Gesellschaft

Fußball: Wenn Schwarze nicht gegen Weiße spielen wollen

Artikel veröffentlicht am 7. Oktober 2009
Artikel veröffentlicht am 7. Oktober 2009
Uff ! Jetzt hattet ihr schon ein wenig Angst, oder? Aber seid versichert, die Information im Titel ist falsch. Alles andere hätte einen handfesten Skandal verursacht. Der richtige Titel dieses Artikels muss indes folgendermaßen lauten: „Ein Fußballclub von Muslimen weigert sich gegen Homosexuelle zu spielen“. Na dann bin ich aber beruhigt, wenn’s weiter nichts ist…

Es tut uns leid Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir aufgrund des Namens Ihres Teams und der Prinzipien unseres eigenen Teams, das hauptsächlich aus praktizierenden Muslimen besteht, leider nicht gegen Sie spielen können. Unsere Überzeugungen sind wichtigere Gesetze als ein simples Fußballspiel. Wir bitten, diese späte Benachrichtigung zu entschuldigen.“ Aufgrund dieser E-Mail wurde in Frankreich seit dem letzten Wochenende eine wahrhaftige Polemik losgetreten. Der Vorstadt-Fußballclub Créteil Bébel, der die E-Mail verfasst hatte, lehnte es ab, in einem Freundschaftsspiel gegen Paris Foot Gay anzutreten, einen französischen Club, der sich gegen Homophobie engagiert. Doch trotz der öffentlichen Debatte, die das diskriminierende Schreiben nach sich zog, beharrten die Verantwortlichen des Clubs mit Nachdruck auf ihrer Meinung und religiösen Prinzipien.

Lasst uns das Szenario nun kurz einmal abändern, indem wir ganz einfach einige Worte der E-Mail austauschen. Was wäre passiert, wenn ein katholischer Fußballclub sich geweigert hätte gegen einen muslimischen Club anzutreten oder umgekehrt? Nach den angebrachten Argumenten wären sowohl Katholiken als auch Muslime in den Augen des jeweils anderen Sünder und würden somit gegen ihre religiösen Prinzipien verstoßen. Oder wäre ein rassistisches Szenario denkbar? Ein Team weißer Spieler tritt gegen eine Mannschaft farbiger Fußballer an. Das Motiv wäre in diesem Fall nicht mehr religiös, sondern käme aus einer (sicherlich zweifelhaften) ideologischen Ecke und wäre durch einen markierten moralischen und kulturellen Relativismus geprägt. Doch auch rassistische Bewegungen, erinnern wir uns, halten sich in einem ganz religiösen Sinne für 'auserwählt'. In Realität würde es jedoch (fast) niemandem in den Sinn kommen, derartig rassistische Erklärungen öffentlich abzugeben, auch wenn die Ideen unglücklicherweise weiterhin existieren. Gesetz und Gesellschaft sind in puncto Rassismus kategorisch: Jede Form von rassistischer oder religiöser Diskriminierung ist strafbar. Bravo!

'Schwul' gilt weiterhin als verbreitete Beleidigung, die in Schulen oder auf Fußballfeldern durchaus häufig verwendet wird.

Aber Gesetz, wie hälst Du’s mit der Homophobie? Die Homosexuellen sind heute noch immer die kleine Schwester, das Anhängsel der Minoritäten. 'Schwul' gilt weiterhin als verbreitete Beleidigung, die in Schulen oder eben auf Fußballfeldern durchaus häufig verwendet wird. Die Gesellschaft toleriert diese Beleidigung in gewissem Maße, während Schimpfworte wie 'Neger', 'Jude' oder 'Kanake' mit einigen traurigen Ausnahmen heutzutage allgemein auf Ablehnung stoßen. Homosexuelle jedoch müssen weiterhin für Beleidigungen herhalten… Das Gesetz bleibt lasch und das nicht nur in Ländern der Dritten Welt: Dafür muss man nur einen Blick auf aktuelle Ereignisse zur Homo-Ehe in Kalifornien oder das Blutspende-Verbot für Homosexuelle in Frankreich blicken. Gleichgeschlechtliche Liebe wird in vielen Ländern der Erde weiterhin als Verbrechen geahndet und mit Gefängnis oder Folter bestraft. Und die internationale Gemeinschaft? Bleibt stumm…

Homophobie ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.

Die verfassungsrechtlichen Prinzipien demokratischer Länder sollten nicht mit Füßen getreten werden: Homophobie ist nicht tolerierbar ebenso wie Rassismus jeglicher Art. Punkt! Die Berufung auf religiöse Prinzipien darf der Homophobie keinen Aufwind verleihen. In der multikulturellen und gesunden Gesellschaft, in der wir heute leben, muss es untersagt sein, einen Menschen aufgrund seiner sexuellen Orientierung auszugrenzen. Müssen wir diese Debatte wieder und wieder führen? Homophobie ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.