Gesellschaft

Roman Zinchenko: Öko-Nerds sind sexy

Artikel veröffentlicht am 8. Dezember 2015
Artikel veröffentlicht am 8. Dezember 2015

Als Romans Eltern eine dacha in der Nähe von Kiew in der Urkaine gekauft haben, ahnte der junge Aktivist noch nicht, dass dieses renovierungsbedürftige Haus einmal sein Leben verändern wird. Heute gehört Greencubator, eine Organisation, die er zusammen mit seinem Bruder Andrij gegründet hat, zu den Hauptwaffen der Ukraine im Kampf gegen die Energie-Vorherrschaft Russlands.

Wenn man ihn fragt, warum er sich für erneuerbare Energien engagiert, antwortet der 38-jährige Roman Zinchenko ohne Umschweife: „Ich bin ein kampferprobter Diplomat.“

Roman ist der Mitbegründer von Greencubator, einer Plattform, die ukrainische Unternehmer im Bereich erneuerbare Energien zusammenbringt und miteinander vernetzt. Das Projekt ist 2009 an den Start gegangen. Seitdem hat es sich zu einem sehr wirksamen Netzwerk in der ökologischen Start-up-Szene in Ukraine gemausert. Viele Events in Form von Hackathons und Workshops haben die zwei Brüder bereits auf die Beine gestellt: TeslaCamp, Hack4energy und Smart Energy Forum & Hackathon.

Wie ist Greencubator entstanden? Nach dem Studium und einigen nicht zufriedenstellenden Jobs in der Öffentlichkeitsarbeit, darunter ein Posten als Pressesprecher von Vitali Klitschko (Bürgermeister von Kiew, ndlr), befand sich Roman in einer heiklen Phase in seinem Leben. Ohne Perspektive wusste er nicht, wie es weitergehen soll.

Roman und sein Bruder Andrij, der als Geschichtslehrer arbeitet, besaßen beide ihre eigenen Firmen, die, laut Roman, „niemals Gewinne noch Verluste erzielten“. Eines Tages haben ihre Eltern in der Nähe von Kiew eine dacha gekauft – ein echter Glücksfall. Die beiden Brüder hatten die Idee, das Landhäuschen mit erneuerbaren Energien zu versorgen, um sich aus dem Joch der lokalen und korrupten Energieversorger zu befreien. Das hat viel Zeit und Mühen gekostet, weil sich beide zunächst mit der Materie "Energie" vertraut machen mussten. Doch ihr langer Atem hat sich ausgezahlt. Dank ihrer harten Arbeit wurde Greencubator zu dem, was es heute ist.

Eine neue Generation von Energie-Unternehmern sensibilisieren

„Unsere Idee am Anfang war ziemlich bekloppt. Wir hatten ein 100 Dollar-Budget und beschlossen ein Treffen in der urkrainischen Pampa zu organisieren. Unsere Erfahrungen aus der Öffentlichkeitsarbeit haben uns geholfen, das Projekt zu realisieren.“, vertraut Roman an.

Es zog viel Zeit ins Land bis die ersten Initiativen Früchte trugen. 12 Veranstaltungen haben die beiden Brüder organisiert. Danach hatte Greencubator seinen Durchbruch. Der Erfolg ist den beiden Brüdern jedoch nicht zu Kopf gestiegen, zu groß ist ihr Interesse für Öko-Start-ups, erneuerbare Energien und der Wille, das Umweltbewusstsein der Ukrainer tiefgreifend zu verändern.

„Der ukrainische Energiesektor wird von der russischen Monopolstellung untergraben. Wir können das nur ändern, indem wir den Dialog mit der neuen Generation von Energie-Unternehmern suchen.“, erklärt Roman und fügt hinzu, dass auch viele junge Leute an Greencubator mitarbeiten. „Ganz am Anfang, als Greencubator noch gar nicht existierte, nahmen wir an sterbenslangweiligen Konferenzen teil. Das war der Auslöser dafür, dass wir etwas Neues und Frisches kreieren und gleichzeitig den Leuten zeigen wollten, dass Öko-Nerds sexy sind“ (Dieser Slogan ziert die Greencubator-T-Shirts). 

Und nun, wie sieht die Zukunft aus? Das Wichtigste ist, dass sich Greencubator weiterentwickelt. Wichtig ist auch, dass die Begeisterung für alternative Lösungen, die erneuerbare Energien für das Land zu bieten hat, anhält. Mithilfe von Ausbildungsprogrammen und kostenlosen Konferenzen an Universitäten wollen die Greencubator-Begründer das Interesse für erneuerbare Energien aufrecht erhalten. 

Die  COP21 wirke sich positiv auf  Organismen wie Greencubator aus, meint Roman und fügt hinzu: „Es passiert etwas, Innovationen rücken in den Vordergrund.“ Die Teilnahme der USA an der UN-Klimakonferenz bewertet er als positives Zeichen. Endlich würde gehandelt werden, Dinge würde sich verändern: „Wenn doch nur mein Land mehr Engagement zeigen würde“.

Dieses Porträt ist Teil unseres cafébabel-Projekts #21faces im Rahmen der Weltklimakonferenz COP21 in Paris.