Gesellschaft

Foursquare: Ist ein Rabatt meine Freiheit wert?

Artikel veröffentlicht am 9. Dezember 2010
Artikel veröffentlicht am 9. Dezember 2010
In der Welt der sozialen Netzwerke dreht sich nicht alles nur um Facebook. Die Liste der Alternativen zu Mark Zuckerbergs gigantischem Unternehmen ist endlos; da gibt es z.B. Diaspora, ein aus der Asche des 'Quit Facebook Day' geborenes Netzwerk und Path, wo eine Freundesliste nicht mehr als 50 Einträge umfassen darf.
Was all diesen alternativen Entwürfen gemein ist: Sie legen stärkeren Wert auf den Schutz der Privatsphäre. Ausnahme ist allerdings die Seite Foursquare, die ihren Usern Rabatte bietet, insofern diese ein bisschen ihrer Privatsphäre preisgeben.

Angesichts der waltenden Wirtschaftskrise kann es durchaus von Bedeutung sein, ab und zu einmal etwas umsonst zu bekommen! Willst du wissen, wie du an Gratisprodukte, einmalige Rabatte oder auf die VIP-Liste der angesagtesten Lokale Deiner Stadt kommen kannst, obwohl du weder ein erfolgreicher Fußballer noch ein Fernsehstar bist? Ganz einfach: Kauf dir ein Smartphone, das mit GPS ausgestattet ist. Dann kannst du beginnen, Foursquare zu nutzen, eine neue App, über die im Laufe der letzten Monate bereits einiges an Tinte vergossen wurde.

Die x-te Erfindung der x-ten Jungunternehmer unter 35 Jahren - in diesem Falle des US-Amerikaners Dennis Crowley und des Londoners Naveen Selvadura - ist bereits auf dem Wege, die Gewohnheiten ihrer 2 Millionen registrierten Nutzer weltweit zu beeinflussen. Das Innovative an Foursquare sei die Idee, die Welt der Werbung über das alte Prinzip des "Weitersagens" revolutionieren zu können.

Einziges Ziel: Werbung an den Mann bringen?

Foursquare ist eine Mischung aus Facebook und Twitter und beruht auf dem verbreiteten Phänomen der Geolokalisierung (bzw. des Geo-Tagging). Diese sorgt dafür, dass jedes Handy-bewaffnete Mitglied eine öffentliche oder private Nachricht auf einer virtuellen Pinnwand hinterlassen kann; auf diese Weise wissen andere User, wo du dich gerade in diesem Moment befindest. Der Nutzen dieses Dienstes, der den armen George Orwell wahrscheinlich wieder einmal im Grabe rotieren lässt, liegt in den folgenden Punkten:

a) Man kann in Echtzeit Dinge über den Ort erfahren, zu dem man eventuell gerade unterwegs ist (z.B.: "Wegen eines Studentenprotests ist der Place de la Concorde blockiert" oder "Wegen eines elektrischen Defekts hängt die U-Bahn Linie A in der Station XY fest" usw.)

b) Möchte man ein neues Restaurant testen und möglicherweise ein Mädchen beeindrucken, das man auf Facebook kennengelernt hat (indem man monatelang bei jedem Link, den sie postete, auf "gefällt mir" geklickt hat), kann man nachschauen, ob jemand genau zu diesem Lokal einen Kommentar hinterlassen hat und anhand dessen eine Entscheidung treffen, ohne unschöne Entdeckungen zu riskieren.

Aber aufgepasst! Genau das ist das Besondere an Foursquare und unterscheidet diesen Dienst von allen anderen sozialen Netzwerken oder Apps dieser Art, die momentan im Umlauf sind. Wenn man ein Lokal, ein Geschäft oder ein Büro betritt und dort auf der Pinnwand einen Kommentar hinterlässt, kreiert man nicht nur eine Art Plan, aus dem hervorgeht, welche Orte man schon besucht hat; der User sammelt auch die Male, die er an einem bestimmten Ort schon gewesen ist und erwirbt so eine Art Abzeichen, das für alle auf Foursquare sichtbar ist.

Gezielte Werbestrategen

Das Netz zählt bereits über 2 Millionen MitgliederWeltweit erfolgreiche Ketten wie Starbucks oder HBO haben bereits ein gutes Geschäft gewittert und neue Möglichkeiten entdeckt, um für ihre Marke zu werben. Also haben sie Milliardenverträge unterzeichnet. Große Firmen setzen darauf, den Kunden an sich zu binden - und das längst nicht mehr nur durch Werbespots im Radio oder Fernsehen. Dank Foursquare bekommt man nicht nur treue Kunden, sondern "Fans" des eigenen Lokals, Restaurants etc., die sich mit der Marke identifizieren. Im Gegenzug für diese Treue, die man mittels Foursquare anhand der Zahl der Kommentare leicht messen kann, erhält der User von den Sponsoren je nach Anzahl der Abzeichen, die er erworben hat, bestimmte Privilegien (Sonderangebote, Rabatte, Geschenke).

Schon Albert Einstein sagte: "Atomkraft ist etwas Gutes und Sicheres, aber es kommt darauf an, wie man sie nutzt". Mit Foursquare ist es möglich den Aufenthaltsort eines jeden jederzeit ermitteln zu können, was in einer stummen Diktatur enden kann, wenn man die Möglichkeiten auf die falsche Weise nutzt. Gleichzeitig kann es aber auch eine komische und nicht kontrollierbare Kehrseite geben. Jeder, der diese App nutzt, wird schneller und gezielter mit Werbespots bombardiert werden. Warum soll man ein Geschäft betreten, wenn das eigene Telefon einem rät, zwei Schritte weiter zu gehen und von einem Sonderangebot zu profitieren?

Außerdem kann man sich fragen, was passieren würde, wenn diese Technologie eines Tages auch genutzt würde, um Werbung für Geschäfte zu machen, die in moralischer Hinsicht nicht viel Akzeptanz genießen, wie Sexshops, Waffenläden, Peepshows, Coffee Shops usw. Hätten die User, die dort eine bestimmte Anzahl von Besuchen und Abzeichen gesammelt haben, ebenso wie alle anderen User ein Anrecht auf Werbegeschenke, Sonderangebote und Rabatte, so wie es die Logik dieses sozialen Netzwerks vorsieht?

Foto: (cc)schatz/flickr