Gesellschaft

Öko-Strategien made in Budapest: Die Zukunft baut grün

Artikel veröffentlicht am 7. Januar 2011
Artikel veröffentlicht am 7. Januar 2011
Inmitten der Weltwirtschaftskrise, dem unaufhörlichen Wachstum der Weltbevölkerung und der immer größeren Anzahl von Megacities, sprießen auch in Budapest umweltfreundliche Gebäude. Auch die Gewässer der Umgebung sind zunehmend sauberer. Ungarische Ideen für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung.

Mit seinen zwei Millionen Einwohnern könnte Budapest exemplarisch für die urbanistischen Herausforderungen einer europäischen Metropole im Spannungsrahmen zwischen Altbausanierung, Nachhaltigkeit und Mehrkostenproblematik stehen. Die ungarische Hauptstadt hat einige Strategien parat, die vielleicht kostspielig, auf lange Sicht jedoch notwendig für die veränderten Lebensumstände auf unserem Planeten sein werden.

Neuer Schutz für alte Wände

Die Dämmung von 5 großen Wohneinheiten im Stadtteil Obuda ist nur der AnfangIn einigen älteren Wohnblöcken des Budapester Stadtteils Óbuda werden zurzeit Aktivitäten des Concerto-Programms der EU (Cities Demonstrative Energy & Climate Change Policy Solutions) umgesetzt. Das Programm hat zum Ziel, sowohl das umwelttechnische, als auch das finanzielle Problem zu lösen. Den Gebäuden fehlt durchweg eine gute Dämmung, was derzeit zu einem Energieverlust führt. Im Winter geht die Wärme aus den Wohnungen und im Sommer ist es die kühle Luft, die nach draußen entweicht. Das Projekt umfasst die Grundsanierung von fünf Immobilien mit insgesamt 900 Wohneinheiten.

Durch die Ausbesserung der Dächer, die Dämmung der Fassaden, den Austausch der Türen und Fenster und die Erneuerung der Heizungsanlage konnten rund 70% des Energieverbrauchs eingespart werden. Das zeigt auch auf finanzieller Seite Wirkung. Durch die Dämmung der Budapester Wohnblöcke sind die Kosten auf den Stromrechnungen der Mieter gesunken. Das ist von großer Bedeutung, da in diesen uralten Gebäuden für gewöhnlich Menschen mit geringem Einkommen leben.

Living Danube: Sauberes Wasser für die Donau

Die Hauptsschlagader der Stadt, die sich quer durch Budapest zieht, ist die Donau. Budapest hat damit begonnen, die Verschmutzung zu reduzieren, die in den Flusslauf geleitet wird. Dafür wurde die Initiative "Living Danube" ins Leben gerufen. Ein Projekt zur Beratung über nachhaltigen Umweltschutz und Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts, dessen Ziel die Regenerierung und Verbesserung der Gewässer ist, die der Donau zufließen. Dank dieses Projekts konnten zwischen 92 und 96% der Abwässer regeneriert werden.

Un ejemplo de cóOder wie man Nachhaltigkeit auch in den alltäglichen Lebensraum integrieren kann

Was die neue Kläranlage so besonders macht, ist die Tatsache, dass sie den Vorgaben der nachhaltigen Architektur entsprechend  gebaut wurde. Hervorstechendes Merkmal ist das begrünte Dach mit einer Fläche von 10 000 Quadratmetern.

Mehrkosten der grünen Architektur "rechnen sich nach 10 Jahren"

Über 90% der Gebäude in Ungarn gehören noch zur alten Häusergeneration. Ertsey Attila, ein auf nachhaltiges Wohnen spezialisierter Architekt, kommentiert dies folgendermaßen: „Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, nicht nur beim Bau der neuen Ökohäuser, sondern auch bei der Grundsanierung großer Teile des Immobilienbestandes im Land. In vielen Fällen wäre es besser die Gebäude abzureißen und neu zu errichten, als ihre Sanierung anzugehen. Aber das ist aus finanziellen und sozialen Gründen unmöglich.“

Einer der Hauptgründe für die langsame Einführung der Ökoarchitektur ist schlicht und ergreifend die finanzielle Lage. Nennen wir sie „Zusatzkosten“. Verschiedenen Studien zufolge sind die Kosten für den Bau von Gebäuden, welche die Vorgaben zur Nachhaltigkeit und Energieeffizienz einhalten, um 10 bis 15% höher als für konventionell errichtete Gebäude.

Mehrkosten rechnen sich wohl schon in 10 JahrenFür Ertsey Attila vom Architekturbüro KÖR KFT sei diese Zahl jedoch übertrieben. Der Architekt spricht von letztlich 8% Mehrkosten für eine 'nachhaltige' Einfamilienwohnung. Aber diese zusätzlichen Kosten sind nichts im Vergleich zu den Verbesserungen, die diese bioklimatologischen Gebäude für Gesundheit und Wohlbefinden ihrer Bewohner bringen. Zudem weist Attila das finanzielle Argument zurück: Die Mehrkosten von 8% rechnen sich, nach seiner Kalkulation, bereits nach zehn Jahren.

Stadtplanung und Umweltschutz

Man kann sich nicht auf die Seite der Ökoarchitektur schlagen, ohne diese im größeren Konzept der Stadtplanung zu betrachten. Es ist viel einfacher Nachhaltigkeit in Gebäuden mit wenigen Stockwerken zu erreichen, als in Hochhäusern beispielsweise. „Die kleinen Wohnbezirke könnten in einer relativ kurzen Zeit von 15 bis 20 Jahren autark werden“, erzählt Ertsey Attila weiter. Hier kommen wir wieder auf den finanziellen Aspekt zu sprechen. Wenn das Ziel der Ökoarchitektur letztlich die autarke Energieversorgung ist, dann könnte diese Grenze die Herausforderung überwinden und zum nächsten Schritt führen: dem Energieexport.

Dieser Text ist Teil unserer 2010/11 Serie Green Europe on the Ground. Vielen Dank an das cafebabel.com Team in Budapest.

Fotos: Städtebauliches Projekt, das den Holcim Award für nachhaltige Architektur gewonnen hat/ KÖR KFT; Schwimmendes Theater/(cc) Exile of James Street/flickr; Ertsey Attila/©Daniel Tordable