Gesellschaft

Europäische Hochschullandschaft: Klassenbeste und Schlusslichter

Artikel veröffentlicht am 19. März 2013
Artikel veröffentlicht am 19. März 2013
Englands, Dänemarks und Schwedens Hochschulsysteme gehören laut einer aktuellen Studie zu den besten Europas. Die Wahrscheinlichkeit für schwedische Absolventen, drei Jahre nach ihrem Abschluss eine Beschäftigung zu haben, ist um 6,6% höher als für andere europäische Absolventen. Müssen Studierende für ein erfolgreiches Studium also gen „Norden“ gehen?

Ist es eine Überraschung, dass Zypern sich zu den „üblichen Verdächtigen” - Norwegen, die Schweiz, Großbritannien (mit den höchsten Studiengebühren in ganz Europa), die Niederlande und Schweden - der Kategorie beste europäische Hochschulen hinzugesellt? In ihrem kürzlich veröffentlichten Vergleich zwischen den Hochschulsystemen Europas analysiert die niederländische NGO Empower European Universities, die sich für die Stärkung der europäischen Universitäten einsetzt, beispielsweise die Höhe der Finanzhilfen für Studierende oder Abschluss- und Beschäftigungsquoten. Ein passender Moment: zur Stunde haben bereits 17 europäische Regierungen (66%) den Haushalt für Hochschulen gekürzt, während 13 Regierungen die Fördermittelprogramme für Studierende seit 2008 zusammengestrichen haben.

„In Madrid hätte ich viermal mehr für mein Masterstudium bezahlt als hier in den Niederlanden“

„In Madrid hätte ich viermal mehr für mein Masterstudium bezahlt als hier in den Niederlanden,“ antwortet ein spanischer Student auf die Frage, warum er keine spanische Hochschule besuche. Dort kostet ein Masterstudium schon mal 3.600 Euro, verglichen mit 1.700 Euro in den Niederlanden. Obwohl die Situation in England und Spanien in den 1990er Jahren nicht gegensätzlicher hätte sein können, sind die Herausforderungen ein Jahrzehnt später ähnlicher als es auf Anhieb scheint. Beide Regierungen haben vor kurzem drastische Kürzungen in ihrem öffentlichen Haushalt vorgenommen, die zukünftigen Bachelorstudierenden keine andere Wahl lassen, als im Ausland zu studieren.

Zypern: Klassenbester in Sachen Subventionen

Zypern gehört dank der Regierungsinvestitionen zu den Spitzenkandidaten im Hochschulbereich. Durch die Deregulierung der Unterrichtssprache kommen nicht nur Studierende aus den Nachbarstaaten, sondern aus der ganzen Welt ins Land. Paradoxerweise gesellt sich Zypern zu den anderen drei Ländern mit höheren Beschäftigungsquoten, gut finanzierten Hochschulen und großzügigen Fördermittelprogrammen - Norwegen, Schweden und die Niederlande - die niedrigere Abschlussquoten haben. In Norwegen besteht zum Beispiel ein Mangel an staatlichen Initiativen zur Förderung der Abschlussquoten.

Griechenland und Ungarn: schlecht subventionierte Schlusslichter

Es ist wohl keine Überraschung, dass die Hochschulen im benachbarten Griechenland nicht zu den Begehrtesten gehören. Aufgrund der gegenwärtigen finanziellen Situation und einem Mangel an stabilen Strukturen verfügen die griechischen Universitäten über weniger Autonomie und können ihren Haushalt somit nicht eigenständig verwalten. Ein gutes Beispiel für den negativen Einfluss dieser Finanzlogistik auf die akademische Qualität der griechischen Universitäten ist das ATHENA-Programm für Hochschulpolitik der griechischen Regierung. Eine der jüngsten Maßnahmen ist die Zusammenlegung der Anglistik-, Romanistik- und Germanistikabteilungen, die eine Verschlechterung der Bildungs- und Ausbildungsstandards zur Folge haben wird.

In Ungarn sind die Entwicklungen noch besorgniserregender. Trotz der Bemühungen der Regierung, staatlich geförderte Studierende daran zu hindern, im Ausland zu studieren, wurde die Anzahl der aus der Staatskasse finanzierten Studienplätze um 25% reduziert. Die ungarischen Universitäten werden voraussichtlich Milliarden an staatlichen Fördermitteln und etliche Fachkräfte einbüßen müssen. Nach einem Vorschlag der Regierung zur Hochschulfinanzierung sollen alle Studierenden, die finanzielle Unterstützung vom Staat bekommen, verpflichtet werden, im Anschluss mindestens die doppelte Zeit ihres Studiums in Ungarn zu arbeiten. Vielleicht wäre der richtige Weg ein europaweiter Forschungsfonds statt der einzelnen nationalen Förderprogramme - um die Situation in ganz Europa zu verändern.

Die Autorin des Artikels engagiert sich für 'Empower European Universities' und studiert an der Universität Maastricht.

Fotos: (cc)sciencesque/Flickr (official site); "Graduate in bathroom" (cc)Hung Ju Lu/Flickr