Gesellschaft

Ungarn: Hindernisparcours Wohnungssuche

Artikel veröffentlicht am 3. Juni 2008
Artikel veröffentlicht am 3. Juni 2008
"Zu vermieten im Grüngürtel von Óbuda, Ungarn: Wohnung 50 Quadratmeter, 2 Zimmer, Baujahr 2002. Die Wohnung liegt an einem 30 Quadratmeter großen Hof, Zugang über den Garten, unmöbliert. Unerwünscht: Tiere und Farbige!"

Diese Wohnungsanzeige, die im Juli 2005 von einem ungarischen Immobilienbüro veröffentlicht wurde, hat ein großes Medienecho hervorgerufen. Zuerst fiel die Anzeige einem Journalisten des nationalen Fernsehens auf. Mittlerweile kann sie auf der Homepage des 'Büros zur Verteidigung der Rechte für nationale und ethnische Minderheiten' (NEKI) eingesehen werden, das vor Gericht Beschwerde einlegte. Als der nationale Fernsehsender RTL Klub die Agentur fragte, was genau denn das Wort 'Unerwünscht' bedeute, gab ein Pressesprecher bereitwillig Auskunft.

Keine Tiere und Ausländer

©hexod.us/flickrGemäß ihrer Definition beziehe sich 'farbige Haut' auf Chinesen und Schwarzafrikaner - Bewerbungen von Menschen, die zu diesen beiden Ausländergruppen gehören, sind genauso willkommen wie Tiere in der Wohnung - also gar nicht. Gnädigerweise hielt die Firma Roma nicht für schlechte Menschen - "Es ist möglich, Roma zu finden, die akzeptabel sind", so der Pressesprecher. "Bezeichnen wir jemanden als Farbigen, so meinen wir damit Menschen mit auffälliger Hautfarbe."

Bei der Suche nach dem, was für andere Leute vielleicht eine Traumwohnung ist, erweist sich das Internet als wahre Fundgrube für Klauseln zur Diskriminierung von Ausländern. Ein weiteres Beispiel ist die folgende Anzeige: "Niedrige Nebenkosten, separates WC, beide Zimmer mit Balkon, inkl. Kabel-TV, Richtpreis 17 Millionen. Ausländer nicht erwünscht (auch nicht aus Nachbarländern)."

Dzavit: Ein Flüchtlingsleben in Ungarn

Dzavit Berisha vom Europäischen Zentrum für die Rechte der Roma (ERRC) war selbst Opfer von Diskriminierung. Er kam aus dem Kosovo nach Ungarn, wo seine Familie und er versuchten eine neue Heimat zu finden. Als Angehörige der Kosovo-Ägypter wurden sie in der ehemaligen serbischen Provinz rassistisch verfolgt. Dzavit schildert, dass er in Ungarn aufgrund seiner dunklen Hautfarbe oft als 'Zigeuner' bezeichnet wurde. Die Tatsache, dass er kein Ungarisch spricht, machte seine Integration nicht leichter.

Nachdem er relativ schnell Arbeit beim ERRC gefunden hat, verfügt Dzavit heute über ein sicheres Einkommen. Drei Monate habe es gedauert, bis seine Familie eine Wohnung für vier Leute gefunden hat, da Dzavit ein staatlich geförderter Wohnungskredit verweigert wurde. Ein ungarischer Freund vermittelte sogar einen Besichtigungstermin. Doch sobald sie die Einzelheiten auf Serbisch besprachen, hieß es nur, das Objekt sei verkauft oder man würde zurückrufen - was natürlich nie geschah.