Gesellschaft

Højskole, Alternativschule made in Dänemark

Artikel veröffentlicht am 9. Oktober 2009
Artikel veröffentlicht am 9. Oktober 2009
Keine Prüfungen, ein auf jeden Studenten speziell abgestimmter Lernrhythmus, ein frei einteilbarer Stundenplan: Die sogenannten Højskolen bieten Bildung fernab von Konkurrenz, Leistungsdruck und Abschlussprüfungen. So sollen die Schüler ihre Kreativität entfalten und in der Gemeinschaft leben lernen.

Als ich Ole Dedenroth, den Leiter der Højskole im dänischen Bredenrup frage, was das Wort „Højskole“ eigentlich bedeutet, bricht er in Lachen aus und stellt seine Kaffeetasse erst einmal auf dem Sattel seines Fahrrades ab. Mit seinem Finger schreibt er an die Wand: „inspiriert werden“. Dann dreht er sich noch einmal um und fügt „sich inspirieren“ hinzu. Seiner Meinung nach wird Schule viel zu sehr mit Verpflichtungen in Verbindung gebracht. Natürlich ist es das Recht und die Pflicht einer Schule, für jedermann offenzustehen. Aber warum kann Schule allgemein nicht mit Spaß assoziiert werden? „In einer ‘Højskole’“, erklärt Ole, „beschäftigt sich der Schüler mit dem Stoff, an dem er interessiert ist, man lernt das, was man wissen möchte. Wir setzen unseren Schülern kein vorgefertigtes Wissen vor, aber wir bringen ihnen bei, wie sie Antworten auf ihre Fragen suchen und finden können.“ 

Foto: Xavier Cros

Utopisch? Ganz und gar nicht! Dennoch ist das Konzept der « Højskole » eine dänische Besonderheit. Seit ihrer Gründung im 19. Jahrhundert durch Bischof Grundtvig stützen sich die Schulen auf das Prinzip des „Lernens durch Dialog und soziale Interaktion“. Ein Abschluss wird nicht gemacht, um Karriere zu machen. Vielmehr herrscht die Vorstellung, schon „das Leben“ allein ermögliche den Erwerb neuer Kompetenzen und fördere das Menschwerden und die persönliche Entwicklung in der Gemeinschaft. Jeder Mensch lerne die Werte der Demokratie und der Gleichheit zu begreifen und auch im Alltag kreativ zu sein und werde so zum Gestalter seines Lebens. Wir alle lernen voneinander. 

Auf dem Stundenplan steht…

In jeder « Højskole » setzt sich der Unterricht aus speziellen, meist künstlerischen Fächern zusammen. In Brenderup können die Studenten beispielsweise zwischen mehreren Grundfächern wie Folkloremusik, internationale Beziehungen, Dänisch oder Kunst wählen. Darüber hinaus werden weitere Zusatzfächer angeboten, häufig sind das Dänisch oder Englisch-Grundkurse, Diskussionsworkshops, Design von Recyclingprodukten oder Töpferkurse. All diese Fächer sind berufsbezogen. Aber natürlich gibt es auch Tage, an denen sich die Studenten mit Ernährungswissenschaften oder „Liebe und Verhütung“ befassen können. Wöchentliche Workshops zur Interkulturalität ergänzen das Programm. Außerdem nimmt jeder Student an sportlichen Aktivitäten wie Fußball, Volleyball, Badminton etc. teil oder organisiert diese sogar eigenständig.

Recht auf Fehler

Foto: Xavier CrosDas Mindestalter, um sich an einer Højskole einschreiben zu können, beträgt 17 Jahre. Außerdem sollte man mindestens eine Sprache sprechen, in der man mit den anderen kommunizieren kann, also entweder Dänisch oder Englisch, Deutsch ist weniger gefragt. Die Schule steht Menschen aller Nationalitäten offen, die Mehrheit der Studierenden soll jedoch aus Dänemark oder Grönland stammen. Für nicht europäische Studierende genügt die Einschreibung an einer Højskole zur Beantragung eines Studentenvisums. Obwohl die Højskolen private Schulen sind werden sie über Stipendien oder Direktzahlungen vom Staat teilfinanziert. Das Durchschnittsalter der Studierenden beträgt 24 Jahre, die Dauer des Aufenthalts kann zwischen 4 und 10 Monaten liegen.

...zwischen Schule und Studium erst einmal ein Jahr Pause machen!

Da ist zum Beispiel die 19-jährige Anne-Marie as Deutschland. Warum sie vier Monate in Dänemark an einer Højskole verbringt? „Ich habe im Juli Abitur gemacht und wollte zwischen Schule und Studium erst einmal ein Jahr Pause machen, wie es in Deutschland sehr üblich ist. Deswegen bin ich jetzt hier.“ Sigmar, 17 Jahre, kommt ursprünglich aus Island. Auf die gleiche Frage antwortet er: „Nach dem Abitur habe ich mich gefragt, ob ich wirklich auf die Kunsthochschule gehen möchte. Ich war mir nicht mehr sicher, ob es das ist, was ich später einmal machen will. Deswegen habe ich mich entschieden, vier Monate hier an die Højskole zu kommen, um herauszufinden, ob die Kunst wirklich etwas für mich ist.“ Und der mit 27 Jahren älteste Student an der Højskole, Marco aus Mexiko, antwortet: „Hier hast du die Möglichkeit, deine eigenen Ideen und Projekte zu entwickeln. Und das Recht, auch mal einen Fehler zu machen.“