Gesellschaft

Isabel Soares: Hässliche Früchte für schöne Menschen

Artikel veröffentlicht am 9. Dezember 2015
Artikel veröffentlicht am 9. Dezember 2015

Sogar schöne Menschen können hässliche Früchte essen. So lautet das Motto von Isabel Soares, einer jungen Umweltingenieurin aus Portugal. Sie will Lebensmittelverschwendung aus ästhetischen Gründen eindämmen. Ihr Projekt „Fruta Feia“ feiert erst seinen 2. Geburtstag, doch in den Köpfen der Leute ist die Idee schon gereift.

Die 33-jährige Umweltingenieurin Isabel Soares, ursprünglich aus Lissabon, hatte die Idee zu Fruta Feia, einer Initiative, die sich dem Kampf gegen weggeworfene Nahrungsmittel in Portugal verschrieben hat.

Im Jahr 2013 lebte Isabel in Barcelona und entdeckte eine Reihe interessanter Reportagen zum Thema Lebensmittelverschwendung in Europa. Die Zahlen überwältigten sie. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, war ihr Onkel, ein portugiesischer Landwirt, der ihr anvertraute, dass er 40% seiner „leckeren Birnen“ wegwerfen musste, weil sie nicht der herkömmlichen Norm, sprich dem Birnen-„Schönheitsideal“, entsprachen. Daraufhin beschloss Isabel, der Verschwendung Einhalt zu gebieten.  

Ihre Idee hat immer mehr Form angenommen. Nach zweijähriger Existenz läuft ihr Projekt auf Hochtouren. Die gemeinnützige Kooperative, die Isabel mit zwei Freundinnen gegründet hat, trägt den Namen Fruta Feia. Ihr Slogan ist einprägsam und spricht an: „Schöne Menschen essen hässliche Früchte“. Gleiches gilt für die Funktionsweise von Fruta Feia.  Die Erzeugnisse, die Bauern aufgrund optischer Makel wie Verformungen und Flecken nicht verkaufen können, werden bei Fruta Feia vertrieben. Die Käufer schätzen die Frische, die Qualität und den guten Preis der lokalen Produkte. „Fruta Feia ist eine Kooperative, die sich mit einem Problem auseinandersetzt, das nicht nur Portugal, sondern alle Länder in Europa betrifft.“, erklärt die Initiatorin. 

In Hinblick auf die UN-Klimakonferenz schlägt Isabel vor: „Mehr Debatten über die Notwendigkeit gesetzlicher Bestimmungen zum Aussehen von Gemüse und Früchten, die von der nationalen und europäischen Gesetzgebung oder von Unternehmen und Supermärkten vorgegeben werden, zu führen – das würde uns sehr freuen.“

Mit der Hilfe von 45 Landwirten und 800 treuen Kunden und Mitgliedern des Vereins hat Fruta Feia in zwei Jahren bereits 168 Tonnen Lebensmittel gerettet. Ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis, das am Anfang niemand zu träumen gewagt hätte und das Fruta Feia ermutigt, weiter zu machen und seine Bemühungen in anderen portugiesischen Städten, vielleicht sogar in anderen Ländern, auszuweiten. 

Isabel erzählt stolz von den Fortschritten ihres Projekts. Sie ist davon überzeugt, dass ihre Kooperative allen Beteiligten zu Gute kommt: „Die Bauern erzielen Gewinne, weil sie ihre Produktivität erhöhen und weil sie über einen neuen Absatzmarkt verfügen, der ihnen ihre Früchte und Gemüsesorten, die eigentlich für den Mülleimer bestimmt waren, abnimmt. Die Verbraucher haben die Möglichkeit frische und lokale Früchte zu einem niedrigen Preis zu erwerben. Der Planet profitiert auch davon, weil mit Ressourcen acht- und sparsamer umgegangen wird und weil weniger Gase von verfaulenden Lebensmitteln ausgestoßen werden. 

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Dieses Porträt ist Teil unseres cafébabel-Projekts #21faces im Rahmen der Weltklimakonferenz COP21 in Paris.