Gesellschaft

Falkland-Inseln: zurück nach Hause

Artikel veröffentlicht am 14. Juni 2007
Artikel veröffentlicht am 14. Juni 2007
Der 14. Juni 2007 ist der 25. Jahrestag der britischen Befreiung der Falkland-Inseln. Ein in der Nachkriegszeit geborener Inselbewohner berichtet über wirtschaftliche, europäische und nachbarschaftliche Errungenschaften des Archipels.

Die meisten Europäer (wenn sie die Inselgruppe überhaupt kennen), assoziieren die Falkland-Inseln wahrscheinlich mit den Kahlschlag-Bildern eines Konfliktes, der am 14. Juni 1982 zu Ende ging. Oder aber sie denken an den Streit um die Territorialherrschaft zwischen Großbritannien und Argentinien. In den letzten 25 Jahren haben sich die Falkland-Inseln nichts desto trotz zu einer zunehmend dynamischen Gemeinschaft mit vielen Zukunftsplänen entwickelt.

Falk-wessen Inseln?

Die Falkland-Inseln sind ein britisches Überseegebiet im Südatlantik, das 2955 Einwohner zählt (91% davon sind Briten oder Zugewanderte) und dessen Parlament (Legislative Council) sich aus einem Gouverneur (momentan Alan Huckle) und 8 weiteren Vertretern zusammensetzt. Die zwei Wahlbezirke zählen 5 Mitglieder, die die Hauptstadt Stanley repräsentieren, und drei für das Umland "Camp". Alle Regierungsmitglieder sind unabhängig, da es keine politischen Parteien auf der Insel gibt.

Viele Menschen sind der Auffassung, dass sich die Inselgruppe nur aufgrund von britischen Finanzspritzen über Wasser halten kann. Tatsächlich sind die Falkland-Inseln aber auf allen Gebieten - die Verteidigung ausgenommen (0,5 Prozent des britischen Verteidigungsbudgets) - wirtschaftlich selbständig. Die Inseln verwalten sich weithgehend selbst, obwohl Außen- und Verteidigungspolitik von der britischen Regierung geführt werden. Seit dem Ende des Konflikts lässt sich ein deutlicher Wirtschaftsaufschwung verzeichnen: das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist von 5 Millionen Pfund (1980) bis auf 72 Millionen Pfund (2004) in die Höhe geschossen. Die Hochseefischerei ist die wichtigste Einkommensquelle der Falkland-Inseln.

Europa und die Falkland-Inseln

Als Übersehgebiet eines europäischen Mitgliedsstaates, wird den Inseln ein spezieller rechtlicher Status im Rahmen der Römischen Verträge und des Vertrags von Maastricht zugestanden. In Wahrheit wird das Archipel im Südatlantik aber von der EU nicht als britisches Übersehgebiet anerkannt. Die Falkland-Inseln haben allerdings ein auf der "Overseas Association Decision" basierendes Abkommen getroffen, das die zollfreie Einfuhr von Produkten aus den Überseeländern und Territorien zusichert. Als britische Bürger können die Falkland-Bewohner in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union reisen und arbeiten. Andersherum funktioniert das jedoch nicht: britische Festlandbewohner müssen einen Beitrag für den freien Personenverkehr, ähnlich wie für den Zoll zahlen.

Die Falkland-Inseln werden auf zwei Wegen finanziell von der Europäischen Kommission unterstützt. 4,2 Millionen Pfund wurden von STABEX (System zur Stabilisierung der Exporterlöse von Entwicklungsländern) bereitgestellt. Erst kürzlich haben die Falkland-Inseln davon 2,5 Millionen Pfund bezogen und haben demnach noch Anspruch auf die Summe von 1,7 Millionen Pfund. Die zweite Unterstützungsleistung kommt vom Europäischen Entwicklungsfonds (EEF), der in einen Regional- und einen Territorialfonds untergliedert ist und sowohl 700 000 Euro für die Entwicklung der Infrastruktur, als auch 3 Millionen Euro für territoriale Investitionen, sowie weitere 1,5 Millionen Euro regional zur Verfügung gestellt hat.

Die Regierungsvertreter der Falkland-Inseln und Vertreter der Europäischen Kommission treffen sich einmal jährlich zum "EU-OCT"-Forum, das sich aus Repräsentanten der Europäischen Union und der OCT-Staaten (Überseeländer und Territorien) zusammensetzt.

"Die Beziehungen laufen gut", bestätigt Dr. Andrea Clausen, Parlamentarierin der Falkland-Inseln. "Wir werden versuchen noch intensiver mit der Europäischen Kommission zusammenzuarbeiten, um den kontinuierlichen Marktzutritt und die finanzielle Unterstützung aufrecht zu erhalten. Damit können wir langfristig unsere Infrastruktur weiterentwickeln."

Auf gute Freundschaft

Unter Präsident Néstor Kirchner haben sich die Beziehungen mit dem benachbarten Argentinien in der Heimat allerdings ernsthaft verschlechtert. Kirchner hatte sich zuerst in gewinnbringenden Geschäften kooperativ gezeigt, wie zum Beispiel bei der Erhaltung gemeinsam nutzbarer Fischvorkommen. Heute vergibt Argentinien einseitige Auflagen, die die Wirtschaft der Falkland-Inseln untergraben. Beispielsweise verhängte die Regierung eine Sperre für Charterflüge auf die Inseln und versucht bis dato zu verhindern, dass Unternehmen aus der Kohlenwasserstoff-Branche auf den Falkland-Inseln investieren.

Während die Bewohner des Eilands die argentinische Unterdrückungsmentalität verurteilen, haben einige Argentinier auf der Inselgruppe ein zu Hause gefunden und sich bestens in die Gesellschaft integriert. Generell sind Falkland-Bewohner äußerst stolz auf ihre kulturellen Wurzeln. Aber hin und wieder beschwert man sich gern über den Identitätsverlust des "kleinen Englands". Alec Betts, der jetzt Alejandro heißt, ist im Juni 1982 endgültig nach Argentinien ausgewandert und unterstützt nun öffentlich dessen Rechtsanspruch auf die Falkland-Inseln. Anfang des Jahres war er Kandidat für das Amt des Bürgermeisters in einer kleinen argentinischen Stadt und hat die Ansprüche seiner Wahlheimat vor der Vereinten Nationen in New York vorgetragen.

Möglicherweise werden die Falkland-Inseln in den nächsten 25 Jahren multikultureller werden. 394 Bewohner kommen ursprünglich von der britischen Überseeinsel St. Helena im Südatlantik (13 Prozent), andere Einwanderer kommen aus Chile. Zwischen 2001 und 2005 ist die Zahl der chilenischen Einwanderer um 4 Prozent, von 65 auf 131 Bewohner gestiegen.

"Die Falkland-Gesellschaft konnte von ihrer eigenen kulturellen Vielfalt profitieren", glaubt John Clifford, ein Regierungsvertreter St. Helenas. "Die Falkland-Inseln bekommen die Einwohner und Arbeitskräfte, die sie benötigen, und St. Helenas Auswanderer eine sichere Einkommensquelle und Jobangebote in Verantwortungspositionen. Viele "Saints" akzeptieren die Falkland-Inseln als ihr neues zu Hause und haben dort in ihre Zukunft investiert."

Stacy Bragger, 23, ist eine Inselbewohnerin und Reporterin beim "Falkland Islands Radio Service"

52 Grad im Süden - Leben auf den Falkland-Inseln

Es war unheimlich schwierig die Menschen in Großbritannien, besonders im Londoner Norden, wo ich als Zeitungsreporterin gearbeitet habe, zu überzeugen, dass es hier wirklich Leben gibt: ein ausschweifendes, pulsierendes und zu Zeiten sogar sehr sonniges Leben - bei 52 Grad im Süden!

Die Falkland-Inseln ermöglichen ein Leben in berauschender Freiheit. Man kann sein Mittagessen an glänzenden, schneeweißen Stränden genießen und dabei Pinguinen und Delphinen zusehen. Es gibt riesige blaue Himmel und kräftiges, helles Licht (keine Umweltverschmutzung) und das soziale Leben dieses abgelegenen Archipels entwickelt sich schneller denn je.

Türen und Fahrzeuge werden hier nicht abgeschlossen, Diebstähle sind selten, Kinder haben noch die Möglichkeit wie Kinder zu spielen. Außerdem haben wir eine niedrige Arbeitslosenquote, keine Warenketten und werden nicht mit Werbung überschüttet.

"Camp", wie die Insulaner alles nennen, was außerhalb der Hauptstadt Stanley liegt, ist die spirituelle Heimat der Falkland-Inseln: eine Landschaft der Einsamkeit, der harten Arbeit und der unendlichen Weiten. Die Inselbewohner neigen jedoch dazu, ihre Heimat zu idealisieren: in Wahrheit lockt die Inselgruppeaber zunehmend weniger Leute an.

Die Hauptstadt Stanley wird durch Menschen aus dem Umland, Einwanderer - zu denen ich selbst gehöre - oder junge Leute, die auf Regierungskosten im Ausland studiert haben, bevölkert. Sie kommen mit einer Energie und Loyalität hierher zurück, von denen andere Inselnationen nur träumen können.

Im Gegensatz zu vergleichbaren Städten weltweit, ist Stanley gezwungenermaßen eigenständig. Mit eigenem Krankenhaus, Flughafen und Hafen, eigenen Schulen, einem Polizeipräsidium, Supermärkten, Restaurants und Pubs könnte man Stanley als "Hauptstadt-Dorf" bezeichnen.

Sue Gyford, 32, berichtet aus Edinburgh, wohin sie kürzlich nach dreieinhalb Jahren zurückgekehrt ist. Sie war Nachrichtenredakteurin beim "Falkland Islands Radio Service."