Gesellschaft

Paris: Sich schlapplachen in 3 Lektionen

Artikel veröffentlicht am 18. Oktober 2011
Artikel veröffentlicht am 18. Oktober 2011
Lachen um des Lachens Willen! Im Stehen, im Sitzen, auf dem Rücken, auf dem Bauch, tagsüber oder in der Nacht, und vor allem: gemeinsam. Weil Lachen eine ernsthafte Sache ist, besuchte eine cafebabel.com-Reporterin einen Lachkurs in Paris und lernten „Lachyoga“ in drei Lektionen.

Vincennes, Paris. An einer Hauswand hängt an einem losen Kabel ein Zettel mit der Aufschrift: „Lach-Club. Dienstags von 19 bis 20 Uhr“. Ein Pfeil zeigt nach links. Wir folgen dem Hinweis, wischen an der Tür ein leises Gefühl von Lächerlichkeit und Scham an der Fußmatte ab und betreten einen dieser Mehrzwecksäle, in denen an anderen Tagen Nachbarn konferieren und Kinder Theater spielen. „Guten Tag, wir kommen wegen des Lachkurses.“

Lektion 1: Andere Länder, andere Sitten

„Herzlich willkommen. Wenn alle da sind, geht es los.“ Die Kursleiterin ist die berühmte „Lachforscherin“ Martine Medjeber, die kurz skizziert, was uns heute erwartet: Zunächst ein paar Entspannungs- und Aufwärmübungen, dann einige Spiele und schließlich unkontrollierte Lachanfälle. Wir heben die Brauen und nicken. Martine Medjeber ist eine etwas seltsame Lehrerin, die ohne weißen Kittel und dem einschüchternden Gehabe auskommt, mit dem manche ihrer Kolleginnen ihr Erscheinungsbild aufzuwerten suchen. „Früher arbeitete ich als Psychotherapeutin, heute widme ich mich ganz dem Lachen“, erklärt sie. Trotz allem trägt der Kurs zeitweise die Züge eines Schulunterrichts: Da gibt es die Zuspätkommer, die Schwänzer, die Unkonzentrierten (die öfter kichern, als sie sollten) und die Streber in der letzten Reihe, die das Geschehen unauffällig verfolgen und nur dann und wann leise glucksen. Und dann gibt es mich, mit meiner anfänglichen Skepsis und einem Blumenkleid ohne Taschen, in denen ich meine Schüchternheit verstecken könnte.

Nach ein paar Dehnübungen und Zeltlagerspielen (Tiere nachahmen, Wortspiele, “Stille Post”) kommen wir zum Kern der Sache: es wird gelacht. Die Teilnehmer liegen im Kreis auf dem Boden und wiehern sich die Seele aus dem Leib. Bäuche beben, Brüste bibbern, Haare stehen zu Berge. Bis man nicht mehr kann.

Lektion 2: Warum bist du hier?

Die Lachtherapie, im Expertenslang auch „Lachyoga” genannt, ist keine Anleitung zum Totlachen. „Das Wichtigste ist, gemeinsam zu lachen“, erklärt Yoëllle, die ebenfalls einen Lachclub leitet und heute an Martine Medjbers Wochenkurs teilnimmt. „Der Kurs richtet sich nur an Erwachsene“, fährt sie fort, „denn Kinder brauchen keinen Anlass zum Lachen. Sie tun es ununterbrochen!“

Yoëlle meint, dass hier jeder “findet, was er sucht”. Aurélie besucht den Kurs schon zum dritten Mal und sagt, dass sie sich hier einfach „wohlfühlt“. Sie spüre eine Verbindung zu den anderen Teilnehmern, auch wenn sie keinen von ihnen persönlich kennt. Anderen geht es um mehr als körperliches Wohlbefinden. Maureen sieht in dem Club einen „Raum für Freiheit“, wo das atemlose Lachen sie sogar in einen „Schwebezustand“ zu versetzen vermag. Wie sie schätzen viele andere Teilnehmer das Gefühl, während der Sitzung „ganz sie selbst“ sein zu können. Sie fühlten sich eingeengt in einer Welt, in der Sozialnormen und die Sorge, was andere von uns halten könnten, uns in eine schwer abzustreifende „Alltagsuniform“ zwingen. In den Lachkursen hingegen könne man ungestraft all die Dummheiten machen, die man im täglichen Leben schamhaft unterdrücke. „Wir leben in einer materialistischen Gesellschaft“, meint Yoëllle, „aber wir können nicht mehr darüber lachen.“

Lektion 3: Lachen kann man lernen!

Seit das „Lachyoga“ im Jahr 1995 von Doktor Madan Kataria ins Leben gerufen wurde, wird es von Lachclubs auf der ganzen Welt praktiziert. Viele von ihnen, darunter Martine Medjeber, orientieren sich an den von Dr. Katarias an der Ecole Internationale du Rire vermittelten Methoden. Diese von Corine Cosseron im Jahr 2002 gegründete Einrichtung ist die erste internationale Lachschule, deren Angebot für Studenten und Dozenten von kostenlosen Lachkursen bis zu spaßigen Spielnachmittagen zu 99 Euro reicht. Außerdem bietet die Schule Unterricht in „Lachforschung” an, der sich vor allem an Therapeuten richtet und dessen erfolgreiche Absolventen sich mit dem Titel des „Lachclub-Leiters“ schmücken dürfen. Und wer nun stirnrunzelnd fragt, wofür das nun wieder gut sein solle, dem darf man getrost antworten, es diene einer kurzen Rückkehr in die Kindheit, der Lust, aus der Gesellschaft auszubrechen, oder einfach einer Hommage ans Lachen, das im Leben so wichtig ist.

Und für alle, die den Weg zum Glück noch immer nicht gefunden haben – oder eine Abkürzung suchen – ist das gemeinsame Lachen ein lohnenswerter Versuch. Mit anderen Worten: wenn ich groß bin, werde ich Lachforscherin!

Der erste April ist der Internationale Tag des Lachens.

Fotos: Homepage (cc)superbomba/flickr; Lachyoga (cc).[L.M. Photography]./flickr; Video: YouTube