Gesellschaft

Israel National Trail: Geh' bloß nicht über Wasser!

Artikel veröffentlicht am 3. August 2009
Artikel veröffentlicht am 3. August 2009
Auf der kostenlosen, eineinhalb Monate langen Tour des Israel National Trail durchquert man Israel von Nord nach Süd, läuft durch Täler und über Berge, durch Städte, Wüsten und Wälder. Nützliche Tipps, um die Planung zu erleichtern und sich angemessen auf die körperliche Anstrengung vorzubereiten.

Israel ist ein kleines Land. Von einem Ende bis zum anderen sind es nur 470 Kilometer Luftlinie oder ein Tag im Auto. Aufgrund der geographischen Lage am als global infertility line bekannten 25. Breitengrad liegt Israel in verschiedenen Klimazonen und birgt entsprechend facettenreiche Landschaften. Das Land wirkt so oft größer als es ist. Diese Vielfalt war auch der Grund für die Einrichtung eines 940 kilometerlangen Wanderweges, des Israel National Trail (INT), der offiziell in der Wandersaison im Frühling und Herbst 1991 abgesteckt wurde. Etwa 10.000 Leute sind den Pfad bislang komplett abgelaufen, andere haben nur Teile erkundet.

Mach uns nicht den Jesus!

Die Planer des Israel National Trail wollten einen Pfad schaffen, der die Geschichte Israels von den biblischen Anfängen bis heute erzählt. Er führt daher an zahlreichen Stätten vorbei, die eine besondere Bedeutung sowohl für Israelis als auch für Israelfans haben: Christen, Muslime, Juden, Pilger und auch Abenteurer. Die bedeutendsten Stätten entlang des Pfades sind die, an denen wichtige biblische Ereignisse stattfanden. Zu diesen zählen das Elah Tal, in dem David gegen Goliath kämpfte, oder die Felder in der Nähe des Dorfes Zora, auf denen Samson mit den Löwen spielte.

Der Pfad kann in drei Hauptbereiche eingeteilt werden: den Norden und das Zentrum, in denen die am dichtesten besiedelten Gegenden liegen und in denen sich auch westliche Städte finden, und schlussendlich den Süden. Die Route führt allerdings nicht durch die besetzten Gebiete in Judäa und Samaria oder auf die Golanhöhen. Die Wegpunkte wurden im Hinblick auf den politischen Konflikt ausgewählt und bleiben daher innerhalb der Grenzen des israelischen Staates. Die Route ist somit vollkommen sicher. Obwohl man auch in entgegen gesetzter Richtung wandern kann, ist die vorgegebene Richtung die von Nord nach Süd. Der Norden ist ein einfacher und bequemer Startpunkt: eine angenehme Wanderung entlang eines Pfades, der zu vielen Erzählungen herausfordert und Menschen unterschiedlichster Religionszugehörigkeit anzieht. Man sollte aber wirklich nicht versuchen, über das Wasser des Galiläischen Meeres zu gehen: Es funktioniert einfach nicht!

Römische Aquädukte und jüdische Gotteshäuser

Die historischen, römischen Denkmäler entlang der Route, wie zum Beispiel Theater, befestigte Straßen, Wassersysteme und Aquädukte, erwecken ihre alten Bewohner beinahe wieder zum Leben. Die Schlösser und Festungen, die im Mittelalter von Kreuzrittern im Laufe der Eroberungsfeldzüge gebaut wurden und die man vor allem im nördlichen Teil des Landes bestaunen kann, sind besonders beeindruckend. Tel Aviv hingegen ist eine erfrischende und ungewöhnliche Abwechslung. Die Stadt bietet Partys rund um die Uhr und in den Straßen der Stadt reihen sich Kneipen und Cafés aneinander.

Wenn man davon genug hat, ist man bereit für das israelische Flachland, den Schauplatz der biblischen Geschichten. Dort beginnt die Wanderung in Richtung Jerusalem, der Stadt, in der man schließlich sieht und versteht, wovon alle immer sprechen: die Klagemauer, die Al-Aqsa-Moschee und die Geburtskirche im unweit gelegenen Bethlehem.

Wenn man genug Humus gegessen und auch persönlich mit Gott gesprochen hat, geht es weiter Richtung Süden. Dessen Geschichte wird vom Wüstenwind geflüstert, denn der Großteil des Südens Israels besteht aus Wüstengebieten, die in verschiedene Teile gegliedert sind. Der Israel National Trail führt durch die meisten dieser Wüsten und ist für Städter eine kleine Lektion über die Macht der Natur. Das Tote Meer liegt im östlichen Teil der judäischen Wüste, der Wiege des Christentums. Der Willkommensgruß bei ihrem Betreten ist der Übergang vom kühlen Wetter des Hochdruckgebietes in Jerusalem zu einem trockenen und heißen Klima.

Nach der judäischen Wüste erreicht man das größte israelische Wüstengebiet, die Negevwüste. Dort kann man die machteshim sehen (auf Deutsch „Erosionskrater“. A.d.R.): zwei einzigartige natürliche Krater, die man so nur in Israel findet. Von der Negevwüste aus erreicht man die Arava, eine isolierte und fast unbesiedelte Senke an der Grenze zu Jordanien, die zu der Stadt Eilat, der Südspitze Israels führt. Von der Arava aus kann man auch das Timna-Tal sehen, in dem sich angeblich König Salomons Minen befinden sollen. Erst auf dem Gipfel des Berges Zfahot, kurz bevor man in Eilat ankommt, bemerkt man plötzlich, wie mitten in der Wüste das Rote Meer in Erscheinung tritt.

Die Engel des Israel National Trail

Der Israel National Trail ist auch eine besondere soziale Erfahrung. Entlang des Weges stehen die INT Angels, die Bewohner der Dörfer entlang des Pfades bereit, und helfen den Wanderern mit allem, was sie brauchen, ob es Nahrung, Wasser oder ein Unterschlupf für die Nacht ist, aus. Das ist normalerweise kostenlos, es kann aber auch eine symbolische Gebühr von 30 bis 40 Schekel (5 Schekel entsprechen ungefähr einem Euro; A.d.R.) erhoben werden. Die INT Angels sind meistens Bauern, die im Kibbuz leben, einer einzigartigen Siedlungsform, in der Gleichberechtigung praktiziert wird und der Glaube an die Einsiedelei in der Wüste noch lebendig ist.

Dank Regenmangel und heißer Nächte kann man problemlos und sicher unter freiem Himmel oder im Zelt schlafen. Die Wanderung kann aber auch jederzeit beendet werden. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln kehrt man innerhalb von ein paar Stunden nach Tel Aviv zurück, denn, da Israel ein kleines Land ist, liegt hier alles nah beieinander. Außerdem hat man fast überall auf dem Pfad Handyempfang. Einige der Nationalparks am Weg verlangen eine Eintrittsgebühr von etwa 15 Schekel (etwa 3 Euro), ansonsten muss nur für Essen und Getränke bezahlt werden. Und keine Angst vor dem Alleinsein! Es gibt zahlreiche soziale Netzwerke, in denen man einen Begleiter für seine Tour finden kann. Bis bald in Israel!