Gesellschaft

Radio auf Europäisch

Artikel veröffentlicht am 21. Mai 2007
Artikel veröffentlicht am 21. Mai 2007
In Frankreich versuchen zwei Radiosender, den Bürgern Europa nahe zu bringen.

Lust, Europa anders zu hören? Aber wie kann man wirklich von Europa sprechen, wenn alle Redaktionsräume und Korrespondenten Franzosen oder Deutsche sind? Vor kurzem wurden in Frankreich zwei Radiosender und eine Sendung als echtes „multikulturelles Sammelsurium“ eingeführt: Eur@dioNantes, Eurosph’R und Europe N’Roll.

Wenn die Kurznachrichten mit einem griechischen oder deutschen Akzent gelesen werden, wirkt es gleich zu Beginn für die französischen Trommelfelle verwirrend. Diese Radiosender übertragen auch Musik aus allen Ecken Europas, ohne in Folklore zu verfallen. Während Europa N' Roll ungarischen Reggae spielt, stöbert die Sendung Contrebande (Schmuggel)“ auf Eurosph' R wahre Goldstücke auf.

Bürgernaher Europajournalismus

Im Frühling 2005 hat Florence Aubron, eine Journalistin aus Nantes, beschlossen, einen europäischen Lokalradiosender zu starten: Eur@dioNantes. Ihr Ziel: eine Plattform mit aus allen Ecken Europas stammenden Journalisten, die über aktuelle Nachrichten von ihrem eigenen nationalen Standpunkt aus berichten. „Ich will einen Radiosender aufbauen, der für Franzosen wie für Ausländer gedacht ist und die Facetten Europas vervielfacht“, erklärt sie.

Audron will aus „Eur@dioNantes“ eine Schulradio machen, das eine neue Art Journalisten ausbilden wird: den partizipativen Europajournalismus. Es ist das Projekt einer Generation, die sich in Europa mobil bewegt, mehrere Sprachen spricht und über die örtliche Aktualität mit brandneuem Blick berichtet. Eine weitere Herausforderung: die Informatione über den Alltag unserer europäischen Nachbarn , um Ähnlichkeiten bzw. Unterschiede sichtbar zu machen.

Für Sophie Barbier, der Chefin des Radiosenders Eurosph’R, der am 9. Mai 2006 im Internet startete, war die Gründung eines europäischen Radiosenders ein ewiger Traum. Barbier ist in den Achtzigern groß geworden und erlebte in ihrer Jugend den Frühling der freien Radiosender mit. „Die größten, kommerziellen Radiosender wie Skyrock haben die Kleinen geschluckt“, sagt sie heute.

Als sie das „erste europäische Weblogradio“ startete, wollte Barbier zu dieser diese Ton- und Ausdrucksfreiheit der ersten Vereinsradiosender zurückfinden und deshalb auch eine „neue Gebrauchsweise des Radios“ durch das Internet anbieten. Bezüglich des allgemeinen Interesses an Europa beabsichtigt sie, mit Hilfe eines dynamischen und originellen Massenmediums zu zu kämpfen, das die Information klar analysieren soll.

Keine Propaganda

Pädagogik brauchen Margot Reis und Ihr Team auch, um Europa den 15 bis 25jährigen verständlich zu machen. Auf Radio FaJet - ein kleiner Vereinsradiosender aus Nancy – hat die Politikwissenschaftstudentin des deutsch-französischen Studienganges in Nancy ein aus ihren Kommilitonen bestehendes Team aufgebaut. Das Team von Europe N’ Roll startete im Oktober 2006 und Reis kann mit regen Beteiligung der Erasmus-Studenten rechnen.

Um die Jugend vor Ort für Europa zu sensibilisieren, sucht sich die Redaktion eine spielerische und unkonventionelle journalistische Arbeitsweise, die oft auf den Alltag eines europäischen Landes ausgerichtet ist. "Europäische Nachrichten", erklärt Margot, "werden kommentiert, um sie den Jugendlichen, vor allem den 15 bis 18jährigen, verständlich zu machen. Und wir achten darauf, den passenden Wortschatz zu verwenden, ohne Propaganda zu machen".

Für diese kleinen Radiosender, die selbstständig sein wollen und die ohne die Vermittlung von Konzernen nach europäischen Sponsoren suchen, ist die Situation ungewiss. Ganz wenige schaffen es , die Auswahlkriterien der von der europäischen Kommission subventionierten Jugend- und Medienprojekte zu erfüllen.

Um Eur@dioNantes zu finanzieren, hat sich Laurence Aubron auf eine haarspalterische Gewalttour eingelassen und von den Gemeinden so wie vom Europa-Ministerium letztendlich Geld bekommen. Von der EU gab es leider kein Geld. Genau so erging es dem Sender Eurosph’R, der bis jetzt noch keinen Investitionsträger gefunden hat, "denn das Thema Europa ist nicht besonders gewinnträchtig", glaubt Sophie Barbier.

Die Organisation dieser oft nur dank der "Motivation" ihrer Investoren bzw. ehrenamtlichen überlebenden Radiosender stellt auch die Frage der Informationsqualität und -objektivität. Sicher geben diese Radiosender mehr den europäischen Bürgern als den politischen Vertretern oder den Berufsjournalisten das Wort und der Alltag herrscht gegenüber hochpolitischen Themen vor.