Gesellschaft

Süßigkeiten an den Kragen: Fett-Steuer für schlankere EU-Bürger

Artikel veröffentlicht am 7. Januar 2010
Artikel veröffentlicht am 7. Januar 2010
Weniger Ungesundes zu essen ist für viele Menschen ein beliebter Vorsatz für das neue Jahr. Ob der Staat mit Steuern seine Bürger schlanker und gesünder machen kann, oder einfach nur mehr Geld einnehmen will, diskutieren jetzt Spanien, Dänemark und Rumänien.

La Vanguardia: „Zugang zu guten Lebensmitteln in Zusammenhang mit dem Einkommen“; Spanien

Lebensmittel mit einem zu hohen Anteil an gesundheitsschädlichen trans-Fettsäuren sollen nach Plänen der spanischen Regierung verboten werden. Die liberale Tageszeitung La Vanguardia unterstützt die Idee: "Die Europäische Union, die manchmal mehr auf den Druck der Lebensmittelindustrie als auf den der öffentlichen Gesundheit reagiert, hat keine Richtlinie verabschiedet. Aber Österreich und Dänemark haben Gesetze, die den Gehalt an trans-Fettsäuren in Lebensmitteln auf zwei Prozent begrenzen. [...] Die Gründe der Befürworter dieser Gesetzgebung erscheinen gerechtfertigt. In den Industriestaaten steht der Zugang der Bürger zu gesunden Lebensmitteln im Zusammenhang mit ihren Einkünften aber auch mit ihrer Bildung und ihrer Gesundheit. Deshalb ist ein Gesetz herzlich willkommen, das die Exzesse der Lebensmittelindustrie beschränkt, die Mitverantwortung des Konsumenten fördert und Krankheiten reduziert. Es gibt wenig zu verlieren." (Artikel vom 07.01.2010)

Politiken: „Höhere Abgaben ist, wie einem Kind den Lutscher wegnehmen“; Dänemark

Dänemark diskutiert den Vorschlag, Süßigkeiten höher zu besteuern, um deren Verbrauch zu senken. Die Tageszeitung Politiken sieht darin eine erfolgversprechende Idee, doch die bürgerliche Regierung sträubt sich dagegen: "Das Bekenntnis der Regierung zur freien Wahl - auch in den Regalen mit großen und kleinen Tüten voll mit Süßigkeiten - ist eine Karikatur dessen wie die Welt funktioniert. Denn die freie Wahl - und auch die fallenden Preise für Süßes und Limonaden - sind die Ursache epidemischer Fettleibigkeit und schlechterer Volksgesundheit. Höhere Abgaben wirken, wenn man die Gewohnheiten der Leute ändern will. Das wurde immer wieder bestätigt. [...] Höhere Abgaben einzuführen, ist - buchstäblich gesprochen - wie einem Kind den Lutscher wegzunehmen." (Artikel vom 07.01.2010)

Adevărul: „Jeder vierte Rumäne leidet an Fettsucht“; Rumänien

Weiß jemand, wie stark der Konsum von Zigaretten oder Alkohol zurückgegangen ist, nachdem sie besteuert wurden?

Rumänien will Fast Food teurer machen: Gesundheitsminister Attila Cseke kündigte eine Steuer auf gesundheitsschädliches Essen an. Nach Schätzungen des rumänischen Ernährungsverbandes leidet jeder vierte Rumäne an Fettsucht. Doch der einzige Erfolg dieser Steuer werden höhere Staatseinnahmen sein, meint die Tageszeitung Adevărul: "Es wäre naiv dem Herrn Minister zu glauben, wenn er sagt, dass diese Steuer zu einer gesünderen Ernährung des rumänischen Volkes führe. Ein Blick auf die anderen Steuern genügt: Weiß jemand, wie stark der Konsum von Zigaretten oder Alkohol zurückgegangen ist, nachdem sie besteuert wurden? Nein, denn nicht einmal Eugen Nicolăescu [Ex-Gesundheitsminister], der sie einführte, interessierte das. Sie wurde nur als Geschwätz über gesundes Leben verpackt. Eugen Nicolăescu war immerhin etwas ehrlicher mit der Verwendung der Steuereinnahmen: Damit sollte ein Programm finanziert werden, das den Gesundheitszustand der Bevölkerung einschätzt. [...] Es kostete 300 Millionen Euro und ist irgendwo stecken geblieben. [...] Das Programm wurde abgesetzt, die Steuer besteht weiter."

(Artikel vom 07.01.2010)

Fotos: andreuccio1986/Assassin de la police/Flickr