Gesellschaft

Gianluca Costantinis "8 km": Wovon nur der Comic erzählen kann

Artikel veröffentlicht am 26. Februar 2010
Artikel veröffentlicht am 26. Februar 2010
Der afghanische Junge Zaher Rezai war im Grunde bereits am Ziel seiner langen und gefährlichen Reise angekommen, als er sein Leben lassen musste. Der italienische Zeichner Gianluca Costantini erzählt nun seine tragische Geschichte in dem Comic „8 km“.

Zaher Rezai verließ Afghanistan, seine Heimatstadt Mazar-i Sharif, nach dem Massaker an den Hazara im Jahr 1998. Seine Flucht führte ihn zuerst in den Iran, wo er als Schweißer arbeitete. Als er das nötige Kleingeld für die Weiterreise beisammen hatte, ging es zunächst über die Türkei nach Patras, von wo er sich nach Venedig einschiffen lassen wollte. Um sich vor der italienischen Grenzpolizei zu verstecken, welche illegale Flüchtlinge oft umgehend ausweist, bindet er sich unter einem Lastwagen fest.

von Gianluca Costantini

Mehrere Kilometer schaffte er es so als blinder Passagier am Fahrzeuggestell des LKW geklammert mitzufahren. Als der Lastwagen vor einer roten Ampel hielt und erneut losfuhr, wurde Zaher überrollt. Es war der 10. Dezember 2008. Den Dokumenten zufolge, die Zaher bei sich trug, war er erst 13 Jahre alt. Medizinische Untersuchungen ergaben jedoch, dass er bereits 18 Jahre alt gewesen sein musste. Die Geschichte von Zaher Rezai ist aufgrund des Notizbuches, dass der Junge bei sich trug und in dem er Gedichte und Zeichnungen festhielt, in Erinnerung geblieben. Seine Gedichte wurden von Hamed Mohamad Karim und Francesca Grisot ins Italienische übertragen.

von Gianluca Costantini

Gianluca Costantini hat nun die Geschichte Zahers in dem Werk “8 km” illustriert. Zuvor hatte der italienische Zeichner sich bereits durch einige Bücher und die Zusammenarbeit mit Zeitungen und Zeitschriften international einen Namen gemacht. Seiner Meinung zufolge ist der Comic das effizienteste Mittel, um die Realität wiederzugeben: “Alle anderen Mittel der Kommunikation, vom Foto bis hin zum Fernsehen, sind immer ein bisschen falsch oder fälschbar.“ Als aufmerksamer Kenner der europäischen Underground-Comic-Szene ist er sich aber durchaus bewusst, wie schwierig es als Künstler ist, Europa abzubilden: „Die Europäische Union ist noch etwas sehr Abstraktes im Leben von uns allen, die EU ist nur schwer greifbar. Von Deutschland oder Frankreich zu erzählen ist einfach, aber beide Länder in einer Geschichte wiederzugeben und von Europa zu sprechen, das ist schwierig. Aber vielleicht muss man nur die richtige Geschichte, den richtigen Gedanken finden.“

von Gianluca Costantini

Illustrationen: ©Gianluca Costantini