Gesellschaft

LGBT-Rechte: die Flop 5 in Europa

Artikel veröffentlicht am 24. Juni 2011
Artikel veröffentlicht am 24. Juni 2011
Ob nun homosexuell oder lesbisch, bisexuell, transgender oder einfach nur schwulenfreundlich, sie gehen auf die Straße, um das Recht auf Respekt zu fordern. Von Mai bis August mobilisieren Gay Prides mit Musik und Farbe hunderttausende Bürger. Der passende Anlass für cafebabel.com, eine Bilanz der Rechte sexueller Minderheiten in Europa zu ziehen. Hier die Flop 5.

Lest auch den Artikel über die Top 5 der europäischen Länder in puncto LGBT-Rechte!

1) Ukraine: Wo bleibt die rosa Revolution? 

Die Ukraine ist nicht das Land, an das man als erstes denkt, wenn es um Gewalt gegen LGBT [Lesbian, Gay, Bisexual und Trans; A.d.R.] geht. Dennoch ist es das europäische Land mit der höchsten Rate rechtlicher Diskriminierung: Gay Prides sind in der Ukraine verboten, Rechtssicherheit für gleichgeschlechtliche Paare existiert nicht, hinzu kommen – laut dem LGBT-Verband ILGA-Europe – Verstöße gegen die Vereinigungsfreiheit. Vervollständigt wird dieses schwarze Bild durch die Tatsache, dass Transgender-Personen rechtlich nur anerkannt werden, wenn sie sich haben sterilisieren lassen und, falls sie verheiratet waren, scheiden lassen. 

2) Moldawien: die andere rote Laterne

Dieses Land, das zu den am wenigsten entwickelten in Europa zählt, ist auch unter denen, die LGBT-Rechte am meisten missachten. Nachdem Homosexuellen-Märsche 2002 zugelassen worden waren, wurden sie anschließend wieder verboten. Die Begründung: Sie seien nicht mit den katholischen Werten dieses orthodoxen Landes vereinbar.

3) Belarus: „ein normales Leben führen“

Nicht immer willkommen in BelarusDass sich die letzte Diktatur Europas in diesem Ranking wiederfindet, ist leider keine Überraschung, da Menschenrechtsverletzungen dort an der Tagesordnung sind. Demonstrationen sind verboten (die Proteste gegen Alexander Lukaschenkos Wiederwahl mit stalinistischen Ergebnissen endeten in Gewalt), dementsprechend auch Homosexuellen-Paraden... So endete der Aufmarsch im Mai 2010 mit Festnahmen und Geldstrafen. Präsident Lukaschenko machte bereits zu Jahresbeginn von sich reden, nachdem er vor Medien bekräftigt hatte, dem deutschen Außenminister Guido Westerwelle, der offen homosexuell ist, „von Angesicht zu Angesicht“ an den Kopf geworfen zu haben, er solle „ein normales Leben“ führen. Organisationen zur Verteidigung von Homosexuellen-Rechten existieren, aber das gesellschaftliche Leben ist illegal und Razzien der Polizei sind zahlreich.

4) Russland: taub gegen Menschenrechte

Russland erkennt zwar die rechtliche Existenz von Transgender-Personen an, ohne sie zu den berüchtigten Operationen zu zwingen, hinkt aber hinsichtlich dem Recht Homosexueller, eine Familie zu gründen, und dem Kampf gegen die Diskriminierung sexueller Minderheiten hinterher. Zweimal schon wurde das Land vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte für Behinderung der Versammlungsfreiheit verurteilt, durch sein Verbot von Homosexuellen-Paraden in Moskau. Die diesjährige Parade endete in Gewalt, wobei Bürgerrechtler – darunter Louis-Georges Tin, Vorsitzender des IDAHO-Gremiums (International Day Against Homophobia) – darauf hinwiesen, dass neofaschistische Grüppchen der Polizei tatkräftig unter die Arme gegriffen hätten.

5) Türkei: Gay Pride, aber Diskrimination

Der schwule Physik-Student wurde in einem Café in Istanbul erschossenDer Ehrenmord am Studenten Ahmet Yildiz sowie die Halil Ibrahim Dinçdags Entfernung von den Listen der Fußball-Schiedsrichter, beide Male aufgrund ihrer Homosexualität, haben die Gemüter in der Türkei geprägt. Während Homosexuellen-Paraden erlaubt sind – Istanbul ist Gastgeber der 19. Veranstaltung – werden die Rechte von LGBT-Vereinen nicht immer eingehalten. Eine dieser Organisationen, Kaos Lambda, wurde fast vom Bürgermeister Istanbuls verboten, nachdem sie von der Polizei durchsucht worden war. Seine Homosexualität auszuleben kann gefährlich sein und polizeiliche Schikanen sind weit verbreitet, wie ein Bericht von Human Rights Watch, einer internationalen Organisation für die Wahrung der Menschenrechte, belegt. Die Gemeinde bleibt unauffällig, auch wenn ein Gastronom vor zwei Jahren ein Restaurant eröffnet hat. Auch die Wiederwahl der konservativen muslimischen Partei von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan wird die Situation in den kommenden Jahren wohl kaum ändern.

Heute hält kein europäisches Land mehr Homosexualität für eine Krankheit oder verbietet homosexuelle Beziehungen komplett. Doch einige Länder müssen auf ihrem Weg zu gleichen Rechten für LGBT noch weit gehen, vor allem wegen des starken Einflusses des religiösen Konservatismus und des kommunistischen Erbes.

Diese Flop 5 wurde auf Grundlage der Rangliste der Nichtregierungsorganisation ILGA-Europe (International Lesbian and Homosexual Association) anlässlich des Internationalen Tages für den Kampf gegen Homophobie (IDAHO) zusammengestellt.

Fotos: Homepage (cc)ЯAFIK ♋ BERLIN/flickr; Guido Westerwelle (cc)Michaelthurm/flickr; Video ©Tele2news2011/Youtube; Ahmet Yildiz (cc)Mikebear/flickr