Gesellschaft

Mazedonien: Namen, Tito und David Morales

Artikel veröffentlicht am 9. April 2008
Im Magazin veröffentlicht
Artikel veröffentlicht am 9. April 2008
Auch wenn die Griechen den Nato-Beitritt Mazedoniens anlässlich des Gipfeltreffens vom 2. bis 4. April per Veto kategorisch abgelehnt haben, gibt das kleine Land den EU-Kurs nicht auf.

Ein kleines Land auf dem Balkan, kaum 26.000 Quadratkilometer groß – aber es hat viele Namen: Mazedonien wird es in Russland, China, der Türkei und den Vereinigten Staaten genannt. Für die EU ist es die 'frühere jugoslawische Teilrepublik Mazedonien' und für Griechenland einfach nur 'Skopje'. Egal ob man umher reist oder in der Hauptstadt bleibt, stets nimmt man eine Spaltung des Landes wahr. Geografisch wird es durch den Fluss Vardar geteilt und identitätsmäßig durch die beiden größten ethnischen Gruppen. Etwa 60 Prozent der Bevölkerung sind orthodoxe Christen, etwa 35 Prozent muslimische Albanier und Türken und etwa 2,5 Prozent sind Roma und Serben.

Der Alltag ist voller Gegensätze. Die albanischen Mazedonier leben in Stadtteilen, in denen sich christliche Mazedonier eher nicht zeigen. Zu tief sitzt bei ihnen die Erinnerung an die blutigen Konflikte, die in den Auseinandersetzungen des Jahres 2001 gipfelten. Die Stadt hungert nach Leben und möchte sich ein eher europäisches Gepräge geben. Seit der Unabhängigkeit im Jahre 1991 schwelt aber der Konflikt mit Griechenland um einen eigenen Namen, die Fahne und die Verfassung. Ein Streitpunkt besteht für Griechenland darin, dass es in seinem traditionellerweise konservativen Norden bereits eine Provinz namens Makedonien gibt. Ungeachtet der Animositäten reisen aber viele Menschen nach Thessaloniki und sprechen Griechisch oder verstehen es zumindest.

Die Mazedonier sind recht hilfsbereit, die überwältigende Mehrheit spricht Englisch und hilft einem auf Nachfrage. Bei Nacht kann man Gruppen muslimischer Frauen sehen, die unter riesigen Werbeplakaten mit dem Bild des amerikanischen DJs David Morales entlanggehen. Unter der wichtigsten Brücke sitzen Bettler, während über sie hinweg zahlreiche Luxuslimousinen rauschen, etwa von Porsche oder Lexus. Dabei hört man moderne Pro-Europäer laut darüber sprechen, wie wichtig es für ihr Land sei, Mitglied der EU und der NATO zu werden. Doch noch immer trauern Hunderte der Ära des Diktators Tito hinterher. So haben seine Anhänger die "Union der Linksgerichteten Tito-Kräfte" gegründet.

Die Mazedonier behaupten, dass die Albaner nicht zu ihrem Volk gehören. Die Albaner verkünden, dass sie keine Skrupel hätten, sich von ihrem Mutterland zu trennen und mit dem Kosovo zu vereinigen.

Innerhalb von Mazedonien gibt es so viele Unterschiede, wie vielleicht nirgendwo sonst. Ohne einen offiziellen Namen und mit einem Verhältnis zu Griechenland, in dem strenger Frost herrscht, beschwören vielleicht die Albaner im Norden Konflikte herauf und verlangen nach ihrer Unabhängigkeit. Bietet die NATO-Mitgliedschaft die Chance für eine Lösung? Beim Warten, bewahren sich die Einwohner die Höflichkeit und Ruhe des Balkans.

Alle Fotos: (www.nikos-chrisikakis.net)