Gesellschaft

Fast Food Nation Europa

Artikel veröffentlicht am 12. Oktober 2007
Artikel veröffentlicht am 12. Oktober 2007
Übergewicht und Fettleibigkeit sind die größten Problemzonen des modernen Europa. Mehr als die Hälfte der erwachsenen Europäer sind übergewichtig. Ungefähr 30 Prozent leiden an Fettleibigkeit.

Europa platzt aus allen Nähten! Die Gründe dafür sind hauptsächlich falsche Ernährungsgewohnheiten und fehlende Bewegung. Die Zahl der Todesfälle, die auf Übergewicht und Fettleibigkeit zurückgeführt werden können, ist höher als die Todesfälle durch Tabakkonsum. Die Behandlungskosten von Folgekrankheiten der Fettleibigkeit betragen mehrere Milliarden Euro jährlich. Auch die sozialen Kosten der Fettleibigkeit machen sich zunehmend bemerkbar. Übergewichtige Kinder werden oft von Schulkameraden gehänselt: niedriges Selbstwertgefühl, Gereiztheit und aggressives Verhalten sind die Konsequenzen.

Die Europäische Union ist dem Problem auf der Spur. Erst kürzlich hat die EU eine Kampagne gestartet, die über korrekte Essensgewohnheiten aufklären und zu höherer sportlicher Betätigung motivieren soll. Auf Europaebene hat man das Grünbuch "Förderung gesunder Ernährung und körperlicher Bewegung" und die "Europäische Plattform für Ernährung, körperliche Bewegung und Gesundheit" ins Leben gerufen. Mitglieder sind Vertreter aus Lebensmittelindustrie, Handel, Werbung und Nichtregierungsorganisationen.

French Fries, Salt & Vinegar

Großbritannien weist den größten Prozentsatz (mehr als 60 Prozent der Volljährigen) an Einwohnern mit Gewichtsproblemen und Fettleibigkeit auf. Die Regierung hat den Kampf gegen die Kalorien bereits vor einigen Jahren aufgenommen: Lange vor der Initiative des Europäischen Parlaments haben die Briten ein Etikettierungssystem für Lebensmittel eingeführt. Die Produkte sind mit farbigen Symbolen gekennzeichnet, die an das Ampelsystem erinnern: rot (nicht essen - Übermaß an Salz, Fett oder Kohlenhydraten), gelb (mäßiges Risiko) und grün (sehr gesund).

In britischen Schulen wird außerdem eine weit angelegte Kampagne zur gesunden Ernährung durchgeführt. Die Schüler erhalten an mehreren Tagen wöchentlich frisches Obst, das aus der Haushaltskasse der Regierung finanziert wird. In den Schulkantinen verzichtet man auf Hamburger und Pommes zugunsten von Gemüse, Salat und fettarmem Fleisch.

Deftiges aus Polen

In Polen hat die Übergewichts- und Fettleibigkeitsepidemie - im Vergleich zu den anderen europäischen Mitgliedstaaten - bereits verheerende Ausmaße angenommen (ungefähr 47 Prozent der erwachsenen Bürger sind übergewichtig). Der deutliche Aufwärtstrend macht Präventivmaßnahmen für die Zukunft dringend notwendig.

Im Rahmen des 2005 ins Leben gerufenen Programms "Diät, physische Aktivität und Gesundheit" ging eine Aufklärungskampagne in die Startlöcher, die sich hauptsächlich an Grundschulen wendet. Sie will die Jugend über die Bedeutung sportlicher Betätigung für die Gesundheit und die Regeln rationaler Ernährung aufklären.

Nichtregierungsorganisationen fordern mehr Sportstunden und körperliche Betätigung in Schulen. Sie setzen sich außerdem für die radikale Änderung der sportpädagogischen Inhalte ein. Statt traditionellem Sportunterricht - Ausdauer, Weitsprung, Kletterstange - soll den Bedürfnissen von modernen Jugendlichen durch Tanz, Rollerblades und Aerobic entsprochen werden.

Schweden: Heiße Schokolade

In Schweden haben Forscher herausgefunden, dass neben dem allgegenwärtigen Fast Food und der fehlenden Bewegung auch die morgendliche 'Heiße Schokolade' den Zuwachs an Gewicht bei Schulkindern begründet. Zudem predigt die Regierung neben dem Verzicht auf Pommes, Hamburger und Süßigkeiten auch kalorienhaltige Getränke durch Mineralwasser zu ersetzten.

Seit einigen Jahren existiert auch in Schweden ein Etikettierungssystem für Lebensmittel. Eine Initiative des schwedischen Ernährungsministeriums macht auf Fast Food-Werbungen aufmerksam, deren Zielgruppe hauptsächlich Kinder und Jugendliche sind. Der Minister hat Vertreter der Lebensmittel- und Werbeindustrie zur Zusammenarbeit aufgefordert.

Gänseleberpastete in Frankrecih

Auch Frankreich, dessen Küche allgemein als gesund gilt, muss den Gürtel zunehmend enger schnallen. Für die ältere Generation ist die Situation noch nicht alarmierend. Der wachsende Anteil an jungen Menschen, denen im Alter Übergewicht droht, ist allerdings Besorgnis erregend.

Aus Sorge um die Gesundheit der französischen Jugend hat man bereits im Jahr 2000 begonnen, Snackautomaten in Schulen und an öffentlichen Plätzen zu entfernen. Im laufenden Jahr hat die Regierung eine breit angelegte Werbeaktion zum Thema "Gesunder Lebensstil" gestartet, in der versucht wird, die Franzosen zu sportlichen Aktivitäten und zum Verzehr von mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag zu bewegen.

Eine vorbildliche Werbekampagne für gesunde Ernährung während der Championsleague