Gesellschaft

Heiße Nächte in Thailand

Artikel veröffentlicht am 11. Januar 2008
Artikel veröffentlicht am 11. Januar 2008
Die belebten Straßen von Bangkok verbergen die harte Realität der jungen Prostituierten. Die Mädchen versuchen im täglichen Sex-Geschäft zu überleben und träumen von Europa.

Nichts für zarte Gemüter. Die Leuchtreklamen von Bangkok flackern und verweisen auf die grellen Farben der Straßenlokale. Hinter den getönten Fensterscheiben des 'Soi Cowboy' bietet sich eine wahrhaftige Show: Junge, leicht bekleidete Thailänderinnen versuchen im Rhythmus des letzten Hits von Britney Spears die Gäste aus dem Westen zu ködern. Manche benutzen unglaubliche Hilfsmittel, um ihre "Sex-Show" aufzupeppen.

Ein deutscher Tourist hat soeben ein Mädchen ausgewählt und lädt es auf einen Drink ein, unter den wachsamen Augen ihrer Vorgesetzten. Die beiden werden im Bett landen, wenn der Europäer - der "Farang", wie er in Thailand genannt wird - das junge Mädchen mit ein paar Geldscheinen von ihren Verpflichtungen in der Bar auslöst. Diese Zahlung, der "Bar fine", kommt zum Gehalt hinzu, das die Mädchen im Viertel Soi Cowboy verdienen: 100 Euro im Monat, dazu die Provision auf die Getränke, die von ihren Kunden bestellt wurden. Ein Verdienst, der nicht ausreicht, um in Bangkok zu überleben.

Das kleine Gehalt ist besser als nichts: Andere Etablissements beschäftigen nur Frauen in freier Mitarbeit. Für die meisten Mädchen, die erst vor kurzem aus den nördlichen Provinzen nach Bangkok gekommen sind, hängt die Bezahlung von der Menge des Alkohols ab, die sie ihren Kunden eintrichtern konnten.

Die 'Chefs' zeigen sich oftmals unerbittlich mit ihren Beschäftigten und bestrafen sie finanziell, wenn der Kunde den "Bar Fine" nicht entrichten will. Ein Stück die Straße hinunter lassen sich Prostituierte, oftmals Transsexuelle, von bierbäuchigen Vierzigjährigen in Achsel-Shirts und Strandschuhen heranwinken.

Das Geschäft mit der Liebe

Nana Plaza, Patpong, Pattaya, Phuket - diese Namen bilden das Paradies des Sextourismus, zu dem Thailand in den letzten Jahren geworden ist. Gegenwärtig gibt es im Land mehr als 200.000 Menschen, die in der Branche tätig sind. Manche gehen sogar von einer Million aus. Die Unterhaltungsindustrie, die diese Menschen beschäftigt, entsprach im Jahr 2003 3 Prozent der thailändischen Volkswirtschaft.

Auch wenn die Sextouristen aus dem Westen an eine ganze Legion erinnern, stellen sie dennoch nur 10 Prozent der Nachfrage in der Prostitution. In der großen Überzahl befinden sich Japaner, Chinesen und andere Asiaten.

Khoy ist etwa dreißig Jahre alt und kommt aus einer ländlichen Region im Nordosten des Landes. Im Alter von sechzehn Jahren begann sie in einem Pseudo-Massagesalon einer Bekannten in Pattaya zu arbeiten. Dort traf sie einen Kunden, mit dem sie über zehn Jahre lang eine Brieffreundschaft führte. "Jules" aus Europa schickte ihr jeden Monat Geld. Aber da es nicht ausreichte, um die wichtigsten Ausgaben zu decken, "massierte" sie weiterhin andere Touristen.

Ihr "Boyfriend", der von ihrer Situation wusste, kam sie zwei bis drei Mal im Jahr besuchen. Dann trennten sie sich. Sie kehrte in ihre Provinz zurück, heiratete einen Thailänder. Später ging sie zurück in den Süden, um in dem Salon zu arbeiten, der sie zuvor beschäftigt hatte. Eines schönen Tages traf sie "Jules" wieder. Er lud sie ein, ihn nach Phuket zu begleiten. Seitdem sind sie wieder zusammen. Märchen, Täuschungsmanöver oder Broterwerb?

Wie Khoy ergeht es tausenden jungen Thailänderinnen, die sich diesem Spiel hingeben. Manche wandern in das westliche Herkunftsland des verliebten Mannes aus. Ein Traum, der oft nach vielen Enttäuschungen und Trennungen platzt.

Illegale Prostitution

Das älteste Gewerbe der Welt erfuhr in den sechziger Jahren einen neuen Aufschwung, als die damalige thailändische Regierung vor allem in Bangkok "Pausen- und Erholungszonen" einrichtete, in dem sich die in Thailand stationierten amerikanischen "Marines" von ihrem Alltag erholen sollten. Seitdem haben die Touristen das Militär abgelöst. Seit 2001 ist die Prostitution offiziell illegal. "Sex-Shows" dürfen nur in ausschließlich zu diesem Zweck

genutzten Räumlichkeiten stattfinden, die um zwei Uhr morgens schließen müssen.

Diejenigen, die mit Prostitution ihr Geld verdienen, kämpfen um eine Anerkennung ihres Status' und für bessere Arbeitsbedingungen. Von einem Sieg sind sie noch weit entfernt. Aber in diesem undurchsichtigen und äußert lukrativen Milieu, in dem viele Europäer die Rolle von Chef und Kunden spielen, ist die Arbeit hart. Ein Mitglied der Stiftung "Empower", die sich für die Anerkennung der Rechte von Beschäftigten in der thailändischen Sex-Branche einsetzt, erzählt: "Der Blick, mit dem die Gesellschaft mich betrachtet, ist mir egal. Ich mache meine Arbeit. Das ist alles. Ich verlange nichts Unmögliches - ich will nur, dass man mich bei der Arbeit anständig behandelt, einen freien Tag im Monat und eine Sozialversicherung."

Fotos: Doku über Sextourismus von Jordan Clark; GalerieDavidCrown/flickr; Homepage: stygiangloom/flickr)