Gesellschaft

Fiat 500: Legende trotzt Wirtschaftskrise

Artikel veröffentlicht am 23. Februar 2009
Artikel veröffentlicht am 23. Februar 2009
Die Automobilindustrie ist krisengeschüttelt. Doch der Fiat-Konzern hat mit einer sehr gelungenen Marketingstrategie ein Modell kommerzialisiert, das es ihm erlaubt hat, gegen die Krise vorzugehen. „Ein italienischer Traum“ für weniger als 12.000 Euro.

©Mondial de l'auto/flickrMarco wartet darauf, eine erste Runde mit dem neuen Fiat 500 zu drehen. Er nimmt den Schlüssel in die Hand. Auf dem Weg zum Fahrersitz streift seine Hand über die Windschutzscheibe. „Der italienische Traum“, sagt er und lächelt, ehe er das Autohaus Galdieri Auto verlässt und in die Straßen von Salerno verschwindet. Die Motoren der Mercedes und der BMW der Autohändler nebenan dröhnen laut, während sie in die Straßen zur Innenstadt einbiegen. Aber in letzter Zeit sind sie keine großen Konkurrenten. Aufgrund der Krise im Automobilsektor sind es heute die kleinen Autos, die lachen, während die leistungsstarken, vollausgestatteten Wagen in der Garage oder auf den Fuhrparks der Autohersteller stehen bleiben.

Klein aber fein

Ein Mädchen hält an und steigt aus ihrem neuen Fiat 500, weiß mit rosa, gelben und grünen Blumen auf den Türen. „Mann, ist das Auto bequem“, sagt sie, während sie ihren Rock richtet, „es ist hip, leicht und kostet wenig.“ Es könnte auch ein Werbeslogan sein, wenn man bedenkt, dass in Zeiten finanzieller Unsicherheit genau diese Eigenschaften den Verkauf dieses Modells begünstigt haben.

Kleinzylindrig, kompakt, nicht zu teuer, und ästhetisch reizvoll. Im Autohaus zählt man stolz die Eigenschaften des Autos auf, während man um den Wagen herumgeht und schließlich auf dem Fahrersitz Platz nimmt. Besonders umweltfreundlich ist der Kleine obendrein: „Alle Triebwerke des 500ers erfüllen die Euro-4-Richtlinie und sind bereits dafür gerüstet, die strengeren Einschränkungen der zukünftigen europäischen Richtlinien (Euro-5) zu erfüllen. Sie halten bereits die Emissionsbegrenzungen ein, die vermutlich 2009 in Kraft treten.“ Der Preis des Basismodells startet in Italien bei 10.500 Euro. Dort kam nämlich das Modell 500 NAKED, dessen Ausstattung bis auf das Knochengerüst reduziert wurde und das in anderen Ländern für weniger als 10.000 Euro verkauft wird, nicht auf den Markt.

Trotzdem weniger Zulassungen

„Letztes Jahr wurde das Produktionsziel anfangs auf 120.000 Autos gesteckt. Dann legte man die Latte höher auf 150.000, und schließlich wurden bis zum Jahresende 191.000 Wagen verkauft”, erklärt der Manager Lorenzo Sistino. Auch in der Presseabteilung der Fiat Group spricht man von „positiven Zahlen“ trotz der Krise, aber man fügt hinzu: „Sicher war der 500er ein großer Erfolg aus kommerzieller Sicht. Aber man kann auf keinen Fall sagen, dass dieser Erfolg der Krise zu verdanken ist, die die Wirtschaft zurzeit schwer belastet. In den letzten Monaten ging die Zahl der Zulassungen sowohl in Italien als auch im Ausland stark zurück.“

©nvr77/flickrUnd obwohl der Fiat 500 als das italienische Auto der Krise schlechthin gilt, hat er mit der Wirtschaftskrise eigentlich wenig zu tun. Er ist das Endprodukt eines partizipativen Projekts, an dem sich potenzielle Käufer beteiligten, indem sie ihre Wünsche für den neuen 500er auf einer Internetseite äußern konnten. Das Auto, das im polnischen Tichau hergestellt wird, erfüllt somit die Wünsche der Kunden. Sein Erfolg stützt sich auf eine clevere Marketingstrategie und nicht auf Einsparungen von Geld oder Energie. Man legte Wert auf Ästhetik den Stil neuer Generationen. Paradoxerweise konnte der Fiat-Konzern, der in den letzten Jahren wiederholt vor dem Aus stand, dank der 'Marchionne-Kur' [Sergion Marchionne ist CEO der Fiat-Gruppe; A.d.Red.] dem internen Debakel entgegensteuern und so durch seine Risikobereitschaft dem Crash, von dem eigentlich der ganze Automobilsektor betroffen war, entkommen. Der Fiat 500 ist eine andere (vielleicht positive) Herangehensweise an die Krise, aber bestimmt kein Ausweg. Dies sieht man auch an den vielen italienischen Arbeitern, die vorübergehend in die technische Arbeitslosigkeit gleiten.