Gesellschaft

Waldbrände: Hoffen auf eine kalte Dusche

Artikel veröffentlicht am 10. Mai 2007
Artikel veröffentlicht am 10. Mai 2007
Die Zahl der Sommer-Waldbrände in Südeuropa steigt kontinuierlich. Vom 13. bis zum 17. Mai suchen Experten in Sevilla auf einem internationalen Kongress nach Lösungen.

Die letzten Jahre waren die wärmsten seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen. Ungefähr 50 000 Waldbrände pro Jahr fanden auf europäischem Boden statt und haben einen großen Verlust verursacht, sowohl an Menschenleben als auch an natürlichen Ressourcen. Die lokalen, klimatischen Veränderungen und die globale Erwärmung stellen für Europa jeden Sommer neuerdings ein Problem dar. Bisher konnte kein gemeinsamer Weg gefunden werden, um gegen die Waldbrände zu kämpfen.

Die Mittelmeerländer sind die Hauptbetroffenen

Aufgrund ihrer geografischen Lage und den klimatischen Bedingungen mit hohen Sommertemperaturen zählen Spanien, Portugal, Italien, Frankreich und Griechenland zu den EU-Ländern mit dem höchsten Waldbrand-Risiko. Hier werden die größten Verluste in Bezug auf verbrannte Waldflächen registriert. Allein im Jahr 2005 brannten in den fünf genannten Ländern eine Gesamtfläche von 589 559 Hektar ab, was in Etwa der Fläche Zyperns entspricht. Die Anzahl der Brände übertraf den Durchschnitt der vorhergehenden Jahre. In den Sommermonaten kam es insgesamt zu 73 325 Brandfällen mit erheblichen Schäden.

Von diesen fünf Ländern sind Portugal und Spanien die Hauptbetroffenen. Dem Europäischen Bericht über Waldbrände aus dem Jahr 2005 zufolge, der vom Forschungszentrum der Europäischen Kommission erstellt wurde, fanden in diesem Jahr 88 Prozent der Brände auf spanischem Boden statt. Ähnlich verhält es sich mit dem Anteil von verbrannten Waldflächen: Portugal und Spanien teilen sich 85 Prozent der 589 559 Hektar verbrannten EU-Landes im Jahr 2005.

Die Böden veröden

Die hohen Temperaturen sind jedoch nicht der einzige Grund für die Brände in Europas Wäldern. Eine hartnäckige Trockenheit hat in den letzten Jahren zu einem Rückgang der Regenfälle und der Bewässerung geführt, eine inadäquate Waldpolitik zur Vernachlässigung von Gelände, eine einseitige Bepflanzung mit wenig Abwechslung von Baumarten und die fortschreitende Verödung von weiten Teilen der Landwirtschaft aufgrund der Bauernflucht haben diesen status quo noch befestigt.

Dem Inhalt des Abkommens der Vereinten Nationen über die Bekämpfung der Landverödung aus dem Jahr 2003 zufolge, sind 31 Prozent der fruchtbaren Böden Spaniens und 18 Prozent der italienischen Grundflächen extremen Bedingungen ausgesetzt, die ihre Verwandlung in Wüstenlandschaft begünstigen.

Vorsätzliche Brandlegung ist eine weitere Ursache für die Ausbreitung von Waldbränden. Doch die EU-Kommission verfügt noch nicht über zuverlässige Methoden, um den genauen Prozentsatz der von Menschenhand absichtlich herbeigeführten Brände zu messen. „Manche Brände finden statt, ohne dass wir ihre Ursache kennen oder mit Sicherheit feststellen könnten“, betont der Portugiese Paulo Barbosa. Er forscht am gemeinschaftlichen Institut für Umwelt und Umweltschutz mit Sitz in Brüssel.

Ungenügende Präventivmaßnahmen

In Anbetracht dieser Situation hat die Europäische Kommission auf Präventivmaßnahmen gesetzt. In Gestalt des gemeinschaftlichen Forschungszentrums schuf die Kommission 1997 eine Forschungsplattform für die Entwicklung und Anwendung von Methoden, die Waldbrandrisiken feststellen und Pläne von den verbrannten Flächen im europäischen Raum anfertigen sollen.

Die zielorientierte Zusammenarbeit aller Arbeitsgruppen, die sich mit Waldpolitik befassen, ist im 6. EU-Programm über Maßnahmen im Umweltbereich aus dem Jahr 2002 verankert. Darin ist auch ein europäisches Informationssystem über Waldbrände (EFFIS) vorgesehen, das Prognosepläne für Waldzonen mit einer höheren Brandriskowahrscheinlichkeit erstellen soll. Das System soll täglich meteorologische Daten und Satellitenbilder mit aktualisierten Analysen an die 27 Mitgliedsstaaten senden.

Ende 2006 wurde die Zusammenarbeit unter dem Leitnamen Forest Focus beendet, doch manche der damals begonnenen Projekte laufen bis 2008 weiter. Das Programm wurde von LIFE+ abgelöst, mit dem die Kommission die Umsetzung umweltpolitischer Maßnahmen unterstützen will.

Da bisher keine durchschlagende Strategie gegen die Brandfälle zur Hand war, muss die Europäische Union zu einer gemeinsamen Politik finden. „Es ist anzunehmen“, so Paulo Barbosa, „dass innerhalb des 7. Programplans (2007-2013), eine größere Anzahl von Maßnahmen festgelegt wird und die Gesetzgebung der EU so konzipiert wird, dass wir in Zukunft der Gefahr der Waldbrände gemeinsam Stirn bieten können.”