Gesellschaft

Schwedische Gardinen

Artikel veröffentlicht am 26. September 2007
Artikel veröffentlicht am 26. September 2007

Letzte Woche war ich bei Freunden zu Besuch. Obwohl ich das erste Mal dort war, kam mir alles irgendwie bekannt vor: Schrank, Bett, Wohnzimmertisch. Dann fiel es mir ein: der letzte IKEA-Katalog!

Doch auch wenn sie nett anzusehen sind: Schwedische Wohnungseinrichtungen sind in der deutschen Sprachtradition gar nicht so beliebt. Denn wer umgangssprachlich hinter schwedischen Gardinen sitzt, der sitzt im Gefängnis und nicht in seiner IKEA-Wohnstube. Oder doch?

Ein anderes deutsches Wort für Gefängnis, das Kittchen (nicht zu verwechseln mit dem englischen kitchen), bedeutet nichts anderes als "kleines Haus". Und auch im Französischen ist jemand, der "im Häuschen ist" (être en cabane) im etymologischen Sinne eingesperrt.

Verbrecher, denen das zu 'häuslich' ist können im Deutschen und Französischen auch "ins Loch gehen" (aller au trou). Aber Vorsicht: In Großbritannien wird man dort gern vergessen (in the oubliette). Italienische Schurken haben es da besser: Ihnen steht im obskuren Dunkel des Gefängnis’ (gatta buia) eine Katze bei. Aber auch nur fälschlicherweise: Das griechische katà ("unten") hat sich über die Jahre zur italienischen gatta ("Katze") entwickelt.

Die schwedischen Gardinen haben natürlich nichts mit dem Möbelhaus zu tun: Früher wurden in Deutschland Gitterfenster aus schwedischem Stahl gemacht. Ob der besonders ausbruchsicher ist? Das können wohl nur die Schweden selbst beantworten. Denn wenn sie ins Gefängnis müssen, dann "schütteln sie die Gitter" (skakar galler).