Gesellschaft

Was für ein Rabbi!

Artikel veröffentlicht am 22. Februar 2006
Artikel veröffentlicht am 22. Februar 2006

In den europäischen Sprachen finden sich nach wie vor antisemitische Ausdrücke. Dies beweist, wie tief Angst und Misstrauen gegenüber Juden in unseren Gesellschaften verwurzelt sind.

Während in Frankreich „wie Juden essen“ (manger en juif) „allein essen“ bedeutet, ist in Holland ein jodenfooi ein „Judentrinkgeld“, also ein geringes Trinkgeld. Und der ungarische Ausdruck ne légy zsidó („jetzt sei kein Jude“) bezeichnet wie sein italienisches Pendant

che rabbino („was für ein Rabbi!“) einen knauserigen Menschen.

Unsere Sprachen geben sich aber nicht mit dem Stereotyp des „geizigen Judens“ zufrieden. Ein ungarischer Singsang etwa macht sich über das jüdische Verbot lustig, Schweinefleisch zu verzehren: „Do-re-mi-fa-sol-la-si-do, szalonnát eszik azsidó!“ („der Jude isst den Speck!“). In Frankreich stößt man sich mit dem „Musikknochen“ am Ellbogen den „kleinen Juden“ (le petit juif), ein Unfall, der wohl vielen jüdischen Händlern wiederfahren ist, als man einige Produkte noch mit dem Unterarm zählte.

Nur in Deutschland sind alle antisemitischen Ausdrücke von der Bildfläche verschwunden. Bis auf eine Ausnahme: Manche bezeichnen den Knallfrosch noch als „Judenfurz“...