Gesellschaft

Jordi Porta: 'Heute sprechen viel mehr Menschen katalanisch als dänisch.'

Artikel veröffentlicht am 10. September 2007
Artikel veröffentlicht am 10. September 2007
Am 11. September feiert Katalonien seinen Nationalfeiertag, in der Erwartung, weitere legislative Kompetenzen vom spanischen Zentralstaat zugestanden zu bekommen.

Acht Millionen Menschen sprechen katalanisch. Noch mehr verstehen die Sprache. Und das nicht nur in Spanien, sondern auch im Süden Frankreichs bis hin zur italienischen Insel Cerdena. Im Rahmen der diesjährigen Frankfurter Buchmesse wird die katalanische Literatur einen Ehrenplatz einnehmen.

Jordi Porta ist Vorsitzender der kulturellen Gruppe Omnium, einer Pionier-Vereinigung, die 1961 während der frankistischen Schreckensherrschaft mit dem Ziel, die katalanische Sprache zu verbreiten, zu normalisieren und zu ihrer Kultur und nationalen Identität beizutragen, gegründet wurde. Jordi Porta über den Status des Katalanischen in Europa.

Ist die katalanische Sprache die Seele des katalanischen Volkes?

Allerdings. In anderen nationalen Realitäten besitzt Sprache nicht den Stellenwert, der ihr in Katalonien und den katalanischen Ländern beigemessen wird – zu diesen Regionen und Ländern zählen das französische Roussillon, Andorra, Katalonien, die Balearen und Valencia. Katalanisch ist für uns die Basis unserer kollektiven Persönlichkeit.

Welche Ziele haben Sie derzeit?

Die konkreten Programme, in denen sich unsere Gründerziele verwirklichen lassen, hängen natürlich von den jeweiligen Umständen ab. Grundsätzlich widmen wir uns der Förderung und Verbreitung unseres kulturellen Schaffens, zum Beispiel durch Preisverleihungen und literarische Veranstaltungen. Daneben sehen wir momentan unsere Herausforderung im Bereich der Migration und der kulturellen Industrie: Dieser Markt ist der Schlüssel jeder kulturellen Verbreitung.

Glauben Sie, dass die EU europäische Minderheiten ausreichend unterstützt?

Die Grundpfeiler, auf denen die EU aufbaut, waren die bestehenden nationalen Staatsgrenzen, was vermutlich die einzig sinnvolle Entscheidung war und als solche auch nachvollziehbar ist. Allerdings ist die Karte der europäischen Nationalstaaten nicht deckungsgleich mit der Karte europäischer Kulturen und Nationen. Bekannte Fälle sind beispielsweise Belgien oder Großbritannien. Hinzu kommt, dass es gerade in Bezug auf Sprachen einige Fälle in Europa gibt, in denen Sprachen, die von vielen Menschen gesprochen werden, aus politischen Gründen zu Minderheitensprachen erklärt wurden: So gibt es mehr Menschen in Europa, die katalanisch sprechen, als Menschen, die beispielsweise die dänische, finnische, norwegische oder maltesische Sprache beherrschen.

Es gibt viele katalanisch sprechende Menschen, die im Ausland leben. Welche Verbindungen pflegt Omnium zu ihnen?

Derzeit wenige. Trotzdem oder gerade deshalb ist es eines unserer grundsätzlichen Ziele, solche Verbindungen zu verbessern, beziehungsweise. durch den verstärkten Austauch von Dozenten und universitären Lehrstühlen neue Beziehungen aufzubauen. Hilfreich hierbei sind natürlich auch die kulturellen Zentren, die so genannten „casals“, die bereits in vielen Ländern weltweit existieren.

Glauben Sie, dass Katalonien eines Tages als unabhängiger Staat in der EU bestehen könnte?

So etwas ist nach heutiger Verfassung nicht möglich, einzige Ausnahme: Alle 27 europäischen Staaten würden dem zustimmenh. Und das ist sehr unwahrscheinlich.