Gesellschaft

Europäische Staatsoberhäupter: Durchschnittsalter 55

Artikel veröffentlicht am 16. Januar 2008
Im Magazin veröffentlicht
Artikel veröffentlicht am 16. Januar 2008
Junge Staatsoberhäupter machen zwar liberale Politik, haben aber weniger Erfahrung als ältere Staatsoberhäupter? Entspricht das der Wahrheit?

Das Durchschnittsalter der europäischen Staatsoberhäupter ist 55; wobei zwischen dem ältesten, dem litauischen Präsidenten Vladas Adamkus, 81, und dem jüngsten, dem schwedischen Premierminister Frederik Reifeldt, 42, eine Alterslücke von 39 Jahren klafft. Fünf Staatsoberhäupter der Europäischen Union sind in den Vierzigern, 16 in den Fünfzigern und 7 sind über 60. Hängt der Regierungsstil vom Alter ab und gibt es ein ideales Alter für europäische Staatsoberhäupter?

Beliebt: Spanien, Schweden, Zypern - unbeliebt: Ungarn, Italien

Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero wurde 2004, im Alter von 44 Jahren gewählt. In seiner Amtszeit hat er die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert, das Bildungssystem reformiert und illegalen Einwanderern Massenregulierungen gewährt. Der Sozialist Zapatero kehrte die konservative Politik seines Vorgängers mittels liberaler Politik teilweise ins Gegenteil um.

44 und 41: Zapatero und Reinfeldt (Fotos: guillaumepaumier/ flickr/ Mattias Olsson/ Wikimedia)

Jugend gleich liberale Politik? Der schwedische Ministerpräsident Frederik Reinfeldt wurde 2006 im Alter von 41 Jahren gewählt. Der liberale Konservative aus der Moderaten Sammlungspartei (Moderata samlingspartiet) senkte die Steuern für Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen und behielt die Steuerrate für solche mit hohem Einkommen bei.

Aber der jüngste zu sein bedeutet noch lange nicht, der beliebteste zu sein. Der ungarische Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány, 46, wurde auf Video erwischt, wie er behauptete, seine Regierung bestünde aus Lügnern, was zu gewalttätigen Demonstrationen in der Hauptstadt Budapest führte. The Economist und andere warfen ihm vor, "angesichts der Brutalität der Polizei beide Augen zuzudrücken".

Die 68er: Romano Prodi und Aníbal Cavaco Silva (Fotos: laurentius87/ flickr / Ricardo Stuckert/PR/ Agencia Brasil/ Wikimedia)

Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi und der portugiesische Präsident Aníbal Cavaco Silva sind beide 68 und damit in einem Alter, in dem die meisten Politiker in die Rente gehen. Prodi, Präsident der Mitte-links Demokraten (Democratici), war am 27. Februar 2007 gezwungen seinen Rücktritt einzureichen, als seine Regierung seiner Außenpolitik im Hinblick auf Afghanistan nicht zustimmen wollte. Schließlich behielt er durch ein Vertrauensvotum seinen Posten als Ministerpräsident. Der zypriotische Präsident Tassos Papadopoulos, 74, scheint beliebter zu sein. Er half Zypern 2004 der EU beizutreten und die Kriterien zu erfüllen, um der Euro-Zone am 1. Januar 2008 gemeinsam mit Malta beizutreten. Er brachte auch Verhandlungen zur Vereinigung Zyperns in Gang.

Brown, Sarkozy: mittleres Alter

Die prominentesten Machthaber der EU im mittlerem Alter, der britische Premierminister Gordon Brown, 56, und der französische Präsident Nicolas Sarkozy, 52, haben verschiedene Regierungsstile. Der Anführer der britischen Arbeiterpartei (Labour Party) hebt sich durch seine Modernisierungsbestrebungen vor. Auf lange Sicht strebt er eine geschriebene Verfassung für das Vereinte Königreich an.

56 und 52: James Gordon Brown und Nicolas Sarkozy (Fotos: david_terrar/ Fr@nçois/ flickr)

Dem Vorsitzenden der französischen UMP (Union pour un mouvement populaire) wird oft sein egozentrischer Stil vorgeworfen. Beispielsweise zensiert er Medien, die Inhalte über sein Privatleben veröffentlichen. Kürzlich hatte er jedoch eher offen über seine Beziehung zum italienischen Model und Sängerin Carla Bruni geplaudert. Er plant auch, Kirchen zu subventionieren, was der säkularen Tradition Frankreichs entgegenstehen würde. Trotz "Hassreden" über Immigration beinhaltet Sarkozys Politik einige moderne Aspekte. Er entwarf einen Plan, der die Erderwärmung ausbremsen soll, und schlug vor, das Gesetz zur Erbschaftssteuer (die in Frankreich 50 Prozent beträgt) zu überdenken.

Europäer ziehen es also klar vor, Kandidaten zu wählen, die in den Fünfzigern sind. Für ältere scheint es unmöglich, gewählt zu werden - es sei denn, der Kandidat war sehr beliebt, als er ein höheres Amt inne hatte. Da wäre zum Beispiel Aníbal Silva, der zehn Jahre Portugals Premierminister war und dann Präsident wurde. Oder Prodi, der vorher Ministerpräsident und Präsident des Europäischen Rates gewesen war.

Die unter-50-Jährigen engagieren sich schon sehr früh in der Politik: Zapatero begann schon 1976, im Alter von 16 Jahren. Unvergessen bleibt auch der frühere portugiesische Ministerpräsident und jetzige Kommissionspräsident, Jose Manuel Durão Barroso - als kommunistischer 19-jähriger Student.

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Intext-Foto: Als Barroso Kommunist war (sopo.pt)