Gesellschaft

Kosovo - Verborgene Leichen im Land der schwaerzen Amseln: Teil 3

Artikel veröffentlicht am 23. September 2014
Artikel veröffentlicht am 23. September 2014

War der Kosovo zu Beginn der 2000er Schauplatz für Organhandel mit den Organen inhaftierter Serben, die von kosovarischen Guerillakämpfern gefangen gehalten wurden? In folgendem Teil geht es um 29 Seiten eines Dossiers der Vereinten Nationen und um das schmierige Lachen eines gewissen French Doctor.

Die Minuk-Mission

"Seit 1999 und möglicherweise auch schon früher, wurden 100 bis 300 Menschen gekidnappt und in Kleintransportern in Gefangenenlager im Norden Albaniens, in der Nähe von Kukës und Tropoje überführt. Diese Gefangenen waren ausschließlich Männer serbischer Herkunft zwischen 25 und 50.

Anfang August 1999 wurden einige der Gefangenen – die Zahl varriert zwischen 24 und 100 – vom Norden Albaniens ins Landesinnere verschleppt. Ziel waren dabei meist improvisierte Gefangenenlager in Privathäusern oder verlassenen Industriebauten in der näheren Umgebung von Burrel, ca.  110 km von Kukës. In Kleingruppen wurden diese Häftlinge schließlich in einen ehemaligen Hof im Süden Barrels überführt. Dieser glich, nunmehr ausgestattet mit medizinischen Geräten und Medikamenten, jetzt eher einer schicksalshaften Klinik, als einem Bauernhof. Dort soll man den Gefangenen ihre Organe entnommen und ihre Leichen anschließend in der direkten Umgebung verscharrt haben. Daraufhin wurden die Organe zum Flughafen Rinas in der Nähe von Tirana gebracht und ins Ausland überflogen. Ziel : unbekannt.

Zudem befanden sich unter den Inhaftierten Auch einige Frauen kosovarischer und albanischer Herkunft und Frauen aus anderen osteuropäischen Regionen. Die letzten Gefangenen kamen im Frühjahr und Sommer 2000 in das Gefängnis. Zusätzlich zu der Zahl an Serben, die lebend nach verschleppt wurden, sind einige serbische Leichen aus dem Kosovo nach Albanien überführt und dort an entlegenen Orten verscharrt worden. »

Datiert mit dem 30. Oktober 2003 richtet sich die MINUK von Pristina mit dem berühmten ersten offziellen Bericht über den Organhandel an Patrick Lopez, den Zuständige des Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY = International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia). Ein Bericht von 29 Seiten. Auf Englisch verfasst, übersät mit Anmerkungen und den Namen der Zuständigen, legt auf der Basis von acht Zeugenaussagen ehemaliger Soldaten der UÇK die kompletten Fakten, die Daten und die Orte der Geschehnisse dar. Die Identität dieser acht Hauptzeugen ist geheim und sie werden nur durch Nummern und eine Kurzbeschreibung bezeichnet. Wie zum Beispiel: Nummer 6." Beschreibung: Ein Albaner aus dem Süd-Westen des Kosovo. Er diente der UÇK als Fahrer und Soldat. Er gibt an, dass er direkt an der Überführung Gefangener aus dem Kosovo in Gefangenenlager im Norden Albaniens beteiligt war."  

Als heikel" eingestuft, unterliegt der Bericht eigentlich der militärischen Geheimhaltungspflicht. Kürzlich gelangte er allerdings an die Öffentlichket und wurde sogar im Internet veröffentlicht. Der Text greift die Behauptungen der europäischen Gemeinschaft stark an. Obwohl der Bericht vor über einem Jahrzehnt mittels der MINUK, der KFOR (multinationale militärische Kosovo-Truppe der NATO) oder der EULEX (Rechtsstaatlichkeitsmission der Europäischen Mission) vorgestellt wurde, gab die Europäische Union an, noch nie von einem Organhandel der UÇK gehört zu haben. Eine Lüge oder Omertà ?

Beim lesen des Berichts ist es schwierig zu verstehen, wie jemand wie Bernhard Kourchner – Hauptvorsitzender der MINUK zwischen September 1999 und Januar 2001 -  die Existenz des Organhandels direkt nach dem Krieg ignorieren konnte. Die Verbrechen finden sich schließlich schwarz auf weiß in den Dokumenten, die 2003 von seiner eigenen Organisation veröffentlicht wurden. Und dennoch reagierte der mystische ehemalige French Doctor auf die Frage von Voice of America, was sich damals in besagtem gelben Haus" in Burrel abgespielt hat mit einem verächtlichen Lächeln: Was soll das sein: gelbe Häuser? Welche gelben Häuser? Sie können das überprüfen, es gab dort keine gelben Häuser. Es hat keinen Organhandel gegeben. Die Menschen, die dies behaupten sind gemein und sie sind die Mörder!"   

Bernard Kouchner auf seinem Trip.

Du hast gerade das zweite Kapitel unserer Reihe gelesen, die den Spuren des Organhandels im Kosovo nachgeht. Lies in den folgenden Wochen exklusiv hier bei Cafébabel, wie es weiter geht im Thriller um Organhandel, dem Kosovokrieg und den Menschen, die dahinter steckten. Für mehr Informationen klicke hier