Gesellschaft

Skihallen: Aus Sommer wird Winter

Artikel veröffentlicht am 15. Februar 2007
Artikel veröffentlicht am 15. Februar 2007
Nicht nur im Wüstenstaat Dubai, auch in Europa erfreuen sich Hallen-Skipisten zunehmender Beliebtheit. Ein Überblick.

Überdachte Skipisten haben sich zu wahren Goldgruben entwickelt. Nicht nur in „Ski Dubai“ ist es möglich, sich jederzeit wie in Kitzbühel zu fühlen – auch in Europa entstehen mehr und mehr künstliche Skipisten. Ihre Beliebtheit ist zum Teil auf die unberechenbar gewordenen Schneeverhältnisse aufgrund der Erderwärmung zurückzuführen. Die meisten dieser Ski-Hallen liegen günstig in den Außenbezirken der Großstädte und haben das ganze Jahr über geöffnet. Unabhängig von der Außentemperatur bieten sie 365 Tage im Jahr eine unveränderte Lichtkulisse und eine konstante Schneedecke.

Ist die Wintersaison kurz, profitieren die Betreiber von Skihallen sicherlich am meisten von den Wintersportfreunden. Für viele ist der Besuch in einer Skihalle jedoch die einzige Möglichkeit, zu erschwinglichen Preisen Ski zu fahren, ohne dafür verreisen zu müssen.

Schnee im tropischen Dubai

Am Eingang des größten Einkaufskomplexes im Nahen Osten, der “Mall of the Emirates“ erreicht das Thermometer fast 40 Grad. Einige Meter weiter jedoch herrscht tiefster Winter. So weit das Auge reicht, sieht man nur Schnee, Tannen und Schlitten: Willkommen in „Ski Dubai“, einer Schneepiste, wie man sie sich nicht perfekter vorstellen kann – mitten in der heißen Wüste. Sie wurde im November 2005 eröffnet, nachdem das französische Unternehmen „Transmontagne“ zwei Jahre an der Fertigstellung gearbeitet hatte und 272 Millionen Dollar in das Projekt geflossen waren. Die Skipiste beschäftigt 200 Mitarbeiter und konnte innerhalb der ersten zwei Monate 170 000 Besucher verzeichnen.

„Ski Dubai“ kann als voller Erfolg bezeichnet werden. Ein Jahr nach der Eröffnung der Skipiste ist die Anzahl der Besucher pro Tag auf 3 000 gestiegen. Der Geschäftsführer von „Ski Dubai“, Lucan Marchand, betont die multikulturelle Zusammensetzung der Touristen-Gruppen: „Auf unserer Skipiste treffen sich Menschen aus aller Welt – genau wie in Dubai selbst. Etwa die Hälfte unserer Besucher lebt in Dubai oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die andere Hälfte sind Touristen, die aus anderen Teilen der Welt kommen. In letzter Zeit steigt vor allem die Zahl der Engländer und Russen, die bei uns eine winterliche Atmosphäre genießen wollen.“

Europas Hallenpisten auf dem Vormarsch

Nicht erst der Erfolg von „Ski Dubai“ hat die Europäer dazu gebracht, sich für diese Marktnische zu interessieren. Die älteste große Hallenpiste in Rucphen in den Niederlanden ist bereits zwölf Jahre alt. Heute gibt es etwa 15 in Europa, und mehr als 20 in der ganzen Welt – in Singapur, Kairo oder auch Madrid.

In der spanischen Hauptstadt wurde im Frühling 2003 eine riesige Hallenpiste inmitten eines Einkaufszentrums eröffnet. Die Skipiste in diesem 135 000 Quadratmeter großen Zentrum, das zur Kaufhauskette Corte Inglés gehört, hat eine Länge von 250 Meter. Im nächsten Jahr wird im belgischen Antoing, sieben Kilometer vor der französischen Grenze entfernt, das größte Wintersportzentrum Europas eröffnet. Bis jetzt wurden bereits 300 Millionen Euro in das Snow Valley getaufte Projekt gesteckt.

Die Holländer waren die Ersten, die die Begeisterung für den künstlichen Winterspaß vorausgesehen haben. Innerhalb von zehn Jahren wurden in den Niederlanden fünf Skizentren erbaut. Der Unternehmer Nicky Broos ist mit der Eröffnung der Piste in Rucphen das Wagnis als Erster eingegangen. Wie auch die Halle im südholländischen Zoetermeer zieht sie jedes Jahr mehr als 300 000 Besucher an, die bereit sind, etwa 20 Euro für eine Stunde auf Skiern (inklusive Sportausrüstung) auszugeben.