Gesellschaft

"Magic Lives Here": Europaweite Urlaubswerbung ärgert Bulgaren

Artikel veröffentlicht am 22. September 2010
Artikel veröffentlicht am 22. September 2010
Noch ganz verschlafen weckte uns eines Morgens der Klang des Orients, eingefangen von einer Werbung auf einem europäischen Nachrichtenkanal. Der 30-Sekunden-Spot wirbt im Ausland für Bulgarien. Ach wirklich, mit Beach-Volleyball und Wasserski zwischen auf- und untergehenden Sonnen? Hier sind die Kurzkommentare von drei Einheimischen zu der europaweiten Werbekampagne.

„In Bulgarien wurde dieser Spot heiß diskutiert, aber generell könnten wir bei der Außendarstellung unseres Landes ein bisschen mehr Kundenorientierung und Kreativität gebrauchen. Wie viele Leute gesagt haben, passt das hier genauso zu jedem anderen Balkanland. Man müsste noch nicht einmal die Musik ändern, es würde keinen Unterschied machen. Und an die Herstellungskosten ist gar nicht zu denken. Diese Werbung ist nicht nur wenig originell, sondern sie wirkt auch abgegriffen. Die Clips für Kroatien sehen fast genauso aus!”

Teodora, 25

„Das ist sehr spannend. Die Werbung wurde über ein Arbeitsprogramm der EU finanziert und sie ist offenkundig Schund. Bis jetzt haben die Leute eher ablehnend reagiert. Diese Videos kamen vor einigen Wochen heraus und in der Öffentlichkeit gab es eine kurze Aufregung wegen mangelnder Originalität. Die ganze Kampagne basiert auf diesen Videos, die 7,5 Millionen Lewa (bulgarische Währung)kosten, von denen 15 % zulasten der Staatskasse gehen. Der Rest sind EU-Gelder. Die meisten Bulgaren sehen in diesen Filmen kein echtes Bild des Landes. Ändert man in dem Slogan den Ländernamen, dann könnte man ihn leicht auf viele andere Orte in Europa beziehen.“

Camelia, 26 – sie hat in ihrer Zeitschrift Project Media die bulgarischen Leserbriefe gelesen

„Das Video ist lächerlich und eine sehr ernste Angelegenheit - 'Magic lives here' ... Blödsinn. In der Öffentlichkeit gab es keine heftigen Reaktionen darauf. Eins ist sicher: In ein oder zwei Jahren gibt es eine neue Werbung. Mit der Erstellung dieser „Kampagnen“ lassen sich öffentliche Gelder in die Kassen einer Werbeagentur lenken. Kapiert? Das ist quasi eine schwarze Partei-Kasse.“

YV, 28

„Diese Werbung ist alles andere als bulgarisch. Sie zeigt keine typisch bulgarischen Ansichten und ähnelt mehr den jüngsten Anzeigen für die Türkei oder Kroatien. Außerdem finde ich diese Werbung aus mindestens zwei Gründen unehrlich: Erstens, ein völlig Fremder, dem dieser Clip Lust auf Bulgarien macht, wird natürlich enttäuscht. Zweitens fehlen hier so viele andere Bilder, die für einen Werbefilm geeignet wären und die auch Touristen anziehen könnten: Gastfreundschaft, Essen, Wein, Berge, sogar die Schönheit unserer Frauen usw. Ich sehe eigentlich lieber diesen Clip. Er stammt aus einer Serie, in der jeweils ein Land mit der EU verglichen wird, und zeigt eher, wie wir sind. Etwa, dass es keine Parkplätze gibt und jeder auf dem Bürgersteig parkt. Man muss also auf der Straße gehen, wo man von anderen Fahrern genervt wird. Hat man Kinder, so wie ich, kann das gefährlich sein. Natürlich kann man damit nicht einfach so werben, aber es geht darum, dass das eher die Realität wiedergibt.“

Alex, 29