Gesellschaft

Macht macht arrogant

Artikel veröffentlicht am 4. August 2008
Artikel veröffentlicht am 4. August 2008
Europas Staats- und Regierungschefs haben ein eher zwiespältiges Verhältnis zu Fernsehkameras, die einerseits zu großer Beliebtheit beitragen können, andererseits die Arroganz der Macht ans Licht bringen können. Spotlight.

Berlusconi "schießt" auf eine Journalistin

April 2008, Treffen zwischen Putin und Berlusconi auf Sardinien. Wie reagiert man auf die neugierige Frage einer Journalistin über eine angebliche Affäre Putins mit der russischen Sportgymnastin Alina Kabajewa? Der italienische Ministerpräsident kannte dabei wie üblich keine Zurückhaltung. Er deutete eine Maschinenpistole an und richtete sie auf die Journalistin, woraufhin sich Verlegenheit im Raum breit machte. Der Zwischenfall hat vor allem deshalb für Aufruhr gesorgt, weil gerade in Russland Probleme mit der Presse keine Seltenheit sind.

"Hau doch ab, du Dummkopf!"

Februar 2008, Nicolas Sarkozy bei der Eröffnung der Pariser Landwirtschaftsmesse. Vor laufenden Fernsehkameras schüttelt der französische Präsident mit aufgesetztem Lächeln allseits die Hände, bis ihm jemand einen Strich durch die Rechnung macht. Ein ziemlich genervter Messebesucher weigert sich, Sarkozy die Hand zu drücken. Dem Präsidenten reicht's: "Hau doch ab, du Dummkopf!" pöbelt der französische Staatspräsident dem Besucher der Messe entgegen.

Sarkozy: Klappe, die Zweite

Juni 2008, Interview zur französischen EU-Ratspräsidentschaft im Fernsehsender France 3. Sarkozy, der als Gast ins Studio eingeladen worden war, setzte sich hin und grüßte einen Tontechniker, welcher aber den Präsidenten nicht zurückgrüßte. Sarkozy, der anfangs noch zu Scherzen aufgelegt war, legt aber, wie wir nun alle wissen, großen Wert auf Respekt, und echauffierte sich deshalb über die schlechte Kinderstube des Technikers, gerade in Anbetracht des öffentlichen Ortes. Kurz bevor das Interview auf Sendung ging, informierte sich Monsieur le Président dann noch über die Themen, die angesprochen werden, damit er nicht sprachlos da stand. In der Geschichte der Fünften Republik kam es erst zum zweiten Mal vor, dass ein amtierender Präsident Gast in einer Fernsehsendung war. Und vielleicht sollte man es auch dabei belassen!

Putins Einladung zur Beschneidung in Moskau

Ziemlich bissig: Auf die unangenehme Frage eines Journalisten zum russischen Krieg in Tschetschenien, gab sich Putin schlagfertig - wenn auch unter der Gürtellinie. Denn wer die 'antiterroristischen' Maßnahmen kritisiere, sei nicht nur ein Verfechter des Fundamentalismus. Putin geht sogar noch weiter und schlägt dem französischen Journalisten vor, nach Russland, einem Land mit vielen unterschiedlichen Konfessionen, zu kommen. Der russische Präsident höchstpersönlich könne gern bei der Suche nach einem Spezialisten der Beschneidung helfen!

Traian und die stinkende Zigeunerin

Von den zahlreichen Fettnäpfchen des rumänischen Präsidenten ist vor allem jenes der ‘tiganca imputita‚ vom Mai 2007 erwähnenswert. Beim Verlassen eines Supermarktes „beschlagnahmte” Băsescu das Handy einer rumänischen Journalistin, die versucht hatte, ihm ein paar Fragen zu stellen. Dabei bemerkte er aber nicht, dass das Handy an war und aufzeichnete, wie er die Journalistin "stinkende Zigeunerin" beleidigte. Trotz der offiziellen Entschuldigungen des Präsidenten, der angeblich wegen des laufenden Referendums zum Amtsenthebungsverfahren unter starkem Stress war, war der Vorfall ein großer Skandal in Rumänien.