Gesellschaft

Steife Werbekampagne?

Artikel veröffentlicht am 19. Juli 2007
Artikel veröffentlicht am 19. Juli 2007
Um medienwirksam über ihr Subventionsprogramm für das europäische Kino "Media 2007" zu informieren, hat sich die Europäische Kommission besonders ins Zeug gelegt: Höhepunkte auf der Leinwand.

Die europäischen Beamten denken also nur an das Eine! Laut der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera scheint in der PR-Abteilung des Programms "MEDIA 2007" der Europäischen Union ein sommerliches, hormonell gesteuertes Lüftchen zu wehen. Normalerweise ist das besagte Projekt, das ganz offiziell zu den kulturellen Initiativen der Gemeinschaft zählt, damit beauftragt, ein - wie oft behauptet - dahinscheidendes Kino zu unterstützen: Förderung von Spielfilmen, Vertrieb von Filmen, Hilfe bei der Umsetzung oder Seminare. Ganz vertraulich finanziert "MEDIA" jedoch fast die Hälfte der Produktionen, die in den dunklen Sälen des Kontinents über die Leinwände laufen.

Da Sex unmissverständlicher als Statistiken ist, haben die PR-Beauftragten von "MEDIA 2007" nicht an Höhepunkten im Film gespart. Das Resultat: Ein erotisches Video als Werbekampagne. In einem der Werbespots von "MEDIA 2007" mit dem Titel Film Lovers Will Love This geht es ziemlich heiß her: In den 40 Sekunden des Films, der unter anderem schlüpfrige Details aus Die fabelhafte Welt der Amélie Poulain oder Tout sur ma Mère von Almodovar vereint, reihen sich ekstatische Gesichter, enthüllte Körper und zerknitterte Laken aneinander. Das Ensemble wird von Tremolos auf der Geige und zeitweise wildem Keuchen begleitet. Anstelle eines abschließenden Slogans erscheint ein doppeldeutiges „Let’s come together“: Sollen die Europäer zusammenkommen oder zusammen "kommen"?

Das Video hat schon jetzt den Zorn einiger polnischer Technokraten hervorgerufen, darunter der äußerst katholische „Verband polnischer Familien“, der über den Niedergang der Sitten und über die "unmoralischen Methoden" der EU klagt. Im aufkommenden Medientrubel war der Kommentar der Schwedin Margot Wallström beispielhaft. Die blonde Vize-Präsidentin der Kommission und PR-Beauftragte befürwortete die Ausstrahlung ohne mit der Wimper zu zucken: "Das Ganze ist Geschmackssache", erklärte sie sachlich.

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