Gesellschaft

Eulen nach Athen

Artikel veröffentlicht am 14. November 2007
Artikel veröffentlicht am 14. November 2007

Wer sich 2004 anlässlich der Olympiade in Athen aufhielt, konnte neben den sportlichen Ereignissen eine weitere Kuriosität entdecken. Am Olympiastadion stellte ein Künstler 10.200 Eulen-Figuren in den Farben der olympischen Ringe auf. Beim regelmäßigen Turm-zu-Babel-Leser hätte es natürlich sofort 'klick' gemacht: Da hat ja jemand Eulen nach Athen getragen!

Zugegeben, nicht jeder hätte damit sofort etwas anfangen können. Das Sprichwort geht auf den griechischen Dichter Aristophanes (um 455 v. Chr.) zurück. Er stellte sich die Frage: "Wer hat denn die Eulen nach Athen gebracht?" Seitdem wird dieser Ausdruck beispielsweise in Deutschland oder Schweden dazu gebraucht, etwas zu beschreiben, das absolut überflüssig und unnötig ist - da es in Athen von jeher viele Eulen gab - waren sie doch das Symbol der Göttin Athene.

In Frankreich geht Athene zugunsten ihrer Konkurrentin, der Weisheitsgöttin, deren Tribut die Eulen sind, leider leer aus: porter des chouettes à Minverve ("Eulen nach Minerva tragen") heißt die Redensart dort. Der Franzose kann sich aber auch deutlicher ausdrücken: porter de l'eau à la rivière heißt wörtlich "Wasser zum Fluss tragen". Fast ebenso praktisch halten es auch die Polen: sie tragen "Holz in den Wald" (Nosiæ drwa do lasu).

In Spanien, dem Land Cervantes', der mit Don Quijote den ersten Roman schuf, ist man ungleich literarischer: Hier wird dem "Imker Honig verkauft": vender miel al colmenero. In England werden die Hemdsärmel hochgekrempelt und die Arbeitervergangenheit deutlich: carry coals to Newcastle, also "Kohlen nach Newcastle" bringen, eine völlig überflüssige Angelegenheit, denn von Newcastle aus wurde Kohle in die ganze Welt exportiert!

Nächstes Mal also aufpassen, wenn man wieder einmal unnötige Dinge verschenken will: es könnte sich eine Redensart daraus entwickeln!