Gesellschaft

Mechanische Onanie

Artikel veröffentlicht am 19. Juli 2007
Artikel veröffentlicht am 19. Juli 2007
In Nordeuropa soll fast die Hälfte aller Frauen ihr "mechanisches Freudenspielzeug" besitzen. Und auch Tuppervib-Parties erfreuen sich zunehmend großer Beliebtheit.

"Können Sextoys Frauen gegenüber dem Penis desensibilisieren?" Auf der Homepage des amerikanischen Magazins Esquire hat ein männlicher Leser in einem Anfall von Panik diese metaphysische Frage in den Raum gestellt. Und es lohnt sich danach zu fragen, denn Europas Frauen wissen die vollautomatischen Spielgefährten mehr und mehr zu schätzen. Laut einer aktuellen Umfrage, besitzen mehr als die Hälfte der Isländerinnen, Schwedinnen und Britinnen einen kleinen elektronischen Freund; der Süden bleibt prüde und gibt sich ganz klassisch mit Rosenkränzen zufrieden.

Aber die barbarische Invasion des Ritters Dildo und seiner Knappen hat bereits begonnen.

Vom Modell "I rub my Duckie", über den unwiderstehlichen "iGasm" bis hin zum mystischen "Jack the Rabbit", haben die als Hardcore klassifizierten Gegenstände längst die Schaufenster der Spezialläden verlassen, um vibrierend Stellung in den Supermärkten des Kontinents zu beziehen: Auf dem Weg auf die Nachttische und in die Handtaschen der städtischen Amazonen. Schluss mit den Sexshops rund um die verruchte Pariser Rotlichtmeile Pigalle. Die Fans können ihren liebsten Vibro oder Dildo schon im Ann Summers-Shop am Londoner Flughafen Luton erwerben, bevor sie dann wortwörtlich abheben.

Eine weitere kleine Revolution: der steigende Erfolg von so genannten Tuppervib-Abenden, die nach dem Prinzip der berühmten Hausfrauenabende aus den 50er Jahren funktionieren. Die Gastgeberin - mit allem Nötigen ausgestattet - zeigt ihren Gästen, was die Elektrobranche Neues zu bieten hat und die Spielzeuge können direkt in Aktion treten. Ein nettes Intermezzo und für die Organisatorinnen durchaus rentabel. Würde sich Herr Tupperware bei diesem Gedanken im Grab umdrehen?

Allzu schneller Geschäftssinn allerdings führt zu Problemen, wie der deutsche Erotik-Riese Beate Uhse erst kürzlich feststellen musste. Aufgrund einer Klage von Fußballspielern wurde der Konzern zu einer Strafe von 50 000 Euro verurteilt: er hatte einen Vibrator zum Verkauf angeboten, der die Initialen zweier Spieler der deutschen National-Elf während der WM 2006 trug. Leider ist nicht bekannt, ob dieser Zauberstab Erfolg bei den Frauen hatte.