Gesellschaft

Thailand: Der englische Patient

Artikel veröffentlicht am 6. Dezember 2007
Artikel veröffentlicht am 6. Dezember 2007
Die Luxuskliniken der Hauptstadt Thailands haben Bangkok auch zur Hauptstadt der Schönheitsoperationen und Geschlechtsumwandlungen gemacht.

In der riesigen Eingangshalle mit Panoramafenstern entspannen Engländer neben Scheichen aus Saudi-Arabien in komfortablen Sesseln, einen Starbucks-Kaffee in der Hand. Willkommen im 'Bumrungrad International', dem größten Privatkrankenhaus in Süd-Ost Asien, mitten im Zentrum von Bangkok.

Man wird das Gefühl nicht los, mitten in einem Luxushotel oder einem Einkaufszentrum zu stehen. Die Rolltreppen führen zu Mc Donalds, zur Buchhandlung oder zu den Boutiquen im zweiten Stock. Nichts erinnert hier an Schönheitsoperationen. Genau das ist die Strategie dieser neuen Generation von Krankenhäusern, in denen Krankenschwestern nicht nur aufgrund ihres Abschlusses, sondern auch aufgrund ihrer Kurven eingestellt werden.

Termine aus dem Ausland werden hier per Email ausgemacht, nachdem man nach Profil und Foto im Internet einen Chirurgen ausgesucht hat.

Dank Einrichtungen wie "Bumrungrad" - mit 40 Prozent ausländischem Patientenanteil (400.000 pro Jahr) - ist Thailand eine noch beliebtere Anlaufstelle für Touristen geworden. Jeden zehnten Touristen treibt es wegen "Sonne, Sex und Skalpell" nach Thailand. Mehr als 1 Millionen "S-Klasse-Touristen" zählt das Land jährlich. Das Wachstum der Branche liegt bei 20-30 Prozent im Jahr.

Massentourismus für die Schönheit

Südamerika, Singapur, Indien oder Malaysia haben kaum eine Chance, an den Umsatz ihres kleinen Nachbarn heranzukommen. Die Qualität der Behandlung, die Tarife und die touristische Infrastruktur erfreuen sich dank des TAT (Thailändisches Tourismusamt) im Ausland großer Beliebtheit. Thailand-Touristen kommen meist aus Nordamerika, Australien, dem Nahen Osten oder generell aus Asien. Doch die Europäer holen auf. Sie sind genervt von langen OP-Wartelisten und zu hohen Preisen in ihrer Heimat.

Größter Patientenmagnet: Plastische Chirurgie. Immer mehr Anfragen aus Thailand und dem Ausland lassen die Anzahl an Schönheitsoperationen in rasendem Tempo steigen. "Madame" lässt sich hier die Nase richten (2.300 Euro), die Brüste verkleinern oder vergrößern, Fett absaugen oder lästige Falten entfernen, um mit Titelfrauen von Elle mithalten zu können. Unterdessen nutzt "Monsieur" seine Zeit, um die etwas licht gewordenen Stellen auf dem Kopf wieder in voller Pracht erscheinen zu lassen (1.400 Euro), Tatoos entfernen zu lassen oder sich die Brustmuskeln aufpumpen zu lassen.

"Bumrungrad International" behandelt jährlich 300 - 500 Patienten. Die meisten unter ihnen sind Englänger, Franzosen und Deutsche. Nach einigen Tagen der Genesung kann man in einen anderen Teil des Krankenhauses umziehen: Zimmer mit Blick auf die Strände "Phuket" oder "Pattaya", bevor es wieder nach Europa geht.

Die Reiseagenturen haben das Geschäft längst erkannt und sich in Zusammenarbeit mit örtlichen Krankenhäusern auf Schönheits-Tourismus spezialisiert. "All inclusive" beinhaltet Operation, Hotel und Strand für Touristen, die letztendlich doch Touristen bleiben. Es gibt sogar eine Vereinbarung zwischen Bumrungrad und Thai Airways, damit die Patienten mit ihren gesammelten Flugmeilen den Gesundheitscheck im Krankenhaus begleichen können.

Geschlechtsumwandlungen

Selbstverständlich hat das Ganze seinen Preis. Ein Lifting bei Chefarzt Pichet, dem Leiter der Abteilung für Plastische Chirurgie, kostet 3.500 Dollar. Wer sich die Lippen aufspritzen lassen will, zahlt ungefähr das Gleiche. Die europäischen Patienten machen ungefähr 30 Prozent seiner Kunden aus und sind größtenteils Frauen. Aber Doktor Pichet hat mehr als ein Skalpell parat, denn er ist Spezialist in "SRS" -"sexual reassignment surgery" – in der Geschlechtsumwandlung.

Denn auch hier mangelt es nicht an Patienten. "Bei 30 Prozent meiner Operationen handelt es sich um Geschlechtsumwandlungen, hauptsächlich von Männern die sich im falschen Körper fühlen. Ergänzt wird diese Operation durch künstliche Brüste und Veränderungen der männlichen Gesichtszüge", bestätigt Dr. Pichet. "Eine vollständige Geschlechtsumwandlung erfordert die Begleitung eines Psychologen, wie die Änderung des Reisepasses bei der Botschaft, damit der Patient keine Probleme an der Grenze bekommt."

Selbst wenn man Risiken nie komplett ausschließen kann, versichern die Ärzte, dass die Nebenwirkungen harmlos und die Patienten immer hundertprozentig zufrieden seien. Wenn In Anbetracht des strahlenden, nagelneuen Lächelns der Patienten und der Fanpost der Ärzte, könnte man sich beinahe von dieser 'heilen' Welt überzeugen lassen.