Gesellschaft

Moskau erstickt

Artikel veröffentlicht am 11. August 2010
Artikel veröffentlicht am 11. August 2010
Zwei Wörter haben es in diesem Sommer in Moskau zu ungeahnter Popularität gebracht. Infolge der über 500 Walbrände, die Russland seit ein paar Wochen verwüsten, wird der dym (дым – Rauch) gefürchtet und der dozhd (дым – Regen) erwartet wie der Messias. Moskau ähnelt einer Szene aus einem Zombiefilm. Bericht einer jungen Moskauerin.

Die Wohnblöcke, ein Relikt der Sowjet-Ära auf der anderen Seite der Straße, sind von meinem Zimmer im Viertel Novoslobodskaya aus kaum zu sehen. Im von den Waldbränden verursachten Dunst erscheinen sie nur als große, schwarze Objekte. Die Gesundheitsbehörden empfehlen den Einwohnern dringend, so wenig Zeit wie möglich draußen zu verbringen – aber der Rauch setzt sich nach und nach in den Wohnungen fest, in den Büros und sogar in der Metro, die streckenweise 80 Meter unter dem Erdboden verkehrt. In ihrer Panik messen die Moskauer dem gefürchteten dym (дым), dem Rauch, eine weitreichende Bedeutung zu. Sie sprechen von Klimaerwärmung und sogar von der Apokalypse. Fünfzig Personen sind bereits gestorben. Die orthodoxe Kirche erklärte, es handele sich bei dieser Katastrophe um eine Strafe Gottes, um die Russen für ihre Sünden zu bestrafen. Sie empfiehlt ihren Anhängern, um Vergebung zu beten.

Das zweite Wort heißt dozhd (дождь) – Regen. Nach fast zwei Monaten unerträglicher Hitze und sehr geringem Niederschlag haben die Moskauer angefangen, so vom Regen zu sprechen wie andere im Norden Europas von der Sonne: Mit einem unbändigen Verlangen. Tatsächlich ist dies die einzige wirkliche Lösung, die auf der einen Seite gegen die Hitze und auf der anderen Seite gegen den „dym“ helfen würde. Ganz zu schweigen von der Dürre, die Pflanzenkulturen von der Fläche Portugals zerstört hat. Ende Juli schaffte es „dozhd“ sogar in die Liste der zehn beliebtesten Wörter auf Twitter! In der Zwischenzeit prophezeien Meteorologen, dass die Hitzewelle noch bis wenigstens Mitte August andauern wird. Es gibt also Hoffnung, dass die Regenperiode, die normalerweise im August startet, bald beginnt. Sollte das nicht der Fall sein, müssten wir lediglich noch ein paar weitere Monate warten, bis Schnee fällt und die Temperaturen bis auf -30° sinken, wie im letzten Winter.

Ihr seid gerade in Moskau oder kennt jemanden, der sich zurzeit in Russland aufhält? Hinterlasst uns einen Kommentar!

Foto : Artikellogo ©Yulia Smirnova/flickr ; Video ©nocommenttv at euronews/YouTube