Gesellschaft

Gegen nicht-lateinische Schriftzeichen für Internet-Domainnamen

Artikel veröffentlicht am 30. Oktober 2009
Artikel veröffentlicht am 30. Oktober 2009
Die ICANN, internationaler Vorstand der Internet-Adressverwaltung, hat kürzlich bekannt gegeben, dass Domainnamen sich zukünftig aus über 100.000 verschiedenen Schriftzeichen zusammensetzen können. Ein schönes Symbol für die Multipolarität, aber ein Schritt zurück in der Völkerkommunikation.

Seit geraumer Zeit müssen sich die Europäer oder ganz allgemein die westlichen Völker mit der Idee ihres zunehmenden Machtverlusts in der Welt abfinden. Das letzte Beispiel dafür war der G20-Gipfel in London anstatt eines G8-Gipfels. Aber auch wenn der G20 eine gute Nachricht für eine vereintere Welt darstellte - die Neuigkeiten seitens der ICANN könnten diese Annäherung ins Wanken bringen!

Die größte technische Veränderung im Internet seit seiner Geburtsstunde vor vierzig Jahren!

Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers, eine US-amerikanische NGO und Verwaltung der Top-Level-Domains, hat kürzlich entschieden, dass ab dem 16. November 2009 auch nicht-lateinische Schriftzeichen für Internet-Domains genutzt werden dürfen. Im Klartext: Morgen können anstatt der heute 37 erlaubten Buchstaben über 100.000 Schriftzeichen verwendet werden. Vom Arabischen, über das Chinesische oder die zahlreichen Sonderzeichen im Französischen und Umlaute im Deutschen - da ist für jeden Sprachfanatiker etwas dabei. Dem ICANN-Präsidenten, Peter Dengate Thrush, zufolge handele es sich um „die größte technische Veränderung im Internet seit seiner Geburtsstunde vor vierzig Jahren.“

Die Marketingstrategie der ICANN ist allerdings trügerisch. In einem der Videos spricht einer der Verantwortlichen darüber, dass eine solche Innovation „eine Welt, ein einziges Internet, eine Verbundenheit“ (one world, one Internet, everyone connected) möglich machen wird.

Doch betrachtet man die Sache genauer, wird man schnell feststellen, dass die Öffnung hin zu nicht-lateinischen Schriftzeichen unüberbrückbare Hindernisse zwischen den Individuen dieser Erde hervorrufen wird. Es scheint undenkbar, dass der Europäer von morgen mit chinesischen Schriftzeichen jongliert. Sicher, es handelt sich um ein nettes Symbol für das gute Gewissen der westlichen Kulturen in Bezug auf die post-koloniale Debatte; die Fadenzieher der multipolarischen Welt stehen dieser Nachricht offen gegenüber und die nationalen Verwaltungseinheiten dürfen sich über einen neuen Markt für ihre „Produkte“ freuen. Die Vorherrschaft der lateinischen Schriftzeichen ermöglichte jedoch eine bessere Kommunikation im Namen des Pragmatismus. Für die Zukunft gilt: Google, Hilfe!

Das ICANN-Video hier ansehen!