Gesellschaft

Roberto Bennati: 'In Sachen Tierschutz ist Rumänien das schwarze Schaf'

Artikel veröffentlicht am 3. Oktober 2007
Artikel veröffentlicht am 3. Oktober 2007
Neue Tierschutzgesetze in Europa: Interview mit dem Vizepräsidenten der italienischen Liga gegen Vivisektion (LAV)

Welche EU-Länder nehmen den Tierschutz ernst?

Ohne Zweifel die nordeuropäischen Staaten wie Großbritannien, Dänemark, Finnland und Schweden. So ist es auch kein Zufall, dass in diesen Ländern die meisten Familien ein Haustier halten. Das Vereinigte Königreich hat bereits Ende des 19. Jahrhunderts erste Gesetze zum Schutz von Haustieren erlassen. Und hier gab es jüngst auch weltweit erstmalig ein Gerichtsverfahren wegen Tielquälerei. Ein Hundebesitzer wurde hinsichtlich des Übergewichts seines Haustieres wegen falscher Ernährung für schuldig befunden [A.d.R.: Januar 2007].

Wie sieht die Situation in Italien aus?<</strong>

In den vergangenen fünfzehn Jahren wurden große Fortschritte gemacht. So ist es in Italien seit 1991 verboten, streunende oder in Tierheimen lebende Tiere zu töten. Eine Regelung, die in anderen europäischen Ländern noch lange nicht selbstverständlich ist. Seit 2004 wird die nicht artgerechte Tierhaltung streng geahndet und kann in schweren Fällen sogar zu Haftstrafen führen.

Man hört auch oft von Hundekämpfen. Wie verbreitet ist dieses Phänomen?

Bereits in der Union mit nur 15 Mitgliedstaaten war bekannt, dass in Frankreich, England, Spanien und Italien Hundekämpfe veranstaltet wurden. In Großbritannien hat man das Problem auf drastische Weise gelöst: Es wurde einfach versucht, die vom Phänomen betroffenen Rassen auszurotten, ohne einen Gesetzesrahmen gegen die Kampfveranstaltungen zu schaffen. Italien zum Beispiel hat einen anderen Weg gewählt, indem zunächst gegen die kriminelle Handlung an sich vorgegangen wurde (A.d.R.: die oft mit der Mafia zusammenhängt). In den neunziger Jahren erreichte das Phänomen seine heftigste Verbreitung im ganzen Land. Ab 2004 wurden die Maßnahmen dann mit Geldstrafen bis 160.000 Euro und Haftstrafen bis zu drei Jahren verschärft. Nach aktuellen Schätzungen beträgt das Geschäftsvolumen derzeit 300 Millionen Euro und verzeichnet im Vergleich zu den Vorjahren einen starken Rückgang.

Gibt es auch einen illegalen Tierhandel?

Nach dem EU-Beitritt osteuropäischer Länder wie Rumänien wurden illegale Einfuhren von Hundewelpen nach Frankreich, Italien und Deutschland beobachtet. Generell ist es jedoch sehr schwer, den Umfang festzustellen. Unzuverlässigen Quellen zufolge wurde hierbei allein im Jahr 2006 ein Umsatz von über 10 Millionen Euro erzielt. Diese Tiere dürften nicht exportiert werden und verstärken den illegalen Welpenhandel besonders in bestimmten Perioden des Jahres erheblich. Rumänien ist in diesem Zusammenhang das aktivste Land und außerdem das Land mit dem geringsten Tierschutz. Rumänische Tierschutzverbände beklagen, dass viele Hunde direkt auf der Straße getötet werden oder unter hoffnungslosen hygienischen Bedingungen leben und dass diesbezüglich keinerlei Regelung existiert.

Was tut die Europäische Union, um dieses Problem anzugehen?

Auf gemeinschaftlicher Ebene erobern die Tiere derzeit einen rechtlichen Status, und zwar nicht nur Haustiere, sondern auch Nutzvieh. Die EU verabschiedet derzeit Gesetze zu verschiedenen Aspekten und hat im vergangenen Jahr erstmalig einen Aktionsplan für den Schutz und das Wohlbefinden von Tieren (2006-2010) angenommen. Auf Gesetzesebene gibt es große Fortschritte und auch wir vom LAV arbeiten hart daran, diese Gesetze in die Praxis umzusetzen.