Gesellschaft

Umwelt ade?

Artikel veröffentlicht am 4. Juni 2007
Artikel veröffentlicht am 4. Juni 2007
Der Weltumwelttag am 5. Juni, der seit 1972 von der Umweltinitiative der Vereinten Nationen (UNEP) organisiert wird, bringt Licht in ökologisches Dunkel.

"Einzig am Zustand unserer Umwelt sollte man die Wirksamkeit unserer Programme und unserer Politik ablesen". Die ökologische Realität sieht eher düster aus. Diese Bemerkung von Klaus Töpfer, ehemaliger Exekutivdirektor des UNO-Programms für Umwelt, zeugt von der ständigen Ambivalenz, die im Bereich des Umweltschutzes herrscht.

Zwar verweist der 5. Juni als internationaler Umwelttag seit drei Jahrzehnten auf die Priorität des Umweltschutzes. Gleichzeitig sind wir jedoch gelähmt gegenüber der fortschreitenden Zerstörung unseres Planeten. Die zunehmende Bedrohung macht sich durch die Auslöschung ganzer biologischer Arten und die immer schneller voranschreitende Klimaerwärmung bemerkbar.

Institutionen-Wirrwarr

Ironie des Schicksals: trotz der explosionsartig steigenden Anzahl an Institutionen, Programmen oder Organisationen, die mit dem Schutz der Umwelt oder der Verwaltung der Umweltressourcen beauftragt sind, verschlimmert sich die Situation zunehmend. Dieses Paradoxon stellt uns vor wichtige Fragen über den Sinn und die Rolle der internationalen Umweltpolitik, aber auch über die Fähigkeit oder besser Unfähigkeit der UNO, ihre diesbezügliche Mission zu erfüllen.

Dem Wissenschaftler Adil Najam zufolge "ist die Verwaltung weltweiter Prozesse ohne klar definierte Zuständigkeiten, nach einem äußerst komplexen, man könnte fast sagen ‚undurchsichtigen’ System organisiert". Im Klartext: die WTO lenkt den Welthandel, das WHO-Mandat deckt den Bereich der Gesundheit ab, aber die Verwaltung im Bereich der Umwelt bleibt weiterhin chaotisch.

Im Jahr 2006 hat die UNEP mehr als 500 multilaterale Vereinbarungen zum Schutz der Umweltressourcen gezählt. An der Seite der UNEP findet man die Weltorganisation für Meteorologie (WOM) -offizielles Sprachrohr für Klimaveränderungen-, die Rahmenvereinbarung der Vereinten Nationen zur Klimaveränderung (engl.: UNFCCC) oder die Kommission für nachhaltige Entwicklung (CSD). Diesen nebulösen Abkürzungen schließen sich weiterhin eine ganze Reihe von Spezialvereinbarungen, wie die Biodiversitäts-Konvention (CDB) oder das Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden wildlebenden Tierarten an.

Die Mühlen mahlen langsam

Leider stehen alle diese Organisationen in Konkurrenz zueinander, um Mittel (vor allem von staatlichen Geldgebern) einzuwerben. Doch noch weitaus erstaunlicher ist die Scheuklappen-Mentalität derselben. All diese Schlüsselakteure im Bereich Umweltschutz kennen kaum die Aktivitäten ihres jeweiligen Gegenübers. Ziemlich oft kommen sich die Organisationen mit ihren Mandaten ins Gehege.

Um dieses "Umweltchaos" zu beheben, hat die UNO den Ausschuss "Environment Management Group" (EMG) geschaffen, der Dutzende von Umweltspezialisten vereint. Diese sollen Informationen filtern, Aktivitäten bündeln und als Berater fungieren.

So lobenswert dieser Vorstoß auch sein mag, verdeutlicht er die Absurdität des Systems doch sehr deutlich: durch die Einführung einer weiteren Dachorganisation, verkompliziert die UNO die Umweltpolitik nur noch mehr. Da keine zentrale Instanz zuständig ist, wird eine gesteuerte Leistungsfähigkeit regelrecht ausgebremst. Hat das Kyoto-Protokoll die Treibhausgas-Problematik denn eindämmen können? Angesichts fehlender Langzeitlösungen in den Führungsriegen, scheint das Schlimmste noch bevorzustehen.

Grüner Daumen für Europa?

Unter diesen Umständen ist der Ruf nach einer Umweltreform keine Marotte einzelner internationaler Staatsbeamter, sondern eine lebenswichtige Herausforderung für die Bewohner dieses Planeten. Auch für die Europäische Union bietet sich hiermit eine einzigartige Gelegenheit. Sie könnte ein Reformprojekt durchsetzen und dadurch ihre Führungskompetenz in Umweltfragen unter Beweis stellen.

In Sachen erneuerbarer Energien hat Deutschland nach wie vor die Nase vorn. Aber auch Frankreich, sowie einige NGOs (Nichtregierungsorganisationen) machen sich für die Schaffung einer Weltumweltorganisation (OME, Organisation mondiale de l’environnement) stark, um die Vereinten Nationen mit einem Instrument für Umweltpolitik auszustatten. Eine Art übergreifender Ansprechpartner, der alle umweltfreundlichen Initiativen bündeln soll.

Aber ist diese Art von Projekt ausreichend? Insbesondere gegenüber den Vereinigten Staaten oder Australien, die der Idee einer in ihren Augen teuren und wenig effizienten Struktur sehr kritisch gegenüberstehen? Oder in Bezug auf China und Indien, die ihr Recht auf Entwicklung als vorrangig betrachten? Dies bleibt abzuwarten..