Gesellschaft

Warten auf Godot

Artikel veröffentlicht am 25. Juli 2007
Artikel veröffentlicht am 25. Juli 2007

Erinnert ihr euch an die Szene aus dem Film Die Braut, die sich nicht traut, als Maggie (Julia Roberts) im Brautkleid aus der Kirche flieht? Und an den versteinerten Blick, mit dem der Beinahe-Ehemann ihr vom Altar aus nachtrauert? Ein erschütterndes Bild, das jedoch perfekt die Enttäuschung beschreibt, die einem ins Gesicht geschrieben steht, wenn jemand eine Verabredung platzen lässt oder auf den letzten Drücker absagt. Nicht zufällig sagt man in Spanien: Me quedé compuesto y sin novia, "man hat mich fertig angezogen und ohne Braut sitzengelassen".

In Italien werden den Wartenden "Pakete" oder "Tonnen" zugeworfen (ci ha tirato il pacco oder ci ha tirato un bidone). Das bedeutet, der jeweils Ausbleibende hat uns – glücklicherweise nur metaphorisch – mit schweren Gegenständen verletzt und wehgetan. Wutentbrannt wird anschließend in Italien über den Ausbleibenden hergezogen: mi ha dato la buca ("Er oder sie hat mich in ein Loch gestoßen"). In Portugal verteilt man an den Wartenden gern einen Topfdeckel ("deu uma tampa"). Die Franzosen dagegen sind eher der Tiermetaphorik zugewendet. "Er hat mir ein Kaninchen dagelassen" (il m’a posé un lapin), beschwert sich der wartende Franzose. Quellen zufolge reicht dieser Ausdruck bis ins 16. Jahrhundert zurück, als es in Frankreich üblich war, einen Hahn (oder eben ein Kaninchen) schicken zu lassen, wenn man eine Verabredung nicht einhalten konnte.

In den Niederlanden hingegen sagt man Zijn kat sturen ("eine Katze schicken"). In Großbritannien heißt es in solchen Fällen to stand someone ("jemanden stehen lassen"). In Deutschland und in Österreich wartet der Unglückliche wie bestellt und nicht abgeholt und wenn er schon lange so verloren in der Gegend steht, scheint er ein begossener Pudel. Am schlimmsten ergeht es dem, der wartet, bis er schwarz wird, oder – wie die Italiener sagen – fino a fare la muffa ("bis er Schimmel ansetzt"). In diesem Fall empfehlen die Deutschen: Abwarten und Tee trinken und die Portugiesen: esperar sentado ("sich zum Warten hinzusetzen"), denn schließlich kommt der, auf den man wartet, ohnehin nicht.