Gesellschaft

Italien ist keine Niete

Artikel veröffentlicht am 31. März 2008
Im Magazin veröffentlicht
Artikel veröffentlicht am 31. März 2008
Keiner soll sich über Italien lustig machen. Italienische Persönlichkeiten von Luisa Corrado bis Lapo Elkann geben dem 'Stiefel' allen Problemen zum Trotz neue Kraft.

Päpstlicher als der Papst: Es gibt viele Europäer, die sich über die politische Instabilität und die wirtschaftliche Kraftlosigkeit Italiens lustig machen. Vor allem Länder, die in den vergangenen Jahren ein stabiles Wachstum hatten, wie Spanien, Griechenland, Tschechien oder Irland. Sie vergessen, dass Italien weiterhin ein Nettobeitragszahler für den Finanzhaushalt der EU ist und dass, wenn sie sich mit der Stiefelhalbinsel vergleichen, sie es deshalb tun, weil sie schon immer danach streben, den Entwicklungsstand Italiens zu erreichen. Die aktuellen Berichte vom Müll-Chaos in Neapel oder die Handgreiflichkeiten unter Abgeordneten im Parlament sprechen nicht gerade für ein Land, das sich pudelwohl fühlt. Doch es gibt Personen und Projekte, die Italien nachwievor in einem guten Licht dastehen lassen.

Luisa Corrado: Glücksfängerin

Am 11. März hat die EU die diesjährigen fünf Marie-Curie-Preise vergeben, die mit den Nobelpreisen für Wissenschaft auf europäischer Ebene vergleichbar sind. Unter den Ausgezeichneten sind zwei Italiener. Eine von ihnen ist Luisa Corrado, Professorin an der römischen Universität Tor Vergata und Forscherin in Cambridge. Sie gewann den Preis für ihre Forschungen zum Zusammenhang zwischen Reichtum und persönlicher Zufriedenheit. Darin zeigt sie, dass das zentrale Element des Glücks nicht der Reichtum ist, sondern "das Vertrauen in öffentliche Einrichtungen, die Gesetze und Werte des eigenen Landes." Nach dieser Einteilung belegt Italien natürlich die hinteren Plätze. Andrea Ferrari, der zweite ausgezeichnete Italiener, hat den Preis für seine Forschungen über ultradünne Kohlenstoffbeschichtungen bekommen, die auf dem Gebiet der Verbraucherelektronik verwendet werden.

Emma Marcegaglia: Frauen an die Macht!

Italien bewegt sich. Am 13. März hat der wichtigste Unternehmerverband Italiens mit dem Namen Confindustria mit 95 Prozent aller abgegebenen Stimmen eine Frau an die Spitze dieser einflussreichen Organisation gewählt. Damit gehört Italien zu den wenigen Ländern der Erde, wie zum Beispiel Frankreich, in denen ebenfalls eine Frau Präsidentin eines Unternehmerverbandes ist. Die 42-jährige Emma Marcegaglia ist Geschäftsführerin eines Familienunternehmens in der Stahlbranche und folgt dem legendären Luca Cordero de Montezemolo (Präsident des allmächtigen FIAT-Konzerns). Ein Meilenstein in der fast hundertjährigen Geschichte der Confindustria.

Modepapst Roberto Cavalli

Versace, Armani oder Ferragamo sind bekannte italienische Marken, die angesichts des frischgekrönten Fürsten der italienischen Mode allerdings etwas zerknittert aussehen. Der 67-jährige Florentiner Roberto Cavalli nennt ein Unternehmen sein eigen, das seinen Schatten überall auf der Welt wirft. Dank seiner Mischung aus Kunst und Popkultur ist er einer der einflussreichsten Stilisten inmitten der Kulissen der berühmtesten Künstler des Planeten. Zurzeit ist er verantwortlich für die Welttournee-Outfits der kürzlich wiedervereinten Spice Girls. Zuvor hatte er mit Christina Aguilera oder Shakira zusammengearbeitet. Auch der U2-Sänger Bono, Jennifer Lopez, Sting oder Cher hüllen sich in Cavalli. Weit davon entfernt, sich den Gesetzen der Modewelt anzupassen, besitzt der Meister außerdem Wodka- und Parfümlabels.

Lapo Elkann und der FIAT-Konzern: Man lebt nur einmal

Im Jahr 2005 rechnete keiner mehr mit dem Automobilgiganten FIAT, nachdem dieser fünf Jahre lang rote Zahlen geschrieben hatte und eine Familie an der Spitze der Firma steht, in der ein Begräbnis auf das nächste folgte und die mit Drogengeschichten die Spalten der Klatschpresse füllte. Alle Fachzeitungen sprachen vom Ende einer Ära und dem Verkauf der Gruppe. Allerdings ist der FIAT-Phönix aus der Ache auferstanden und möchte wieder fliegen. Er fährt wieder Gewinne ein und hat diese 2007 sogar verdoppelt und seinen Marktanteil in Italien (31%) und Europa (8%) - dank neuer Modelle, wie dem wiedererfundenen Fiat 500 - zurückerobert. Nur dank der Neuerungen? Der junge John Elkann Agnelli, ältester Enkel des Patriarchen Gianni Agnelli, der 2003 verstarb, ist der neue 'starke Mann' der Familie im Aufsichtsrat und strebt eine Rückkehr zur Normalität im Rechnungswesen der Gruppe an. Seit 2007 versucht er, den Konzern völlig schuldenfrei zu bekommen. Sein jüngerer Bruder, der 'Widerspenstige' Lapo Elkann, der nach einer Überdosis Betäubungsmittel 2005 ins Koma fiel, ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. FIAT hat vor kurzem eine eigene Luxusdesignlinie vorgestellt: Italia Independent. Elkanns hat 2007 öffentlich bekanntgegeben: "Ich werde der Welt beweisen, dass ich in der Lage bin ein Imperium aufzubauen, auch wenn es 10 oder 20 Jahre dauert." Er wäre nicht der erste Italiener, dem das gelingt und ein wenig von dieser Einstellung könnte jedem einzelnen seiner Landsmänner nicht schaden.