aus dem Staub machen, um 'das zu tun, was niemand an unserer Stelle tun kann' (faire ce que personne ne peut faire a notre place©J-S), fragt sich der Franzose? 

Überquert man den Atlantik sollte man sich unauffällig in den 'Entspannungsraum' (restroom ©Nabee) zurückziehen, ein Raum, der in Ungarn und Frankreich nach dem Motto less is more auch gern mit den zwei Buchstaben WC ©Aurélien ('water closet', wortwortlich: 'Wasserschrank') bezeichnet wird. 

Die Engländer bevorzugen ihr loo©Nabee, wissen aber nur noch in den seltensten Fällen, dass sie diese sprachliche Finesse den Franzosen zu verdanken haben. Französische Hausdiener im Mittelalter leerten nämlich die Betttöpfe aus dem Fenster und warnten die unwissenden Passanten mit einem 'regardez l’eau' (Achtung Wasser!). Bis heute hat sich 'gardyloo' in seiner Kurzform (loo) erhalten.

Etwas königlicher geht es in Frankreich selbst zu - denn hier wird das Örtchen 'zum einzigen Ort, wo der König allein hingeht', obwohl bekannt ist, dass der Hof Louis' XIV. wirklich überall hin folgte. Kurzum

In Frankreich muss man 'dort hin, wo selbst der König ohne seinen Hof hingeht' (là où le roi va sans sa suite©Aurélien). Die Polen übertreiben noch ein bisschen weiter und ziehen sich dorthin zurück 'wo der König sich die Nase pudert' (iść tam gdzie król chodzi piechotą©Anna). Obwohl es in Spanien noch einen König gibt, gibt sich die Sprache hier pragmatischer: Auf der iberischen Halbinsel 'besucht man Herrn Roca' (visitar al señor Roca©Fernando), größter Fabrikant spanischer 'Throne'.

Sprachlich scheint es sich bei dem Gang auf die Toilette demnach immer noch um ein Tabu zu handeln, wenn selbst Esperanto den Euphemismus necesejo ('nötiger Ort') für den petit coin ©J-S (kleine Ecke) von Molière, das stille Örtchen ©Ole von Goethe oder das privy ©Nabee ('Private)' der Schotten erfunden hat.