Gesellschaft

Sprachliche Aufwärmübungen zur Fußball-WM 2010

Artikel veröffentlicht am 3. Juni 2010
Artikel veröffentlicht am 3. Juni 2010
Tag X steht vor der Tür. Die Fußball-WM, die vom 11. Juni bis 11. Juli 2010 in Südafrika stattfindet, ist bereits in allen Köpfen, doch längst nicht in aller Munde. Hier einige wichtige Ausdrücke, um in den europäischen Kneipen so richtig beindrucken zu können.

Die Fußball-WM ist in erster Linie die Liebe zum Ball. In Italien sind selbst die Sportkommentatoren manchmal am Ende mit ihrem Latein: „La palla 'pallonzola'!“ (in etwa: „der Ball entballte“) rief der Kommentator Bruno Longhi vor langer Zeit anstatt „palla 'rimbalza'“ („der Ball prallte ab“) aus. Ganz große Gefühle! Noch heute verwendet er denselben Slogan bei besonders bewegenden Sportmomenten.

Für die diesjährige WM 2010 wird das runde Leder sicher nicht von allen mit Talent geführt. Neben den seltenen und begabten italienischen funambuli („Akrobaten“), wird man mit Sicherheit auf Spieler einer squadra di brocci („Eselsmannschaft“) treffen, in etwa das, was wir in Deutschland mit einer Gurkentruppe bezeichnen würden. Auf die würde jeder auf dem Rasen gern treffen. Oder zumindest fast jeder. ¿Un rival sin interés atacente? Es como intentar hacer el amor con un árbol („Auf einen Rivalen ohne Angriffslust zu treffen, ist in etwa so, als versuche man mit einem Baum zu schlafen“), findet Jorge Valdano, ehemaliger Trainer von Real Madrid.

Die Prognosen zur diesjährigen WM-Ausgabe in Südafrika? Vielleicht energisch mit dem englischen Ex-Fußballspieler Gary Lineker, der sagte: soccer is a game for 22 people that run around, play the ball, and one referee who makes a slew of mistakes, and in the end Germany always wins („Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen die Deutschen“) oder etwas eingebildeter wie die Italiener nach ihrem Sieg 2006 verkündeten, Il cielo è azzurro sopra Berlino! („Der Himmel ist blau über Berlin“).

Zugleich sagt uns die Weisheit des polnischen Fußballtrainer-Mythos Kazimierz Górski, dass es piłka jest okrągła, a bramki są dwie („im Fußball einen Ball gibt und zwei Tore“). Alles bleibt also offen. In diesem Fall seien noch die Spanier zitiert, für die es eine ganz einfache magische Formel im Fußball gibt: en el fútbol hay que ganar y ganar y ganar y volver a ganar y ganar y ganar („im Fußball muss man gewinnen und gewinnen und gewinnen und wieder gewinnen und gewinnen und gewinnen“). So lehrt es uns zumindest Luis Aragonés, der ehemalige spanische Nationaltrainer.

Und wenn man verliert, wie Frankreich gegen Italien bei der EM 2008, kann man noch immer dem romantischen Beispiel Raymond Domenechs folgen. Als er auf dem französischen Sender M6 über seine Zukunft als Nationaltrainer befragt wurde, erwiderte er: Je n’ai qu’un seul projet, c’est épouser Estelle! „Ich habe im Moment nur ein Projekt: Estelle [seine Verlobte und eine bekannte Fernsehmoderatorin in Frankreich] zu heiraten“. Grund genug, um 2010 nicht auf Frankreich zu setzen?