Gesellschaft

Ukraine: SpongeBob und Patrick der Seestern 'tendenziös'

Artikel veröffentlicht am 22. August 2012
Artikel veröffentlicht am 22. August 2012
Der wohl berühmteste Schwamm wird wohl bald von den ukrainischen Bildschirmen verschwinden müssen. Der Grund dafür? SpongeBob Schwammkopf befinde sich in einer homosexuellen Beziehung zu seinem Freund – dem rosa Seestern Patrick (einen solchen Satz schreibt man sicher nur einmal im Leben): eine nicht sehr katholische Liebe, an der sich gewisse Kommissionen stören.

Seit das französische Schwulen- und Lesbenmagazin Têtu die Information gestern verbreitete, ist man im Netz zwischen Grinsen und echter Wut hin und hergerissen. Doch die Neuigkeit hat leider nichts von einer Ente: die Nationale Kommission für den Schutz der öffentlichen Moral in der Ukraine findet SpongeBobs Verhalten „tendenziös“. SpongeBob Schwammkopf verbingt nämlich ziemlich viel Zeit mit Patrick dem Seestern im Badeanzug.

Die Kommission stützt ihre Einschätzung auf einen Bericht der katholischen Gruppe Family Under the Protection of the Holy Virgin, die davor warnt, dass ukrainische Kinder das unglimpfliche Verhalten von SpongeBob nachahmen könnten. Der Bericht beinhaltet selbst die äußerst feine Analyse von Irina Medvedeva. Laut der Psychologin würden Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren, die die romantischen Ausflüge von SpongeBob gesehen haben, „Grimassen schneiden und Witze vor unbekannten Erwachsenen reißen, in Lachen ausbrechen und die absurdesten Zitate dreist wiedergeben“. Man sollte sich wohl eher fragen, was die Kinder vor den Bildschirmen rauchen.

Doch SpongeBob kann sich trösten: Er ist nicht der Einzige, den die Kommission auf dem Radar hat. So mussten auch die Teletubbies, die Simpsons und Family Guy schlussendlich in der Schublade verschwinden.

Auch wenn die alte Debatte um die Homo- oder Asexualität der Comichelden (von Tim und Struppi bis zu Teletubby Tinky Winky in seinen Mädchenkleidern) amüsant erscheinen mag, bedient man sich selbiger manchmal auch in einer etwas übertriebenen Art und Weise. Besonders hier in Frankreich sollte man die Ukraine nicht an den moralischen Pranger stellen. Denn vor zwei Jahren hatte die Zeichentrickserie Le Baiser de la Lune (Der Kuss des Mondes) über die Liebe von zwei Fischen eine derartige Debatte ausgelöst, dass er zu guter Letzt vom Programm der Grundschulen gestrichen wurde. Die Absicht der Macher war es gerade gewesen, Kindern Homosexualität zu erklären, um Ablehnung und Diskriminierung vorzubeugen.

Illustrationen: ©SpongeBob Screenshot