Gesellschaft

Hospitalityclub: Urlaub auf dem Sofa

Artikel veröffentlicht am 21. Juni 2007
Artikel veröffentlicht am 21. Juni 2007
Die Hospitalityclub-Website ist eine Art "MySpace für Rucksacktouristen". Wer sich einschreibt, kann an allen vier Enden des Kontinents gratis übernachten.

Detailliertes Profil. Angabe der Interessen. Ausbildung und Beruf. Alter, Beschreibung und Foto. Auf Hospitalityclub.org findet sich alles, was zu einer richtigen Internetseite, oder sogar Kontaktbörse im Web 2.0 gehört. Im Jahr 2002 gründete ein junger deutscher Student die Seite und seitdem wächst und gedeiht die Idee stetig. Dabei profitiert die Webseite von der Popularität des Internets und vom Aufschwung der Billigflieger in Europa, vom Ausbau der universitären Austauschprogramme (Erasmus) und natürlich auch vom Wegfall der Grenzen im Schengener Raum.

Inzwischen sind 280 000 Personen zwischen 17 und 77 Jahren Mitglied im virtuellen "Hospitalityclub" und können Durchreisende bei sich aufnehmen oder sich selbst bei Privatpersonen einquartieren. Gratis!. In Deutschland gibt es inzwischen mit insgesamt rund 51 000 die meisten Anhänger und auch in den zentraleuropäischen und östlicher gelegenen Ländern ist ein dynamisches Wachstum zu verzeichnen.

Fern von Konzepten konventioneller Reiseanbieter oder All-Inclusive-Reisen, erobert die neue Philosophie des "Couch-Surfing" die Jugend des europäischen Kontinents: im Moment müssen die neuen Mitglieder des Hospitalityclubs sich sogar einige Tage gedulden, bevor ihr Account freigeschaltet und sie aktiv werden können.

Die Welt als Gast zu Hause

Bei Hospitalityclub geht es darum, Europäer untereinander durch Reisen und Entdeckungen näherzubringen. So sagt der 24-jährige Piotr aus Polen: "Ich war zum Beispiel überrascht, als ich hörte, dass mein mexikanischer Gastgeber sowohl seine französische Freundin, einige Iren als auch mich selbst mit dem Wort 'Europäer' bezeichnete!"

Fabien (22) studiert in Paris und kann gar nicht aufhören, den Hospitalityclub zu loben: "So habe ich die Möglichkeit die Welt bei mir zu Gast zu haben, ohne mich vom Fleck bewegen zu müssen. Gleichzeitig bietet mir Hospitalityclub die Möglichkeit, auch mit einem knappen Budget durch die Welt zu reisen."

Die Prozedur ist einfach: Um im Hospitalityclub Mitglied zu werden, reicht es, sich ein Profil auf der Seite anzulegen, eigene Interessen und Hobbies seine letzten Reisen und den Heimatort anzugeben; und natürlich, ob man bereit ist, Fremden ein Bett für die Nacht zu gewähren. Dieses letzte Kriterium ist aber nicht verpflichtend.

Vertrauen auf Freiwilligenbasis

Die gesammelten Informationen werden von einer Gruppe von Freiwilligen überprüft, die das neue Mitgliedsprofil anschließend freischalten, sofern es mit der Philosophie der Web-Community übereinstimmt. Einmal freigegeben, können die Mitglieder untereinander über ein Nachrichtensystem kommunizieren und sich über Übernachtungsmöglichkeiten in den anvisierten Orten austauschen.

Wenn ein Mitglied auf ein anderes Mitglied trifft, wird eine positive oder negative Bewertung über den Gastgeber abgegeben. Diese Einschätzungen können Nutzern in der Auswahl eines zukünftigen Gastgebers hilfreich sein. Die gesamte Seite wird von Freiwilligen verwaltet, ist unentgeltlich und basiert auf gegenseitigem Vertrauen. "Natürlich herrscht bei jedem neuen Mitglied teilweise Ungewissheit", sagt Christian, halb Franzose, halb Schwede. "Es ist nicht zu vermeiden, dass sich auch Personen einschreiben, um persönlichere Kontakte wie etwa beim Speed-Dating zu knüpfen", fügt er hinzu.

Das Passende mit einem Klick

Obwohl es laut den Mitgliedern nicht der Regel entspricht, können auch Enttäuschungen entstehen, erinnert sich Elena: "In Litauen habe ich bei einem 30-Jährigen gewohnt, der Hippie war und in einer Art Bruchbude hauste. Ich mochte ihn als Mensch, aber ich bin mir sicher, dass so ein Gastgeber nicht bei jedermann auf große Gegenliebe stößt." Diana erklärt, dass es aus ihrer Sicht ganz wichtig sei, den Gastgeber gut auszuwählen, "auch wenn es schwierig ist nach ein paar Klicks schon zu sagen, ob man menschlich zusammenpasst."

In dieser Marktlücke, 'der Gastfreundschaft ohne Grenzen', gibt es für Hospitalityclub mit dem amerikanischen Anbieter couch-surfing.com einen ernsthaften Konkurrenten. "Es mag richtig sein, dass zwischen beiden Clubs eine Art Rivalität herrscht", meint Christian. Aber Hospitalityclub hat "in Europa viel mehr Mitglieder und deckt eine größere Zielgruppe ab, als nur die Rucksacktouristen. Die Mitglieder dieser Community sind weit vom Klischee der Hippies, Tramper oder anderen Reisewütigen entfernt. Die Hospitalityclubber schätzen es, in Europa anders leben zu können; auf neuen Pfaden und weit entfernt von unpersönlicher Hotelatmosphäre. Sie überlassen neue Bekanntschaften gern dem Zufall.

Ich habe den perfekten Touristen getroffen

Wer sind die beliebtesten Touristen? Um eine Antwort auf diese knifflige Frage zu finden, hat der europäische Tourismusanbieter Expedia eine Umfrage unter 15000 Hoteliers in 12 Ländern durchgeführt.

Einstimmig haben die befragten Hoteliers und Restaurantbesitzer die Japaner an die Spitze der beliebtesten Touristen gewählt. Die Japaner sind definitiv die idealen Touristen, gefolgt von den Amerikanern und den Schweizern. Die essentiellen Kriterien, um der Führungsspitze anzugehören? Bemühungen, die Sprache des Reiselandes zu sprechen, sind gern gesehen. Außerdem kommt es gut an, die lokalen Spezialitäten zu probieren und großzügig Trinkgeld zu geben, wie es die Amerikaner handhaben.Russen und Briten sind ihnen dicht auf den Fersen.

Das komplette Gegenteil davon ist wohl der deutsche Pfennigfuchser, dicht gefolgt von den Chinesen und den Franzosen. Arme Franzosen? Den befragten Experten zufolge sind sie die "schlimmsten Touristen" der Welt. Der Grund dafür: ihre Unfreundlichkeit, ihre Arroganz und die Tatsache, dass sie sich ständig über alles beschweren. Ein anderes Umfragekriterium betraf die Kleidung. Die elegantesten Touristen kommen aus Italien, gefolgt von den Franzosen und den Spaniern. Die mediterrane "Klasse" unter sich. Was das Outfit der großzügigen Amerikaner und Briten angeht, kommen sie in diesem Bereich wesentlich schlechter weg: Ist der Grund dafür vielleicht die berühmt-berüchtigte Birkenstock-Sandale, die zwar bequem aber weniger schick ist? No comment.